Einmal Gewinner, immer Gewinner: Johanna Blümels Gewinnbrief-Stapel wächst kontinuierlich weiter. Foto: kwo

Briefe, gegen die jeder machtlos ist

Karlsfeld - In vielen Haushalten hat sich eine gehörige Wut angestaut. Der Grund: Stapelweise Briefe mit Gewinnversprechungen und Einladungen zu Kaffeefahrten. Zahlreiche Leser haben sich auf die DN-Artikel zu diesem Thema gemeldet - um ihrem Ärger Luft zu machen.

Johanna Blümel muss nicht lange suchen. Sie sind überall - die Briefe, die wöchentlich bei ihr zu Hause im Briefkasten landen. Briefe, die ihr große Gewinne und exklusive Schnäppchen versprechen. Es sind Briefe, auf die ihr Mann vor vielen Jahren einmal reingefallen ist. Er schrieb zurück und nahm teil an einer Kaffeefahrt. Seitdem nimmt der schriftliche Terror kein Ende mehr. Die Karlsfelderin öffnet diese Post, die schon auf den Umschlägen dubiose Gewinnversprechungen macht, nur noch selten. Neulich hat sie es wieder getan - und sich mal wieder geärgert.

„So einen dreisten Brief haben wir noch nie bekommen“, schimpft Johanna Blümel. Keine Firma, keine Telefonnummer, kein Ansprechpartner. Lediglich das Logo „schon BEZahlt.danke.“ - und dazu ein versprochener Gewinn von 2500 Euro, wenn Johanna Blümels Ehemann an der Kaffeefahrt teilnimmt. Davon gehen die Veranstalter laut Schreiben so sicher aus, dass Sie für das Ehepaar bereits Plätze im Bus reserviert haben. Die Kosten dafür sind detailliert aufgelistet und werden auch in Rechnung gestellt, falls das „Gewinner-Ehepaar“ nicht beim Treffpunkt erscheint.

Johanna Blümel war fassungslos, als sie den Brief las. „So eine Unverschämtheit hab ich noch nie erlebt.“ Sie legte den Brief auf den Stapel „Gewinnpost“ in ihrer Wohnung. An der Kaffeefahrt nahm sie nicht teil, eine Rechnung kam bisher nicht. Aber sie ist überzeugt: „Es gibt bestimmt einige Senioren, die Angst bekommen haben und deshalb mitgefahren sind.“

Bei einer anderen Karlsfelderin war es schlichtweg die Neugier. Sie nahm sich vor, nichts zu kaufen - und gab bei der Kaffeefahrt kein Geld aus. „Was mich allerdings wirklich schockierte: Sieben der 26 Teilnehmer haben für hohe Beträge eingekauft“, erzählt sie. Tabletten, Medikamente, Wellness-Produkte. Einem Mann, der aufstand und die Veranstaltung kritisierte, wurde sogar angedroht, dass er vom Busunternehmen nicht mehr mit zurückgefahren werde, berichtet die Karlsfelderin. Obwohl sie kein Geld verloren hatte, war ihr dieser Nachmittag eine Lehre: Sie nahm nie wieder an einer Kaffeefahrt teil. Und versucht bei jeder Gelegenheit, andere ebenfalls zu warnen.

Das tut auch der Dachauer Gerhard Nemany. Er hat sich über die falschen Versprechungen, die ihn regelmäßig per Post erreichen, so geärgert, dass er Antwortbriefe verfasst hat, in denen er von den Firmen Erklärungen fordert. Hoffnungen, dass er eine Antwort bekommt, macht er sich nicht. „Trotzdem will ich diese Frechheiten nicht einfach auf sich beruhen lassen“, schimpft er.

„Es ist dieses Gefühl, betrogen worden zu sein, das einen so ärgert“, sagt Johanna Blümel. Jeder neue Brief der in ihrem Postkasten landet ist für sie eine weitere Erinnerung, dass man andere gar nicht oft genug vor Kaffeefahrten warnen kann. „Wie viele Fernseher wir schon zu Hause hätten, wenn diese Versprechungen stimmen würden!“ Sie ist machtlos gegen den Stapel Ärger, der wächst und wächst. (kwo)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare