Erfinder Bert rettet seiner kranken Frau das Leben.
+
Aus Draht, auf Draht: Erfinder Bert rettet seiner kranken Frau das Leben.

Der junge Karlsfelder Tim Stainer hat einen ergreifenden Trickfilm zum Thema „Corona“ gedreht

Die Tausend-Bilder-Geschichte, die zu Herzen geht

Ein Karlsfelder Abiturient hat einen bemerkenswerten Kurzfilm zum Thema Corona gedreht. Ein Erfinder will seiner Frau mit einer Beatmungsmaschine das Leben retten.

Karlsfeld - „Saustark!“ – „Sehr toll!“ – „Voll gut!“ – „Uuh!“ Das sind einige Kommentare auf Youtube, die der 18-jährige Karlsfelder Tim Stainer für eine schulische Aufgabenerfüllung lesen konnte. Und was für eine. Im Rahmen des P-Seminars (Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung) am Josef Effner Gymnasium hat der Schüler einen Film produziert. Genauer: einen „Stop-Motion-Trickfilm aus Knete, Holz und viel Liebe“, wie er selbst dazu schreibt. Titel: Apollon. Inhalt: „Um seine an Corona (COVID-19) erkrankte Frau zu retten, baut ein Erfinder seine eigene Beatmungsmaschine.“

Er heißt Bert, schaut ganz lieb aus und trägt gestreifte Hosen und ein kariertes Hemd. Gezimmert hat diese etwa 20 Zentimeter Gliederpuppe, mit Gelenken aus Draht, natürlich sein Schöpfer Tim, ebenso wie dessen anfangs elend blasse Frau.

Die Idee, der Kulissenbau, die Figuren, Kamera, Schnitt und Regie – alles stammt von Tim Stainer. In neun Monaten, von Ende März bis zur Premiere am 21. Dezember, hat er getüftelt, ausprobiert, gebastelt, geforscht, verändert, geknetet – und fotografiert wie ein Weltmeister.

Anders als bei einem Video, das fortlaufende Bilder aufnimmt, wird bei der Stop-Motion-Technik nur die Illusion von Bewegung erzeugt. Mit einer Kamera auf einem Stativ werden viele, viele einzelne Fotos gemacht, die anschließend aneinandergereiht werden – so, dass sie Laufen lernen.

Im Film etwa muss die Figur des besorgten Ehemannes, wenn er zu seiner Frau geht, immer millimeterweise eine Schrittbewegung nach vorne machen, natürlich von Tim vorsichtig geschoben – und Tim macht ein Foto davon. Nächster kleiner Schritt: nächstes Foto.

Bis ins Detail: Tim Stainer hat bei „Apollon“ bis auf wenige Ausnahmen alles selbst gemacht.

Pro Sekunde braucht man für Stop-Motion-Aufnahmen etwa zwölf Bilder, also ungefähr 720 Bilder pro Minute, heißt es in einer Internetanleitung. „Ganz so viele Fotos habe ich nicht gemacht, des halb sind auch manche Bewegungen weniger flüssig,“ sagt Tim Stainer selbstkritisch. Tausende von Einstellungen waren es trotzdem: Der Film läuft sieben Minuten und 14 Sekunden.

Seine Botschaft bringt die Musik zu Beginn und am Ende rüber: Sie ist heiter und wirkt zuversichtlich. Der Titel „Apollon“ ist ja auch ein Versprechen und Programm gleichzeitig. Nach der griechischen und römischen Mythologie ist Apoll der Gott der Heilung.

Aber zwischendurch wird die Musik dramatisch, nach der Nachricht aus dem „3. deutschen Fernsehen.“ Die Sprecherin sagt: „Es gibt mehr als 14 000 Neuinfektionen.“ Und nicht genügend Beatmungsgeräte.

Mit wie viel Liebe zum Detail Tim Stainer seinen Film gestaltet hat, wird auch an dieser Szene deutlich: Auf dem Fernsehschirm ist die Nachrichtensprecherin Judith Rakers zu erkennen (die mit den goldblonden langen Haaren). Gesprochen hat den Text Tims Mutter, Beate Stainer.

Kulissenbau im Kleinformat: Hauptdarsteller Bert bekommt seine Werkstatt.

Neben der Bildergestaltung faszinieren die Geräusche. Wenn Bert mit seinen schwarzen Schuhen durch den Raum geht, klappern sie mit jedem Schritt. Wenn er ein Holzbrett mit einer elektrischen Säge zerteilt, rieseln Späne zu Boden, und der Wind pustet sie hörbar säuselnd zum Fenster hinaus. Und beim Schweißen zischt das typische unruhige Flackern, und sieht man die Funken sprühen – einer Wunderkerze sei dank.

Im Abspann des Films werden noch ein Franz O. und ein Franz Z. genannt, die diese Schweißgeräusche einmontiert haben.

Motiviert zu seinem kreativen und aufwendigen Projekt wurde Tim Stainer von seinem Kunstlehrer Oliver Winheim am „Effner“. „Ich bin ihm dankbar, dass er mich immer wieder ermuntert hat, nicht aufzugeben und weiter zu machen.“

Das sind auch alle, die sich den Film anschauen und mit „Uuh“ diese tolle Arbeit wertschätzen. Oder einfach „Respekt“ sagen, altersgemäß. Den Film gibt es auf YouTube zu sehen.

Elfriede Peil

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare