Die Gemeinde Karlsfeld muss sparen. Vor allem die Coronakrise hat ein großes Loch in die Gemeindekasse gerissen.
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Die Gemeinde Karlsfeld muss sparen. Vor allem die Coronakrise hat ein großes Loch in die Gemeindekasse gerissen.

Gemeinderat arbeitet an Spar-Haushalt

Gemeinde Karlsfeld in Geldnot: Auf der Suche nach 4 Millionen Euro

  • vonThomas Leichsenring
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Streichen, verschieben, reduzieren: Die Karlsfelder Gemeinderäte sind in die Beratungen für den Haushalt 2021 eingestiegen – unter höchstem Sparzwang und „ohne Denkverbot“, wie es Bürgermeister Stefan Kolbe formuliert. Sie suchen mehr als 4 Millionen Euro.

Karlsfeld – Der Haupt- und Finanzausschuss des Karlsfelder Gemeinderats hat sich in seiner jüngsten Sitzung erstmals öffentlich mit dem Haushalt 2021 befasst. Corona hat die ohnehin prekäre Finanzlage der Gemeinde weiter verschärft. Bis Jahresende rechnet man im Rathaus mit einem Defizit im laufenden Verwaltungsbetrieb von 2,6 Millionen Euro, hinzu kommen 1,5 Millionen Euro für den Schuldendienst – macht in Summe 4,1 Millionen Euro.

Die Gemeindeverwaltung hat eine Liste mit Vorschlägen erstellt, welche Projekte gestrichen oder verschoben werden könnten. Diese Liste arbeitet der Hauptausschuss jetzt in mehreren Sitzungen Punkt für Punkt ab, am Dienstag ging es los. Bürgermeister Stefan Kolbe gab mit klaren Worten die Richtung vor: „Ich neige dazu, dieses Jahr eine Vollbremsung reinzuhauen.“ Es dürfe keine „Denkverbote“ geben bei den Überlegungen, wie und wo gespart werden könnte.

Die ersten Entscheidungen fielen bereits. So wurden zum Beispiel die im Haushaltsentwurf veranschlagten 36 000 Euro für den Seniorennachmittag auf dem Siedlerfest gestrichen – die traditionelle Veranstaltung wird es heuer nicht geben, selbst wenn das Siedlerfest stattfinden sollte.

Ob im Dezember wieder ein Christkindlmarkt in der Neuen Mitte aufgebaut wird, ist noch offen. Wenn ja, dann deutlich kleiner. Stefan Theil (CSU) und Beate Full (SPD) sprachen sich dafür aus, den Christkindlmarkt schon jetzt zu streichen.

Das heuer anstehende zehnjährige Bestehen der Partnerschaft mit der italienischen Gemeinde Muro Lucano wird allenfalls im kleinen Rahmen gefeiert. Angesichts der Coronalage könne er sich nicht vorstellen, „dass wir mit einer großen Delegation nach Italien fahren“, sagte Bürgermeister Kolbe. 20 000 Euro standen auf der Haushaltsstelle „Städtepartnerschaften“, der Ausschuss beschloss eine Reduzierung auf 5000 Euro.

Viele Arbeiten wie zum Beispiel die Parkettsanierung im Kindergarten Arche Noah und der Einbau einer Personaltoilette dort werden ins Jahr 2022 verschoben, ebenso der eigentlich vorgesehene Bau eines barrierefreien Zugangs zur Bücherei.

Nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ diskutierte der Ausschuss am Dienstag vorwiegend über weniger kostspielige Projekte. Die dicken Brocken kommen noch – unter anderem der Bau der Skateranlage, der Posten „Straßenunterhalt“, der nach Vorschlag der Verwaltung von 400 000 auf 200 000 Euro gekürzt werden könnte, und die neuen Fahrradständer am Bahnhof mit einem Haushaltsansatz von 500 000 Euro. Eine Entscheidung steht noch aus, Kolbe machte jedoch den Befürwortern dieser Anschaffung wenig Hoffnung: „Wir sind momentan nicht in der Lage, das zu bezahlen.“

„Wenn sparen, dann alle“, hatte Kolbe schon zu Anfang der Beratung betont. Adrian Heim (Bündnis für Karlsfeld) nahm es wörtlich. Am Ende der Sitzung schlug er vor, dass die Gemeinderäte auf zehn Prozent des Sitzungsgeldes verzichten könnten. Die Verwaltung prüft, wie das umgesetzt werden könnte. Der Hauptausschuss setzt die Beratungen am 23. Februar fort.

Entscheidungen der Sitzung: Kein Mitarbeiter-Zuckerl, kein barrierefreier Zugang zur Bücherei, kein Bolzplatz

  • . Der beschlossene steuerfreie Sachbezug für Mitarbeiter der Verwaltung wird noch nicht 2021 ausbezahlt. Es handelt sich um eine freiwillige Zusatzleistung der Gemeinde. Gespart werden damit heuer rund 100 000 Euro.
  • . Die Bücherei reduziert die Ausgaben für Neuanschaffungen von 35 000 auf 33 000 Euro.
  • . Der Zaun zum Jugendhaus und die Rampe für einen barrierefreien Zugang dort werden ebenso ins kommende Jahr verschoben wie Sanierungen im Außenbereich des Hallenbads und der Grünanlagen dort. Einsparung insgesamt: 45 000 Euro.
  • . Der Ansatz für den Erhalt von Brücken wird von 50 000 auf 30 000 Euro reduziert, die Gemeinde beschränkt sich auf Mängelbeseitigungen aufgrund vorgeschriebener Prüfungen.
  • . Die Gemeinde Karlsfeld startet 2021 keine neue Reihe im Musiktheater-Abo. Nach Möglichkeit sollen die zwei wegen Corona 2020 verschobenen Veranstaltungen nachgeholt werden. Neue sind nicht geplant (normalerweise gibt es im Bürgerhaus fünf Abo-Veranstaltungen pro Jahr). Einsparung: 70 000 Euro.
  • . Die Umgestaltung des Bolzplatzes an der Kindertagesstätte an der Röntgenstraße wird auf 2022 verschoben. Einsparung: 90 000 Euro.

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