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Von Kairo nach Karlsfeld: Rowaa Almogher mit dem Buch über Muslime in Europa. Sie war Mitautorin. 

SPD-Vorstandsmitglied Rowaa Almogher

Die Sozialdemokratin vom Nil

Ägypten ist ihre Heimat, Deutschland ihr Zuhause: Und hier ist Rowaa Almogher jetzt in die Politik eingestiegen.

Karlsfeld – Manchmal fehlt ihr ein Wort, manchmal verschiebt sich die Satzstellung und manchmal muss sie nachfragen, wenn jemand zu schnell redet. Doch auch wenn ihr nicht alles so automatisch über die Lippen kommt wie ihren drei in Deutschland geborenen Kindern, ist Rowaa Almogher in ihren Aussagen klar und präzise. Die 38 Jahre Ägypterin ist eine blitzgescheite Frau. Und sie will sich einbringen, will mitgestalten: Rowaa Almogher gehört seit wenigen Wochen als Beisitzerin zum Vorstand des SPD-Ortsvereins Karlsfeld.

Vor zwei Jahren erst trat sie der SPD bei, anfangs als Gastmitglied. Politisch interessiert ist Rowaa Almogher aber schon immer. „Früher aber haben wir immer nur in der Familie diskutiert.“ Der Arabische Frühling dann, der 2011 auch ihr Land erfasste und ein freies, demokratisches Ägypten verhieß, ließ dieses politische Interesse noch anwachsen. „Ich habe viel über Politik gelesen“, erinnert sich Rowaa Almogher an jene Zeit.

Ägypten kam nach dem Sturz von Staatschef Mubarak jedoch nicht zur Ruhe. 2013 übernahm das Militär die Macht. Rowaa Almogher verfolgt die Geschehnisse in dem Land, das immer ihre Heimat bleiben wird. Sie sagt aber auch: „Deutschland ist jetzt unser Zuhause.“ Die 38-Jährige lobt das Gesundheits- und das Schulsystem, aber auch die Menschen hier. „Die große Mehrheit der Deutschen“, so betont es Rowaa Almogher, seien sehr wohl in der Lage zu differenzieren. Auch nach den schrecklichen Terroranschlägen von Paris und Berlin hätten ihr die meisten Menschen zu verstehen gegeben: Die Täter sind Muslime, aber Du bist nicht verantwortlich.

In den 15 Jahren, in denen sie in Deutschland lebt, hat Rowaa Almogher auch unschöne Erfahrungen gemacht. In zwei Karlsfelder Gaststätten zum Beispiel. „Die Leute dort sagen es Dir nicht, aber man spürt die Ablehnung, man weiß, man ist nicht willkommen.“ In München hat einmal eine Frau versucht, ihr das Kopftuch herunterzureißen, mit den Worten: „Das geht hier nicht.“

Rowaa Almogher trägt dieses Kopftuch aus Überzeugung, sie ist Muslimin und lebt ihren Glauben. Dass sie eine aufgeklärte, selbstbewusste Frau ist, ist kein Widerspruch. In Ägypten können Frauen ihren Weg weitgehend selbst bestimmen. Rowaa Almogher: „Wir haben in Ägypten viele Rechte, nicht alle, aber mehr als in manch anderen arabischen Ländern.“

Auch Rowaa Almogher nutzte diese Freiheiten, studierte an einer Universität in Kairo, machte ihren Abschluss in angewandter Kunst. Ihr Mann Hany Gobran studierte in Saarbrücken, ist Ingenieur und machte seinen Doktor. Vor 15 Jahren zog Rowaa Almogher zu ihm. Seit 2008 lebt die Familie in Karlsfeld. Die beiden Buben, 11 und 13, gehen in Dachau aufs Gymnasium, die Tochter (5) in Karlsfeld in den Kindergarten.

Rowaa Almogher arbeitet selbstständig für arabische Webseiten, erledigt Kontoführungsarbeiten und Übersetzungen. Und nebenbei ist sie Bloggerin und Autorin. Die 38-Jährige hat an einem Buch über das Leben von Muslimen in Europa mitgeschrieben.

Nun kam noch der Schritt in die Politik dazu. „Ich habe lange überlegt, welcher Partei ich mich anschließen soll, habe viele Broschüren gelesen.“ Sie entschied sich für die SPD, schloss sich den Sozialdemokraten an. „Die machen viel für uns Ausländer, mittlerweile ist die Partei für mich wie eine zweite Familie.“ tol

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