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„Sie haben uns sitzen lassen“: Günter Meikis. 

Das Karlsfelder Ehepaar Gisela und Günter Meikis saß auf La Palma fest

„Ein Abenteuer über 102 Tage“

Urlaub ist schön. Unfreiwilliger Zusatzurlaub weniger. Davon kann das Karlsfelder Ehepaar Meikis ein Lied singen. 102 Tage dauerte ihr Abenteuer auf La Palma

VON ELFRIEDE PEIL

Karlsfeld Die Karlsfelder Gisela und Günter Meikis mussten sieben Wochen Zusatz-Urlaub auf La Palma machen. Abreisetermin sollte der 28. März sein. Es wurde tatsächlich der 10. Mai.

Wie jedes Jahr Mitte Januar bis Ende März genießt das Ehepaar Meikis das, wovon viele in diesen trüben und kalten Wochen träumen: Überwintern im Warmen. Auf der kanarischen Insel La Palma besitzen sie ein Appartement und schwärmen anschließend den Daheimgebliebenen vor, wie herrlich man schon im Meer baden kann, wie fit die Strandspaziergänge machen und wie köstlich der Fisch in der Kneipe am Meer mundet. Das hätten sie auch diesmal von den ersten unbeschwerten Wochen erzählen können. Wenn, ja wenn die spanische Regierung nicht am Samstag, 14. März, den nationalen Notstand ausgerufen hätte.

Und von da an war alles anders. Die Hotels wurden geräumt, die Gäste ausgeflogen. „Aber uns haben sie da sitzen lassen.“ Flugzeuge für ihre Rückreise gab es nicht. Und Einkaufen konnte immer nur einer, mit empfohlenen Mundschutz oder Schal.

„Wir durften nicht ins Meer und nicht ans Meer“, berichtet Gisela Meikis. „Die Polizei, das Cruz Roja, also das Rote Kreuz und sporadisch auch Feldjäger kontrollierten alles.“ Sie hatten zum Glück ihren Balkon und das Flachdach des Appartmenthauses. Auf dem Balkon machten sie morgens immer ihr „Turnprogramm“, wie Günter Meikis sagt. Auf dem Dach, das völlig unmöbliert ist, trugen sie jedes mal Stühle, einen kleinen Tisch und eine Tüte mit Lesestoff rauf und konnten die Sonne genießen. „Das Meer riechen. Die salzhaltige Luft auf den Lippen spüren, die Wellen plätschern hören – das war ja auch schon was“, kommentiert Günter Meikis die Lage.

„Hunde durften die ganze Zeit raus. Da wäre ein Leihhund nicht schlecht gewesen“, sagt er und lacht. In der letzten Woche aber durften auch die Menschen raus, Senioren morgens und abends je eine Stunde, Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu anderen Zeiten. Das war für die Kondition des Ehepaars auch unbedingt nötig.

Der Rückflug, der endlich zustande kam, war die reinste Tortur mit fünf Flughäfen, „ein Wahnsinn“. Gestartet sind sie in La Palma um 6.30 Uhr mit einer kleinen Propellermaschine. Dann Teneriffa, Madrid, Frankfurt, München – Ankunft um Mitternacht. Jedes mal auschecken und neu einchecken, keine Gepäckwagen, die Lifte gingen nicht, keine Cafés, also nichts zu essen und zu trinken. „Einmal bekamen wir jeder eine Flasche Wasser, 0,3 Liter. Den Verschluss kriegten wir aber nicht auf. Beim nächsten Security-Check wurden sie uns wieder abgenommen.“

Jetzt ist Nach-Erholung angesagt und Nach-Erzählung von den Erlebnissen, einschließlich der 16 Stunden Dauersturm mit 150 Stundenkilometern oder dem Calima, dem roten heißen Sandsturm aus Afrika: „Wir hatten ein Abenteuer über 102 Tage.“

Ein bisschen bedauert Günter Meikis als SPD-Kommunalpolitiker, dass er dadurch nicht bei den letzten Sitzungen des Gemeinderats, dem er 30 Jahre angehörte, und des Kreistags, da war er 18 Jahre vertreten, dabei sein konnte. „Aber“, sagt er mit seinem bekannten Schmunzeln in der Stimme, „ich denke, dass die Jungs und Mädels das auch ohne mich geschafft haben.“

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