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Todesmarsch-Denkmal in Karlsfeld: „Ausgemergelte Gestalten fluteten durch die Straßen“

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Von: Thomas Leichsenring

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Der Künstler Hubertus von Pilgrim gestaltete die Todesmarsch-Mahnmale. Das hier abgebildete steht an der Allacher Straße in Karlsfeld.
Der Künstler Hubertus von Pilgrim gestaltete die Todesmarsch-Mahnmale. Das hier abgebildete steht an der Allacher Straße in Karlsfeld. © hab

Seit 20 Jahren steht an der Allacher Straße in Karlsfeld ein besonderes Denkmal: das von Hubertus von Pilgrim gestaltete Todesmarsch-Mahnmal.

Karlsfeld ‒ Im Frühjahr 1945 erging der Befehl, marschfähige Häftlinge aus dem Dachauer Konzentrationslager in Richtung Süden in Richtung Alpen zu verlegen. Kein Häftling sollte in die Hände der heranrückenden US-Streitkräfte gelangen. Am 26. April 1945 setzte sich die Marschkolonne von Dachau aus in Bewegung, durch hinzukommende Häftlinge aus den KZ-Außenlagern wuchs der Zug auf rund 10 000 Menschen an. Der Weg führte sie damals in den letzten Kriegstagen auch durch Karlsfeld.

Ilsa Oberbauer hat dem Todesmarsch in ihrem sehr lesenswerten Buch „200 Jahre Karlsfeld“ ein Kapitel gewidmet. Darin zitiert sie einen Häftling, der damals dabei war: „In den letzten kalten und nassen Apriltagen des Jahres 1945 hörten die Einwohner von Karlsfeld ein seltsam pochendes Geräusch, und ihren Augen bot sich ein erschreckender Anblick: Ausgemergelte Gestalten in schäbiger gestreifter Häftlingskleidung, mit Holzschuhen auf dem Pflaster klappernd, fluteten durch die Straßen.“

Viele der nach langer Internierung geschwächten Häftlinge waren den Strapazen des Marsches nicht gewachsen. Wer nicht mehr weiter-konnte, wurde von den SS-Wachmannschaften an Ort und Stelle ermordet.

Der Hauptausschuss des Karlsfelder Gemeinderats beschloss im Januar 2020, ein besonderes Filmprojekt mit einem Zuschuss zu unterstützen: Der Filmemacher Max Kronawitter aus Eurasburg im Landkreis Bad Tölz/Wolfratshausen wollte eine Dokumentation über den Todesmarsch drehen. Der Film mit dem Titel „Als das Grauen vor die Haustür kam“ feierte inzwischen coronabedingt eine verspätete Premiere – und die musste auch noch online stattfinden.

1000 Euro steuerte die Gemeinde Karlsfeld als Zuschuss bei, sie folgte damit dem Beispiel anderer Orte, die an der historischen Todesmarsch-Route liegen. „Karlsfeld darf in dieser Liste der Unterstützenden nicht fehlen“, sagte Anton Flügel, Gemeinderat der Freien Wähler, in der Ausschusssitzung damals im Januar 2020. Flügel brachte damit die Meinung der Gemeinderäte auf den Punkt – der Beschluss, Kronawitters Dokumentation zu bezuschussen, fiel einstimmig.

Der Dokumentarfilm des Eurasburger Filmemachers lässt nicht nur einstige Häftlinge zu Wort kommen. Zeitzeugen beschreiben, wie die Bevölkerung auf diesen „Geisterzug“ ausgemergelter Gestalten reagierte. Der Film erzählt von anrührenden Hilfestellungen, aber auch von lebensgefährlichen Einzelaktionen, um Häftlinge zu retten.

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