Gemeinschaftsaktion in Karlsfeld

Verzweifelter Flüchtlingsbub (11) steigt in den falschen Bus: So rührend wurde er umsorgt

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Ein elfjähriger Bub aus dem Irak ist am Donnerstag in Karlsfeld in den falschen Bus eingestiegen. In einer Gemeinschaftsaktion schafften es Busfahrer, Fahrdienstleiter und Polizei, das Kind wieder nach Hause zu bringen. 

Karlsfeld – Seine „gute Tat des Tages“ nennt Werner G., Fahrdienstleiter beim Busverkehr Südbayern, das, was sich am Donnerstagnachmittag in Karlsfeld zugetragen hat. Seinen Namen will der bescheidene 56-Jährige übrigens nicht in der Zeitung lesen, denn: „Eigentlich ist das doch ganz normal, was wir da gemacht haben.“

Tatsächlich ist es nicht normal, welchen Aufwand Werner G., sein busfahrender Kollege sowie zwei Streifenbeamte der Polizei Dachau am Donnerstag betrieben haben, um einem weinenden Elfjährigen dabei zu helfen, wieder nach Hause zu finden.

Dass verwirrte ältere Menschen oder kleine Kinder sich im Bus verfahren, komme regelmäßig vor, erklärt G. Der Busfahrer würde in der Regel bemerken, wenn Fahrgäste „zwei, drei Runden mitfahren, ohne auszusteigen“, und entsprechend reagieren. Im jüngsten Fall aber handelte es sich um einen elfjährigen Flüchtlingsjungen, der kein Wort deutsch sprach und nicht ortskundig war.

„Was mach i jetzt?“

Am Donnerstag gegen 13.35 Uhr bemerkte der Busfahrer der Linie 701 das weinende Kind. Auf Nachfragen reagierte es nicht beziehungsweise verstand nicht, was der Busfahrer von ihm wollte. Daraufhin wurde Werner G. informiert, der sofort vom Büro aus zur Haltestelle St.-Anna-Straße fuhr, wo ihm der Busfahrer den traurigen Buben übergab. G. setzte das Kind auf seinen Beifahrersitz und überlegte: „Was mach i jetzt?“ Aus Angst, am Ende als Kindesentführer abgestempelt zu werden, informierte er die Polizei, die daraufhin mit zwei Kollegen ebenfalls zur St.-Anna-Kirche kam.

Das Problem: Nun standen drei Erwachsene um ein offensichtlich verzweifeltes, arabisch sprechendes Kind. „Da ist mir meine Übersetzungs-App aufm Handy eingefallen“, erzählt G. Über die App ließ er sich Fragen wie „Wie heißt du? Wo wohnst du?“ anzeigen und trug diese in radebrechendem Arabisch vor. G. gibt zu, dass „er mich nur teilweise verstanden hat“. Aber immerhin konnte der Elfjährige daraufhin seinen Namen nennen – er hieß Ismail – und erklären, dass er aus dem Irak komme und eigentlich in die Linie 710 einsteigen wollte.

So fand Ismail doch noch nach Hause

G. hatte daraufhin die rettende Idee: Er fuhr die Strecke der Linie 710 ganz langsam ab, dicht gefolgt vom Polizeiauto. Ismail, der laut G. irgendwann Vertrauen in die fremden Männer gefasst hat, reagierte schließlich an der Haltestelle Reschenbachstraße. Er lief zu einem Haus, an dessen Tür auch schon seine Mutter wartete.

Die Verabschiedung erfolgte dann übrigens ohne Übersetzungs-App: Ismail klopfte sich immer wieder an die Brust, senkte seinen Kopf und sagte: „Thank you, thank you!“

Lesen Sie auch: Studie klärt auf: Darum lebt‘s sich in Oberbayern am besten

Rubriklistenbild: © Achim Schmidt

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