Frau neben zwei Bildern
+
„Das passiert intuitiv, kommt aus mir heraus“, sagt Eleonore Welscher über ihre Bilder. mik

Vernissage in der Galerie-Kunstwerkstatt Karlsfeld

Eleonore Welscher zeigt ihre Welt der Farben

Farben waren Eleonore Welscher schon immer wichtig. Während des Krieges gab es jedoch nicht viele Farben. Umso mehr schöpft sie nun die Palette aus.

Karlsfeld – „Warum ich wann, welche Farben benutze, kann ich nicht beantworten, das passiert intuitiv, kommt aus mir heraus“, sagt sie. Sie fängt stets an, eine Leinwand mit den Acrylfarben zu grundieren, die ihr gerade in den Sinn kommen. Erst danach kristallisiert sich für sie ein Motiv heraus.

Dies sind oft Menschen. „Menschen in Bewegung, solche, die lebendig wirken, sind mir wichtig“, sagt sie. Sie gestaltet viele tanzende Personen oder Figuren aus der Oper. „Ich habe selbst zwölf Jahre Ausdruckstanz getanzt, und Opern haben mich schon immer fasziniert“, sagt die Münchnerin und langjähriges Kunstkreis-Mitglied. So nennt sie Bilder „Zauberflöte Feuer und Eis“, „Königin der Sterne“, das von der Königin der Nacht inspiriert wurde, und „Carmen“. Zu Letzterem erzählt sie: „Das Bild war so tiefrot und golden grundiert, dass ich mir dachte, das wäre ein tolles Bühnenbild für Carmen.“

Doch Welscher malte nicht immer Großformate. „Es war lange mein Manko, dass ich dachte, ich könne nicht so groß malen.“ Eine Ausstellung im Tutzinger Rathaus im Jahr 2007 brachte dann die Wende. „Damals dachte ich, dass meine kleinen Formate im Rathaus lächerlich aussehen“, erzählt sie. Also habe sie da erstmals den Mut gefasst und große Formate gemalt. „Tanz mit dem Fabelwesen“, das erste dieser Art, hängt ebenfalls in der Ausstellung in Karlsfeld, die sie als Retroperspektive nutzt. Der Mut hat sich ausgezahlt. „Nach diesem Bild dachte ich, vielleicht kann ich’s ja doch“, sagt sie mit einem Lächeln.

Kleine und große Gemälde

Eleonore Welscher kann nicht nur große Bilder, sie malt auch weiterhin Portraits mit Öl- und Pastellkreiden. „Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen, Geschwister, Eltern, alle mussten mal als Lebendmodell herhalten“, erzählt sie. Auch heute zeichnet und malt sie ausschließlich mit Modellen, nie vom Foto, denn die Künstlerin muss den Portraitierten kennen. „Ich muss sehen, wie sich der Mensch bewegt, wie seine Stimme wirkt, wie er sich kleidet und seine Interessen kennen“, erklärt sie. Ansonsten könne das Bild nicht leben.

Bei den Portraits der neunjährigen Bettina und der zwölfjährigen Katharina, die beide nebenan wohnen, machte sie eine kleine Ausnahme. „Man kann von Kindern nicht erwarten, dass sie zwei Stunden ruhig sitzen“, also benutzte sie ausschließlich für die Gesichter Fotos. Bettina sieht man im gelben Kleid und goldenem Hintergrund. „Sie sagt immer ‚Gold und die ganze Welt’, was auch immer das bedeuten mag, aber deshalb hab ich sie in dieser Farbgebung gemalt“, erklärt sie. Katharina sei selbst eine kleine Malerin mit einer farbigen Fantasie, weshalb Welscher den Hintergrund ihres Portraits sehr bunt gewählt hat.

Das älteste Portrait, das Besucher in der Ausstellung sehen können, ist von 1975 und zeigt ihren langjährigen Lebensgefährten Franz Grau, der selbst Künstler war. Es ist eine schnelle Skizze, die mit dem Rötelstift während des Fernsehens entstanden ist. „Als Künstler muss man auch Glück haben, dass etwas gelingt. Ich habe auch schon Portraits zerrissen“, erzählt sie. Welschers Selbstportrait hängt neben Grau. Sie wirkt dort nachdenklich traurig. „Das Bild ist von 2020. Es war auch für mich kein leichtes Jahr“, gibt sie zu. Doch nun blickt sie optimistisch nach vorne und freut sich auf ihre Vernissage.

Die Ausstellung

„Meine Welt der Farben“ von Eleonore Welscher in der GalerieKunstwerkstatt, Drosselanger 7, eröffnet am Freitag, 10. September, um 19 Uhr mit einer Vernissage. Danach ist sie an den Wochenenden, 11. und 12. September, sowie 18. und 19. September jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Miriam Kohr

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare