Silvia aus Nigeria muss jetzt alleine ihre Hausaufgaben machen – das Helferkreisteam der Hausaufgabenhilfe konnte seit März die Unterkünfte an der Hochstraße und an der Parzivalstraße nicht mehr betreten.
+
Silvia aus Nigeria muss jetzt alleine ihre Hausaufgaben machen – das Helferkreisteam der Hausaufgabenhilfe konnte seit März die Unterkünfte an der Hochstraße und an der Parzivalstraße nicht mehr betreten.

Helferkreis Karlsfeld leidet darunter, dass so gut wie keine Unterstützung möglich ist

Flüchtlingshilfe in Zeiten der Pandemie

Karlsfeld – Im Prinzip ist alles tot.“ – Diesen traurigen Satz sagte Toni Zenner, ein äußerst engagierter Flüchtlingshelfer zur momentanen Situation des Karlsfelder Helferkreises. Wo sie gebraucht werden, dürfen sie wegen der Pandemie nicht helfen.

Schon seit März 2020 und verstärkt seit November ist kaum noch jemand persönlich in den Unterkünften. Auch Aktivitäten im Freien, wie der Radfahrkurs, mussten eingestellt werden. Darunter leiden besonders zwei Äthiopierinnen: Sie waren Anfang November schon halbwegs radlfit und brauchten nur noch wenige Übungsstunden, um ganz sicher auf den Straßen fahren zu können (wir berichteten). Voller Hoffnung blicken sie auf den 28. März – sollte es Lockerungen geben, wollen sie unbedingt weitermachen.

Sollte es Lockerungen geben, kann auch die „Radlwerkstatt“ an der Dieselstraße wieder aufmachen. Toni Zenner und Helmut Schuh engagieren sich dort, zusammen mit anderen Flüchtlingen, die sie unterstützen. Weil ja trotz des Schnees in diesem Winter viele auf ihre Fahrräder angewiesen waren, konnten sie eine Notfall-Reparatur im kleinsten Rahmen anbieten und gaben einige Fahrräder aus.

Auch nur das Allernötigste lief bei der Sachspenden-Arbeitsgruppe. Das gut gefüllte Lager in der Dieselstraße blieb geschlossen. Die vollen Regale mit Kleidung, Haushaltssachen, Bettwäsche, Spielzeug durfte niemand betreten, keine Ausgabe war möglich, genau wie in den Second-Hand-Läden vom Roten Kreuz. „Das war doppelt hart“, sagt Max Eckardt, der seit 2015 diese Spendensammlung zusammen mit anderen Helferinnen erfolgreich aufgebaut hat.

Er half während Corona persönlich in Notlagen weiter und gab Kleidung aus, etwa an eine schwangere Frau und an einen Asylbewerber, der neu angekommen war und keine Wintersachen hatte. „Wenn alles gut geht mit dem Impfen, können wir frühestens nach der Sommerpause wieder mit der regulären Ausgabe loslegen“, schätzt Max Eckardt, der auch Sprecher des Helferkreises ist.

Auch Hausaufgabenhilfe wird schmerzlich vermisst

Gar nicht mehr zum Einsatz kam das Team der Hausaufgabenhilfe. Seit März 2020 durften Ehrenamtliche die Unterkünfte an der Hochstraße und an der Parzivalstraße nicht mehr betreten, und so fiel dieses Angebot für die Grundschulkinder aus. Ende August kam vom Landratsamt der Hinweis, man könne wieder in die Unterkünfte gehen, unter den bekannten Regeln: Abstand halten, Maske tragen, Hände waschen. „Wenn es nicht möglich ist, den Abstand einzuhalten, können Gesichtsschilde verwendet werden.“ Die Teams entschieden sich schweren Herzens dennoch, nach den Sommerferien keine Hausaufgabenhilfe anzubieten: „Es tut mir in der Seele weh, die Kinder brauchen Unterstützung, aber wie soll das gehen mit Abstand? Auch ein Gesichtsschild schützt nicht. Man kann auch den Abstand nicht dauerhaft einhalten, wenn man nicht nur beaufsichtigen, sondern bei den Hausaufgaben helfen möchte“, so der Sprecher. Die meisten Helferinnen sind über 65 Jahre alt, einige haben kranke Eltern, die sie nicht gefährden wollen.

Auch die Gruppe der Lotsinnen und Lotsen, die unmittelbaren Kontakt zu den Geflüchteten hatten, musste sich zurückziehen, sehr zu ihrem Bedauern und auch sehr zum Bedauern ihrer Familien oder Einzelpersonen, die sie betreuten. Gewiss, das Handy wurde oft genutzt, für konkrete Ratschläge oder Gespräche. Aber die persönliche Begegnung hat allen sehr gefehlt.

Umso wichtiger wurden die hauptamtlichen Betreuer. „Vor allem die Kümmerer Xhevdet Bekteshi in der Hochstraße und Eduart Civeja in der Parzivalstraße sowie Michael Schewe leisteten Großartiges“, sagt Helmut Blahusch, ebenfalls Sprecher des Helferkreises. Auch die Mitarbeiterinnen der Caritas hätten mit ihren Sprechstunden die Flüchtlinge unterstützt. Denn neben Corona, das in den Karlsfelder Einrichtungen noch glimpflich abgelaufen war – es gab wenige Infektionen – sind die Sorgen und Nöte der Bewohner und Bewohnerinnen bei vielen immer noch groß. „Sie leiden oft unter der Ungewissheit ihrer Zukunft, unter Ausweglosigkeit und Ängsten, Überforderung, Depression“, weiß Blahusch: „Das verlangt weiter professionelle Betreuung.“

Der Helferkreis und Helmut Blahusch erinnern aber auch noch an die „tolle, positive“ Aktion der FOS Karlsfeld. Zum 4. Mal hatten Schülerschaft und Kollegium ein „Weihnachten im Schuhkarton“ für rund 100 Flüchtlingskinder gezaubert. Es war ein Lichtblick in diesen schweren Zeiten.

ep

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare