Kampf gegen Strommasten im Garten

Dachau - Es gab ein großes Aufatmen im Landkreis, als der Planfeststellungsbeschluss der Linie A rechtsgültig wurde. Nicht aber am Weblinger Weg. Denn erst dann haben die Anwohner erfahren, dass sie unter dem Ausbau leiden müssen - und wollen nun auf die Barrikaden gehen.

Karin Hampe steht auf ihrem Grundstück am Weblinger Weg. Vor ihr reckt eine 100 Jahre alte Fichte ihre Äste empor, neben ihr ein 70 Jahre alter Apfelbaum, an der Grundstücksgrenze wächst eine 32 Jahre alte Hecke. Der geht es vermutlich bald an den Kragen - aber wo und wie, dass weiß Karin Hampe noch nicht genau. Nur, dass „eine Inanspruchnahme von Fremdgrund leider nicht zu vermeiden ist“.

Genau das hat ihr die Firma „DB Netze“ am 3. Mai in einem Brief mitgeteilt, wie allen anderen Bewohnern der Südseite des Weblinger Wegs. Darin steht, dass die „Eingriffe in bestehende Nutzungen auf ein Minimum reduziert“ werden sollen. Heißt im Fall Hampe: Drei Quadratmeter von ihrem Grundstück muss das Ehepaar hergeben und auf 59 Quadratmetern eine „Dienstbarkeit“ ermöglichen - also ein gewisses Nutzungsrecht. „Die wollen bei uns in die Grundstücke rein“, sagt Ehemann Wilfried Hampe. „Aber wir sind dagegen.“ Denn: Man könnte die Strommasten ja auf der gegenüberliegenden Seite der Gleise hinbauen. „Das ist unser Hauptanliegen“, sagt Hampe. „Denn da ist wirklich genügend Platz.“ Dort kommt nämlich erstmal: nichts. Und dann der Waldfriedhof.

Nur: Der Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahnbundesamts ist bereits rechtskräftig. Das Verfahren lag zweimal öffentlich aus, im März 2010 und im Mai 2011, und der Beschluss vom 27. März bis zum 11. April 2013. Die Betroffenen wurden darüber aber im Vorfeld nicht einzeln informiert - wenn mehr als 50 Flurstücke betroffen sind, ist das rein rechtlich gesehen nicht nötig. Die Linie A betrifft über 300. Also war die Frist für die Einwendungen schon längst abgelaufen, als die Bewohner ihre Briefe von der DB Netze bekommen haben - und darüber informiert wurden, dass eine „gärtnerische Bewertung“ der Grundstücke erforderlich ist. „Wenn wir das gewusst hätten!“, sagt Karin Hampe. Haben sie aber nicht, betonen sie. Und nun stehen sie vor vollendeten Tatsachen. Die Dachauer fühlen sich überrumpelt.

54 Jahre lebt Karin Hampe schon in dem Haus. Seit ihrer Geburt. Die Familie lebt seit Generationen dort. Schon ihre Großmutter musste Grund abgeben, damals, als die Straße gebaut wurde: 110 Quadratmeter. 200 Mark hat sie dafür bekommen. Für jeden Quadratmeter, den die Bahn für den Ausbau braucht, will sie den Anliegern zehn Euro zahlen. Grundsätzlich hat Karin Hampe gar nichts gegen die Linie A - die ja auch schon seit 100 Jahren dort vorbeifährt, erst als Lokalbahn, dann als Bummerl, bald als S 22. Ihr Ehemann benutzt sie jeden Tag, er fährt damit zur Arbeit. „Es ist schon toll, dass sie elektrifiziert wird“, sagt Karin Hampe. „Aber einen Strommasten im Garten muss ich wirklich nicht haben.“

Und damit wollen sie sich nicht abfinden. Deshalb haben die Hampes Montagabend einen Ortstermin veranstaltet. Eine handvoll Anwohner hat sich eingefunden, dazu Rainer Rösch, Peter Denk, Helmut Höfelmaier und Franz Vieregg von der ÜB, außerdem die fraktionslose Stadträtin Elisabeth Schilhabel und sogar ein Fernsehteam vom Bayerischen Rundfunk.

„Wir haben von der ganzen Sache nichts gewusst“, sagt eine andere Anwohnerin. Die Politiker versuchen, zu erklären, dass die Stadt gar nichts damit zu tun hat - dass sie selber Einwendungen eingereicht hat und die nicht beachtet wurden.

„Aber ich will einfach eine Erklärung dafür haben“, sagt die verärgerte Anwohnerin. „Sie können sich bei der Bürgerfragestunde anmelden“, schlägt Peter Denk vor. „Dann müssen Sie Antworten auf Ihre Fragen bekommen.“ Die Bürger nicken dankbar.

Gestern Vormittag hatte Karin Hampe dann ein Gespräch mit dem OB. Peter Bürgel „wird uns helfen“, sagt Karin Hampe, „er sagt, die Stadt hat kein Problem, den Grund auf der anderen Seite der Gleise abzutreten“. Sie seufzt: „Wir hoffen also.“

(np)

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