Rund 200 beim SPD Kabarett 

Der Hans Söllner aus Niederbayern

Indersdorf - Einer, der nach zweieinhalb Stunden noch Zugaberufe erntet, kann seine Sache nicht so schlecht machen. Beim Kabarett-Abend der Indersdorfer SPD begeisterte heuer der Weiherer rund 200 Besucher.

Radikalpoet, Helene Fischer des Kabaretts oder Lieder-Bombenleger, so möchte der Weiherer aus Niederbayern am liebsten bezeichnet werden. Am Kabarettabend der Landkreis-SPD im Gasthaus Doll machte er seinem Namen alle Ehre:

Mit abgewetzten Jeans, lässiger Sweatshirtjacke und dunkelblonder Langhaarmähne machte er bereits am Anfang seinem Ärger über die bayerische Politik Luft: „CSU – meine Feindbilder sterm ned aus. Vorbei ist mit Atomkraft, auf jedem Dach a Solarzelle und im Gehirn a kloana Chip, mit dems uns fernsteuern kenna und sie nennas Politik.“ Bei den rund 200 Besuchern des Kabarettabends mit dem pfiffigen Niederbayer kam die sehr ehrliche und derbe Gesellschaftskritik in seinem aktuellen Programm „A Liad, a Freiheit und a Watschn“ durchaus an.

Christoph Weiherer, wie er im echten Leben heißt, erntete tosenden Applaus und Zustimmungspfiffe aus dem Publikum. „I hob’ scho imma gwusst, dass da Dobrindt a Depp ist“, scherzte der 35-Jährige weiter. Das erkannte er spätestens, als der Minister sagte: Wer gegen Atomkraft und Stuttgart 21 demonstriere, brauchte sich nicht wundern, wenn morgen in seinem Garten ein Minarett stünde: „Auf das Minarett warte ich bis heut no“, war die Antwort des Weiherers. Der CSU-Politiker Alexander Dobrindt scheint den Künstler offenbar für sein Programm zu inspirieren, denn seit rund einem Jahr tritt der 35-Jährige mit seiner Band „Weiherer und die Dobrindts“ auf. Dafür habe er natürlich ausschließlich „lauter Volldeppen eingestellt, dass die a zum Bandnamen passen“.

Doch dabei wollte es der alternative Freiheitskämpfer mit dem hinterhältigen Kichern des Boandlkramers nicht belassen – das Publikum sollte an seiner Rebellion gegen die öffentliche Überwachung mitmachen. „25541“ – diese Postleitzahl stand im Mittelpunkt, denn der Weiherer rief zu einem Boykott auf. Jeder Kabarettbesucher sollte der Frage nach dem Wohnort an der Baumarktkasse trotzen und schlichtweg die Postleitzahl von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein angeben. „2-5-5-4-1“ rief das Publikum lautstark durch den Saal: „Das ist ja wie bei einer Sekte“, stellt der erfrischend unkonventionelle Alleinunterhalter grinsend fest.

Sonst heizte der Weiherer mit lässigen Sprüchen ein: „Wega mir miassts net dobleim. I kenn ja mein Schmarrn scho“ oder „Fürs Dschungelcamp hättens mi heit a braucha kenna, aber dann hob i gsagt, dass I heit in Markt Indersdorf spuin muass. Des hom de von RTL natürlich verstanden“ und nahm kein Blatt vor den Mund „I hob scho an Beckstein, an Stoiber und zwoa Päpste weggsunga, und an Seehofer hots letzte Woch a scho umgehauen.“ Der Weiherer erinnerte dabei sehr an den systemkritischen Hans Söllner, der sich ebenso mit der Gitarre und Mundharmonika auf die Bühne stellte und gegen die CSU wetterte. Aber der Weiherer, ursprünglich aus Zeilarn in Niederbayern, an der Grenze zum „gelobten Land Oberbayern“, wie er sagte, kann auch ganz anders: Leise, nachdenklich, sogar ein bisschen verliebt. War anfangs die Gitarre sein Begleitinstrument, nahm er nun noch die romantische Ziehharmonika dazu und schwelgte über die vergangene Liebe und dieses tiefe Unwohlsein in ihm: „Sog moi is des überhaupt no mei Hoamat?“, fragte er sich andächtig singend: „Wo ois wos da Schuhbeck macht, für heilig erklärt werd, wo i de Leid scho lang nimma versteh, wo jeder Euro in da Baugruam versenkt werd und wo ma so fortschrittlich ist, wie da Dobrindt beweist?“

Seit fast 15 Jahren ist der gesellschaftskritische Weiherer nun schon auf den Bühnen in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland unterwegs, der ganz große Durchbruch mit einem Platz in den Charts blieb aber bisher noch aus. Deswegen appellierte er an sein Indersdorfer Publikum, 700 CDs zu kaufen, denn mit 1000 CDs pro Woche komme ein Künstler heutzutage in die Charts und 300 hätte er in den letzten Tagen bereits an den Mann gebracht.

Nach einer 20-Minuten-Pause musste der sympathische Grantler zwar grinsend feststellen, dass seine Hoffnung nicht ganz erfüllt wurde, aber er ließ sich trotzdem nicht aus dem Konzept bringen. Schließlich versuche er wenigstens die 18 Euro Eintrittsgeld wieder hereinzuarbeiten: „Des klappt ned immer, manchmoi kimm i nur auf 14 Euro. Dann griangs hoit no a bissl wos retour nach der Vorstellung“, scherzte er. Dass das Indersdorfer Publikum durchaus zufrieden mit ihm war, merkte er nicht zuletzt an den lauten Zugaberufen nach fast zweieinhalbstündigen Vorstellung. Und der Weiherer ließ sich nicht lange bitten. In seinem Abschlusslied „Net schlimm“ steckte er die Gitarrenverstärker und das Mikrofon aus und begab sich mitten ins Publikum – weg von seiner scharfzüngigen Kritik und den derben Sprüchen. Zurück kam der nachdenkliche Weiherer. Gänsehautstimmung, Menschen, die ihre Augen schlossen, während er sang: „So langs no Dog gibt, wo ich lacha kann und I des Lem no in mir gspür, so lang i woaß, dass net umsonst ist, dass I sing. Solang i tanzen kann, wenn i glücklich bin und i no woaß für wos i leb, solang is ois no net so schlimm.“

Von Anna Schwarz 

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