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Helferkreis Karlsfeld macht Flüchtlinge mobil: Fahrrad-fit dank Führerschein

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In der Radl-Werkstatt des Helferkreises Karlsfeld: Nuridin aus Syrien, Mohamad Ali aus Somalia und Toni Zenner (v.l.).
In der Radl-Werkstatt des Helferkreises Karlsfeld: Nuridin aus Syrien, Mohamad Ali aus Somalia und Toni Zenner (v.l.). © ep

Es hat geklappt: Sara (30) und Adanu (27) aus Äthiopien haben alle Voraussetzungen erfüllt, um sicher und entspannt durch Karlsfeld zu radeln. Eigentlich hätte das schon im November so weit sein sollen, aber es ging halt zu der Zeit nichts. Die nötigen restlichen Fahrstunden wurden jetzt erfolgreich von den Fahrlehrern Toni Zenner und Helmut Schuh aus dem Helferkreis abgenommen. Fahrradhelm und Leihfahrrad für 30 Euro Kaution gab es dazu zum Zertifikat.

Karlsfeld ‒ Es war nicht einfach gewesen, die völlig Ungeübten zu dieser Leistung zu bringen. Erst ohne Pedale, mehr gehen als fahren. Anschieben, festhalten, nicht umfallen. Dann die Verkehrsregeln, die Praxis auf den Straßen.

Klar, dass Saras vierjähriger Sohn Aimen da mithalten wollte – und konnte. Er lernte schneller als die Mama und bekam jetzt sein eigenes Kinderrad, wie alle Kinder ohne Kaution, und sauste beglückt auf dem leeren Parkplatz um die Dieselstraße 10 herum.

Der Bub bekam das 250. Rad, das die Radlwerkstatt seit 2015 in Karlsfeld ausgegeben hat, alle gespendet. Ein enormer Beitrag zu Mobilität der Flüchtlinge in den letzten Jahren. Und er wurde gründlich dokumentiert: „Wir erfassen jedes Rad“, sagt Toni Zenner. Auch deshalb, weil nur die „eigenen“ Räder in den Genuss einer Reparatur in der Helferkreis-Werkstatt kommen. Dort treffen sich jeden Samstagvormittag die lädierten Räder mit den Senior-Radl-Experten und jenen, die etwas von ihnen lernen möchten. Gegenseitige Hilfe, Anleitung, Fachsimpeln: Die Flüchtlinge reparieren ihre Räder schließlich selber.

So wie der 26-jährige Mohamad Ali aus Somalia. Mit viel Geduld stellt er die Bremsen ein und probiert dann einen neuen alten Sattel, der erst partout nicht passen will.

Nuridin aus Syrien unterstützt ihn. Er arbeitet öfter in der Werkstatt und hilft mit. Toni Zenner weiß, dass Nuridin fünf Jahre über die Türkei unterwegs war, bis er hier bei einer Tante unterkam. „Herr Toni“, sagt der 17-Jährige zu Zenner, „ich habe gestern meine Sprachprüfung bestanden.“ Den Herrn Toni freut das natürlich.

Zenner und das Radlteam des Karlsfelder Helferkreises würden sich aber auch freuen, wenn wieder Spenden eingehen. „Wir suchen noch relativ gute Fahrräder“, sagt Toni Zenner. Weitere Infos unter sachspenden@hk-karlsfeld.de. Elfriede Peil

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