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Die überraschende Ausstellung

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Von: Miriam Kohr

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Der Holzaffe an der Wäscheleine – für Kursteilnehmer Lu Wang hat die Figur eine ganz besondere Bedeutung.
Der Holzaffe an der Wäscheleine – für Kursteilnehmer Lu Wang hat die Figur eine ganz besondere Bedeutung. © Kohr

Kursteilnehmer sowie der Kursleiter selbst haben ihre Fotografien in der Galerie Kunstwerkstatt des Karlsfelder Kunstkreises ausgestellt.

Alexander Krohmer, Kunstkreismitglied und Fotograf, bot an acht Abenden ab Oktober unter dem Titel „Kunst und Fotografie“ an, eine eigene Bildsprache zu entdecken und so künstlerisch eine Bilderserie zu entwickeln. Dass am Ende eine Ausstellung entstehen würde, die direkt an zwei Wochenenden in der Galerie stattfindet, hat der Kursleiter anfangs selbst nicht gedacht.

Krohmer war erstaunt, was seine Kursmitglieder in der kurzen Zeit geschafft und geschaffen haben und ist glücklich über deren Entwicklung. „Eine Ausstellung am Ende so eines Kurses kann Ansporn sein“, stellt er fest und gibt auch zu, streng von den Teilnehmern aktives Mitmachen gefordert zu haben. „Mir ist wichtig, dass man nicht nur zusieht, sondern sich aktiv im Kurs beteiligt, also auch Fotos liefert.“ Denn nur so könne man sich über Fotos austauschen und lernen.

Selbst der Kunstkreis-Vorsitzende Klaus-Peter Kühne, der schon vor diesem Kurs Fotoserien ausgestellt hatte, sagt bei einem Rundgang durch die Ausstellung: „Ich habe viel dazugelernt.“ So probierte er sich diesmal mit der Kunst der Fotobearbeitung und verlieh den Arrangements seiner kleinen Puppen eine noch bizarrere Kulisse.

Zwar gab Kursleiter Krohmer anfänglich das Thema „Selbstportrait“ vor, doch davor hätten viele „zu viel Angst gehabt“, sagt Kühne. So haben sich nur zwei Teilnehmer an das Thema gewagt – jedoch mit Erfolg. Denn es gab keine klassischen Selbstbildnisse oder Selfies zu sehen. Lu Wang zeigt beispielsweise in ihrer Serie „Stücke der Erinnerung – Pieces of Memory“ Fotos auf einer Leine mit Wäscheklammern befestigt, die zehn sehr persönliche Dinge von ihr zeigen: einen Holzaffen beispielsweise, den sie von ihrem Opa hat, eine Teedose, die nur Stammkunden eines chinesischen Cafés bekommen, oder eine Kette, die sie einmal von einer Passantin geschenkt bekommen hat.

„Selbstportrait“ lautete das Kursmotto, es wurde von den Teilnehmern allerdings sehr großzügig ausgelegt. 
„Selbstportrait“ lautete das Kursmotto, es wurde von den Teilnehmern allerdings sehr großzügig ausgelegt.  © Kohr

Monika Hirmer dagegen porträtierte sich hinter einem weißen Tuch, sodass auf dem Foto nur ihre Umrisse beziehungsweise ihr Schatten zu sehen sind – mal verschwommen, mal schärfer in verschiedenen Körperpositionen. Sie nennt die Serie „Be You Ty Ful“. „Es sind ganz zarte Aufnahmen, die gehängt mit dem Titel nochmals eine ganz andere Wirkung haben“, kommentiert Kühne beim Rundgang.

Jürgen Günter Schulze spielt in seiner Fotoserie „Transluzenz“ mit Spiegelungen in Münchner Schaufenstern. „Hier verschmelzen die Geschehnisse im Außen- und im Innenraum“, sagt Krohmer zu dieser Reihe. Eine andere Teilnehmerin dagegen hat eine Reihe von Baum-Rinden und deren Strukturen festgehalten. Weiße Birkenstämme, Rinde von Moos bewachsen, feucht, scheinbar vollkommen oder vom Wetter gezeichnet – hier war es vor allem die Kunst, die richtigen Fotos auszusuchen und zusammenzustellen, sodass sich ein harmonisches Gesamtbild ergibt. Entstanden sind drei Bilder mit jeweils vier Fotos von Baumrinden.    

„Hier gab es auch viele Kombinationen, die nicht funktioniert haben“, sagt Kühne. „Der Ausstellungsbesucher hat natürlich nur das gesehen, was gepasst hat, aber für die Kursteilnehmer waren die Dinge, die nicht funktionieren, vielleicht noch wichtiger.“

Alexander Krohmer hat auf jeden Fall vor, den Fotokurs im nächsten Frühjahr fortzusetzen. Auch neue Kursteilnehmer sind willkommen. Genauere Informationen dazu folgen.

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