Das Nadelöhr im Landkreis Dachau schlechthin: die Münchner Straße in Karlsfeld.
+
Das Nadelöhr im Landkreis Dachau schlechthin: die Münchner Straße in Karlsfeld. Über 40 000 Autos täglich befahren die Straße im Schnitt.

Der Traum vom Tunnel lebt noch immer

  • vonThomas Leichsenring
    schließen

Tausende Fahrzeuge sind täglich auf der Münchner Straße in Karlsfeld unterwegs. Da wäre ein Tunnel doch eine Lösung.

Karlsfeld – Der Karlsfelder Entlastungstunnel ist in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mal in öffentlichen Diskussionen aufgetaucht und dann wieder verschwunden, weil eine Umsetzung des Mega-Projekts utopisch schien. Aktuell ist der Tunnel wieder Bestandteil von Diskussionen wegen des Rückbaus der Unterführung an der Gartenstraße im Zuge der Lidl-Gelände-Entwicklung. Wenn der Tunnel kommt, müsse sie ohnehin weg, lautet ein Argument (wir berichteten).

Erste Bemühungen, die Tunnelidee voranzubringen, gab es wie gesagt schon vor der Wiedervereinigung. Eine Bürgerinitiative mit Namen „Kartun“ wurde gebildet. BI-Mitbegründerin war die 2018 verstorbene langjährige SPD-Gemeinderätin Hiltraud Schmidt-Kroll (SPD).

2003 sogar schon einmal Details im Gemeinderat

Im September 2003 befasste sich der Karlsfelder Gemeinderat sogar schon mal mit relativ genauen Details einer möglichen Planung. Demnach sollte der Tunnel 32 bis 34 Millionen Euro kosten. Unten fahren Autos, oben auf der B 304 fährt die Stadt-Umland-Bahn, so legten es Fachleute damals den Gemeinderäten dar. Diese Bahn geisterte seinerzeit durch viele Köpfe, die sich mit einer neu ausgerichteten Verkehrspolitik befassten. Es blieb bei einer Idee. Das Thema „Stadt-Umland-Bahn“ verschwand bald wieder von allen Tagesordnungen.

Ob dies auch für das Karlsfelder Tunnelprojekt gilt? Die Chancen auf eine Umsetzung standen jedenfalls schon schlechter. Im Bundesverkehrswegeplan und Fernstraßenausbaugesetz von 1992 war das Projekt im vordringlichen Bedarf enthalten gewesen. Doch es fiel unter der rot-grünen Bundesregierung wieder raus. Die damalige Bundestagsabgeordnete Gerda Hasselfeldt (CSU) schimpfte sehr auf Kanzler Schröder und die Regierungsparteien.  

2016 ein neuer Vorstoß

Doch der Wunsch nach einem Entlastungstunnel war nicht totzukriegen. 2016 unternahm der damalige Karlsfelder Verkehrsreferent Bernd Wanka (CSU) einen weiteren Vorstoß. Er wandte sich an Hasselfeldt und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Der Tunnel sollte wieder rein in den Bundesverkehrswegeplan. Und das geschah tatsächlich, was in Karlsfeld mit Freuden vernommen wurde. Im bis 2030 geltenden Plan steht der Karlsfelder Tunnel unter der Dringlichkeit „Weiterer Bedarf mit Planungsrecht“. „Weiterer Bedarf“ ist allerdings nur die zweite Stufe. Eine Einstufung unter „Vordringlicher Bedarf“ hätte die Chancen auf eine Umsetzung des Großprojekts deutlich erhöht.

Immerhin: Die Beurteilung eines Entlastungstunnels im Bundesverkehrswegeplan ist eindeutig. Er sei wirtschaftlich und diene der „Beseitigung eines bestehenden Kapazitätsengpasses“ auf einer „häufig überlasteten“ Straße. Für die Verkehrsprobleme seien die vielen Kreuzungen, Ampelanlagen, sogenannte „Abbiegebeziehungen“ und Grundstückszufahrten ursächlich. „Bereits kleinste Störungen führen zum Kollaps des Verkehrsablaufs“, heißt es in der Beurteilung. Ein weiterer Ausbau sei nicht möglich und eine „Verschärfung der Probleme durch weitere städtebauliche Entwicklung und Verdichtung zu erwarten“. Der Tunnel habe eine „Entlastungswirkung von circa 55 Prozent“, positive Auswirkungen seien unter anderem eine Erhöhung der Verkehrssicherheit und eine Verringerung des Schleichverkehrs auf den Karlsfelder Ortsstraßen.

Von der Gartenstraße bis zum Würmkanal

Die Tunneltrasse würde von der Gartenstraße bis zum Würmkanal reichen. Sie ist etwa 1,2 Kilometer lang. Auf der Münchner Straße sind täglich im Schnitt weit über 40 000 Fahrzeuge unterwegs. Auch die zu erwartenden Kosten sind berechnet worden. Sie liegen weit weg von den 32 bis 34 Millionen aus dem Jahr 2003. Nämlich bei 81,9 Millionen Euro.

Und das dürfte bei weitem nicht reichen. Denn die Kostenermittlung fand auf Grundlage von Preisdaten aus dem Jahr 2014 statt. Sie ist damit obsolet. Zudem wirkt sich die Corona-Pandemie in noch nicht absehbarem Ausmaß auf die finanzielle Situation der öffentlichen Hand aus. Das macht den Karlsfelder Tunnel nicht wahrscheinlicher.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare