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Auf dem ehemaligen Bayernwerkgelände sollen ein Hotel (kleine Grafik, rotes Gebäude rechts), eine Kita und eine Pflegeeinrichtung (lila Gebäude) sowie ein Parkhaus (blau) sowie Kleingewerbe (rot) und Wohnungen (weiß) entstehen.

Karlsfelder Gemeinderat nicht einverstanden mit Investoren-Plänen

Bayernwerkgelände: Neues Konzept, weiter Kritik

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Wieder einmal befasste sich der KarlsfelderGemeinderat mit derFläche des ehemaligen Bayernwerkes. Die Investoren stellten ein neuesBebauungskonzept vor. Dafür hagelte es Kritikvon allen Seiten.

Die große Freifläche auf dem Gelände des ehemaligen Bayernwerkes bewegt die Karlsfelder. Der Sitzungssaal des Rathauses war brechend voll mit Zuhörern, als die Investorengruppe Erl und Streicher ihr neues Konzept für das Gelände in der jüngsten Gemeinderatssitzung präsentierte. Die Hoffnung aller Anwesenden: Ein Nahversorger solle auf die Freifläche ziehen. Die Präsentation der Investoren erfüllte diesen Wunsch allerdings nur teilweise.

Eine Absichtserklärung von Feneberg liege zwar vor, erklärte Wolfgang Haider von der Erl-Gruppe, eine feste Zusage des Nahversorgers ist allerdings an eine Bedingung geknüpft: Es müssten mehr Menschen im Einzugsgebiet leben. Auch deshalb, so die Investoren, habe sich die Flächennutzung in ihrem neuen Konzept im Vergleich zum ursprünglichen Bebauungsplan geändert. Die Gewerbeflächen wurden reduziert, dafür soll nun mehr Raum für Wohnungen genutzt werden.

Das neue Konzept sieht als ersten Bauschritt die Errichtung eines Gebäudekomplexes vor, in dessen Erdgeschoss der vielfach gewünschte Nahversorger einziehen soll. Die Stockwerke eins bis vier werden dagegen als Hotel genutzt. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2021 geplant. In der zweiten Bauphase soll im Zentrum des Geländes ein Bau zur sozialen Nutzung entstehen, eine Kita im Erdgeschoss und in den oberen Stockwerken Einrichtungen für stationäre und intensive Pflege.

Bauschritt Nummer drei wurde von allen Anwesenden mit großem Erstaunen aufgenommen: Dort ist ein Parkhaus mit bis zu 660 Stellplätzen geplant, zusätzlich zu den einstöckigen Tiefgaragen, die jeder andere Gebäudekomplex erhält. Das Parkhaus könne auch zum Teil für die öffentliche Nutzung freigegeben und bewirtschaftet werden. Wer dies machen soll? „Wir werden es vorrangig der Gemeinde anbieten“, so Haider. Eine Bewirtschaftung sei aber auch durch einen professionellen Betreiber möglich.

In den Realisierungsphasen vier und fünf sollen dann zwischen 2023 und 2026 zwei weitere Gebäudekomplexe entstehen, die teils als Wohnfläche, teils als Gewerbeflächen deklariert sind. Insgesamt sollen so bis zu 180 Wohnungen mit einer Durchschnittsfläche von zirka 60 Quadratmetern geschaffen werden.

Wirklich glücklich zeigte sich keiner der Gemeinderäte und auch aus dem Publikum gab es immer wieder Unmutsbekundungen. Denn nicht ohne Grund habe man den Bebauungsplan so gestaltet, dass auf dem Gelände hauptsächlich ein Nahversorger und stilles Gewerbe angesiedelt werden sollte, meinte unter anderem Mechthild Hofner vom Bündnis für Karlsfeld: „Wir brauchen mehr Gewerbesteuereinnahmen!“ Eine Aussage, die Finanzreferent Holger Linde (CSU) nur unterstreichen konnte. Doch die Investoren ließen nur wenige Hoffnung aufkommen, dass man im ursprünglich geplanten Umfang dort Gewerbe ansiedeln könne. Der Bedarf sei schlicht nicht vorhanden und Wolfgang Haider gab zerknirscht zu: „Wir haben uns die Suche nach Mietern auch leichter vorgestellt.“

Das Vertrauen der Gemeinderäte in solche Aussagen ist aber dahin. Bernd Wanka (CSU) sprach gar vom „Eindruck einer Salami-Taktik“, in der scheibchenweise von ursprünglichen Plänen abgewichen wurde. Wie viele andere Gremiumsmitglieder verlangte er einen Vertrauensbeweis von Seiten der Investoren. „Bisher erkenne ich keinen Fortschritt“, brachte es Hofner auf den Punkt. Das ließen die Investoren so nicht auf sich sitzen: „Wir haben bereits Erschließungsmaßnahmen, die komplette Baufreimachung und die komplette Altlastenbereinigung auf dem Gesamtgelände durchgeführt. Das kostet mehr als 1 Million Euro. Das hätten wir zu dem Zeitpunkt nicht tun müssen, sondern uns erstmal auf das Betreute Wohnen-Gebiet beschränken können“, sagte Rainer Leneis, einer der Investorenvertreter. Alois Erl jun. betonte noch einmal, dass die von Vielen befürchtete weitere Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohnungen ohnehin nur mit Zustimmung des Gemeinderats funktionieren könne. Ein Alleingang der Investoren sei gar nicht möglich.

Ein Beschluss wurde in der Sitzung noch nicht gefasst. „Das geht jetzt erst einmal in die Fraktionen und dann setzen wir das Thema in einer der nächsten Sitzungen wieder auf die Tagesordnung“, erklärte Bürgermeister Stefan Kolbe. Für die Karlsfelder bleibt es also spannend, wie es mit dem ehemaligen Bayernwerkgelände weitergeht.

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