Claus Nageler am Assisi-Brunnen in Karlsfeld.
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Der Schöpfer und sein Werk: Claus Nageler am Assisi-Brunnen in Karlsfeld.

Der 2017 verstorbene Künstler schuf die Bronzestatue am Franz-von-Assisi-Brunnen

Die unbeantwortete Frage: Warum Nageler?

Karlsfeld – Wenn alles weiterhin gut geht, fließt aus dem Franz-von-Assisi-Brunnen am Platz mit dem gleichen Namen bald wieder das lang vermisste Wasser. Eine Anwohnerinitiative arbeitet seit über einem Jahr daran, ihn wieder flott zumachen (wir berichteten). Vor allem dem Elektroingenieur Karlheinz Dörner ist es zu verdanken, dass ehrenamtlich viel Energie, Zeit und Fantasie zum Einsatz kamen.

Soweit die Technik, soweit klar.

Die künstlerische Frage, wer denn die Figur des Franz erschaffen hat, führte auf eine kleine kunsthistorische und städtebauliche Spurensuche. Erster Schritt: Die Internet-Suchmaschine. Da kommt man schnell zu einer Seite über „Münchner Skulpturen“ und auf die Homepage des Bildhauers Claus Nageler. Geboren ist er 1943 in Eisenach, gestorben 2017 in Starnberg. Seine Bronzefiguren sind vor allem in München präsent.

„Man muss sich bloß umdrehen, dann steht da wieder eine Skulptur von ihm“, sagt Max Weidlich, einer seiner Söhne und lacht. In der Tat: Der Waller vor dem deutschen Jagd- und Fischereimuseum, die Türgriffe am Stadtmuseum und am Ratskeller, die Pferdeskulptur am Roßmarkt in München, der Pumucklbrunnen im Luitpoldpark – alles geschaffen von Claus Nageler.

Und dann auch Karlsfeld. Wie das?

Zweiter Schritt: Das leibhaftige Karlsfelder Gedächtnis befragen. Ilsa Oberbauer vom Heimatmuseum überlegt kurz: „Ja, der Name sagt mir was.“ Und nach nur 24 Stunden überreicht sie eine Kopie von einem Zeitungsausschnitt aus ihrem Archiv mit der Überschrift: „Der heilige Franz von Assisi soll zum Verweilen einladen.“ Datiert vom 5./6. Oktober 1996, veröffentlicht in den Dachauer Nachrichten. Ein Foto von Fritz Nustede, dem damaligen Bürgermeister, wie er seine Einweihungsrede hält. Und wie Michael Wolff von der Gemeindeverwaltung die Figur enthüllt. Ilsa Oberbauer erinnert sich an diese Feier: „Ich war mit einer Schulklasse dabei.“ Sie erzählte den Kindern: „Er sprach mit den Vögeln“. Die saßen ja brav auf dem Arm vom Heiligen. „Och“, sagten die Kinder, „das können wir auch.“ Und sie setzten sich an den Brunnen und riefen: „Hallo, Meise, hörst du mich?“ Aber da tat sich leider nichts.

Es tat sich leider auch nichts bei der weiteren Recherche, wie denn Nageler wirklich nach Karlsfeld kam. In der Zeitung von damals stand: „Nach einer Wettbewerbsausschreibung erhielt Klaus Nageler zusammen mit Karlsfelder Künstlern den Auftrag, den Brunnen zu gestalten.“

Das war nach Erinnerung von Anita Neuhaus vom Kunstkreis aber nicht so. Im Gegenteil: „Wir vom Kunstkreis waren empört, dass ein auswärtiger Künstler den Zuschlag bekommen hatte, der auch noch teuer war.“ Mehrere Karlsfelder Künstler hatten sich beworben, unter ihnen Klaus Herbrich und Wolfgang Seehaus. „Aber wir kamen nicht zum Zuge“, sagt Anita Seehaus. Herbrich wurde später mit dem Bau der Krenmoos-Fontäne beauftragt.

Dieter Kleiber-Wurm, bis 2019 Vorsitzender des Kunstkreises, war damals in den Gemeinderat nachgerückt und hat miterlebt, „wie die Plastik vom Nageler in der Sitzung vorgestellt wurde, zu aller Überraschung. Mir hat das Modell sehr zugesagt.“ Und auch jetzt noch, wenn er durch die Anlage geht, sende die Figur „etwas Beruhigendes, Klösterliches aus“.

Die Architekten und Stadtplaner Frank Becker-Nickels und Hans-Eckard Steuernagel waren jahrelang mit ihrer Firma Topos die verantwortlichen Städteplaner in Karlsfeld. Becker-Nickels erinnert sich sehr wohl an die Planung und Ausführung der Anlage – aber wer letztlich den Claus Nageler nach Karlsfeld gebracht hat? Da muss er auch passen. Ja, nun, das ist fast 25 Jahre her! Selbst Altbürgermeister Fritz Nustede kann dazu nichts sagen.

Aber er weiß, wie der Platz zu seinem Namen gekommen ist: durch den damaligen Bauamtsleiter Eugen Vierneißl. Weil die Straßen in diesem Baugebiet benannt waren nach Amsel und Drossel und der ganzen Vogelschar dachte Vierneißl: „Da passt doch für den zentralen Platz gut der Patron der Vögel, Franz von Assisi.“ Das fand der Gemeinderat auch. Und so wurde er, was er ist.

Elfriede Peil

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