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Der Vereinsvorstand mit Tim und Ursula Eder, Gerhard Grote, Franz Trinkl und Frank Lobert (v.l.).

Nachfolge von „Förderverein Seniorenvilla“

Wohnen in Karlsfeldbezahlbar machen

Ein neuer Verein will sich für bezahlbaren Wohnraum am Ort einsetzen. Motto: Karlsfelder sollen auch in Karlsfeld wohnen bleiben können.

Karlsfeld – Da war mal eine Vision: Sie leben, wenn sie älter werden, in einer eigenen, behindertengerechten Wohnung, können allein sein, wenn sie mögen, oder sich in Gemeinschaftsräumen treffen. Sie helfen sich gegenseitig oder bekommen Hilfe von außen. Kurz: Sie leben in einer Seniorenvilla.

Das war im Jahr 2002, und diese Vision war über 15 Jahre lang der Motor für die Mitglieder des „Fördervereins Seniorenvilla“. Sie haben gekämpft für ihre Idee und mit dem Gemeinderat, dem Bürgermeister, der Kreiswohnbaugesellschaft gerungen. Aber sie haben nicht aufgegeben. Auch die Vorsitzende Karin Boger hat nie locker gelassen, wenn es immer wieder Ablehnungen gab, weil kein Geld für das Projekt da war: „Ich habe mich oft unbeliebt gemacht.“

Aber das ständige Bohren hat sich gelohnt: Von 79 Sozialwohnungen, die derzeit an der Parzivalstraße entstehen, werden 16 speziell für Senioren gebaut. Man hat sich in Karlsfeld obendrein auf die genossenschaftliche Baufinanzierung besonnen: Mit der „MARO“ entstehen bezahlbare Wohnungen an der Bayernwerkstraße.

„Die sogenannte Seniorenvilla wird es nicht geben“, sagt Boger. „Aber ich denke, wir können zufrieden sein mit dem, was jetzt gebaut wird.“ Auf der Jahresversammlung des Fördervereins berichtete Boger, dass der Vorstand deshalb geschlossen zurücktreten wolle. Die Frage sei, ob sich der Verein auflösen solle.

Doch es haben sich einige jüngere Mitglieder gefunden, die den Förderverein in veränderter Form weiterführen wollen. Einer dieser Jüngeren ist Gerhard Grote (59). Er plädiert in der Versammlung dafür, den Verein nicht aufzulösen. „Wenn es ihn nicht gebe, müsste man ihn neu gründen.“ Und zwar mit erweiterter Zielsetzung: „Wir brauchen Wohnungen, die sich auch eine Erzieherin, eine Krankenschwester oder ein Postbote leisten können. Und alte Menschen mit kleiner Rente. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt hat sich dramatisch verschärft.“ Er habe beobachtet, wie Nachbarn wegziehen, weil sie sich die hohen Mieten nicht mehr leisten können. „Ich will sie nicht verlieren. Und ich will auch, dass meine Kinder hier noch bleiben können.“

Und als Franz Trinkl, Gemeinderat und ebenfalls Mitglied im Verein, sich engagiert einsetzt für ein Weiterbestehen, scheinen die Würfel gefallen. „Karlsfelder sollen in Karlsfeld wohnen können“, sagt der 56-Jährige. „Ich stelle mich in einem neuen Vorstand zur Verfügung, wenn man mich braucht.“

Die gerade neu aufgenommenen Vereinsmitglieder Dr. Ursula Eder, Tochter von Karin Boger, und ihr Sohn Tim zeigen ebenfalls Interesse für eine Kandidatur. „Ich wäre nicht die Tochter meiner Mutter, wenn ich da nicht mitmachen und ihr Lebenswerk fortsetzen würde“, sagt Eder. „Wir müssen auch Familien ansprechen. Und die Verantwortlichen piesacken.“ Es sei auch ein ganz privates Anliegen: „Meine drei Kinder brauchen auch mal Wohnungen.“

Ihr 18-jähriger Sohn Tim nimmt das Wortspiel auf: „Ich wäre nicht der Enkel meiner Oma, wenn ich hier nicht einsteigen würde. Ich will mir das leisten können, hier wohnen zu bleiben.“

Es fehlt nur noch das fünfte Vorstandsmitglied. Und er lässt sich darauf ein: Der alte stellvertretende Vorsitzende Frank Lobert mag auch der neue stellvertretende Vorsitzende sein.

Erster Vorsitzender ist Gerd Gote, seine Stellvertreterin ist die 51-jährige Ärztin Ursula Eder, der andere Stellvertreter ist Frank Lobert („schon 78“). Den Schriftführer macht Tim Eder, Franz Trinkl wird Schatzmeister. Ein neuer Name ist angedacht: „Förderverein lebenswert miteinander wohnen in Karlsfeld.“ Jetzt müssen die veränderten Vereinsziele in der Satzung verankert werden: Wohnungsbau von genossenschaftlichen kommunalen Wohnanlagen zu fördern. Es geht um das Recht auf Wohnen. Aus der „Seniorenvilla“ könnte eine zugkräftige Bürgerbewegung werden für alle, denen es reicht mit den horrenden Mieten. Elfriede Peil

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