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Ein Bild wie dieses gab es schon lange nicht mehr: Andreas Turner (rechts) am Sitzungstisch. Daneben seine ehemaligen Fraktionskollegen Mechthild Hofner, Adrian Heim und Birgit Piroué (v.l.). 

Gemeinderat Karlsfeld

Wo ist Turner?

„Der Gemeinderat besteht aus insgesamt 24 Mitgliedern (ohne Erster Bürgermeister).“ So heißt es in der für Karlsfeld maßgeblichen Satzung wörtlich. In Wirklichkeit sieht das anders aus. Denn Andreas Turner bleibt den Sitzungen seit Monaten fern. Das ist vor allem für seine ehemaligen Fraktionskollegen ein Ärgernis.

Karlsfeld – Der fraktionslose Gemeinderat Andreas Turner erschien zur Sitzung am Donnertagabend nicht. So wie auch in der Sitzung davor nicht und in der davor. Die Reihe ließe sich noch übers ganze Jahr 2017 fortsetzen. Zuletzt nahm Turner im November an einer Gemeinderatssitzung teil. Kurz zuvor war er nach dem wochenlang brodelnden Skandal um die mithilfe von Asylbewerbern ausgeführten Rodungsarbeiten an der Bahnstrecke aus der Fraktion des Bündnis’ für Karlsfeld geflogen.

Was tun, wenn einer nicht mehr kommt? Turner müsse „die Ernsthaftigkeit seines Mandats infrage stellen“, sagt Bürgermeister Stefan Kolbe. Sanktionieren kann die Gemeinde das Verhalten nur schwer, zumal Turner sich jedes mal ordnungsgemäß abmeldet, wenn mitunter auch erst eine halbe Stunde vor Sitzungsbeginn. Im extremsten Fall könne der Gemeinderat beschließen, dass ein Ordnungsgeld verhängt wird, so Kolbe. Mehr nicht.

Als das Bündnis für Karlsfeld 2013 seine Kandidaten für die Kommunalwahl im März 2014 nominierte, landete der in der lokalen Politik bis dahin weitgehend unbekannte Andreas Turner auf Listenplatz fünf. Der reichte zum Einzug in den Gemeinderat, Turner erhielt 1505 Stimmen. Der auf der Liste auf Platz sechs folgende Gemeinderat Peter Neumann verpasste den Wiedereinzug.

Neumann würde nun nachrücken, wenn Turner den Gemeinderat verlässt. Doch das ist unwahrscheinlich. „Wir haben keinen Kontakt mehr zu ihm“, sagte Mechthild Hofner am Freitag. Auch die Bündnis-Fraktionschefin ist der Ansicht, dass Turner sich überlegen solle, ob er sein Mandat „noch voll ausfüllen kann“. Vor einigen Woche habe das Bündnis in einem Gespräch eine Lösung finden wollen. Turner habe diesen Vorstoß seiner ehemaligen Fraktionskollegen kommentarlos zurückgewiesen.

Als das Bündnis sich im Oktober 2016 für die Trennung von Turner entschloss, nahm es einen gewichtigen Nachteil in Kauf: Es verlor nicht nur einen Sitz am Rathaustisch, sondern auch in den bei vielen Entscheidungen maßgeblichen Ausschüssen. Die Plätze in Haupt- und Bauausschuss hat nun Anton Flügel von den Freien Wählern inne. Würde Turner seinen Rückzug aus dem Gemeinderat erklären und Neumann nachrücken, erhielte das Bündnis den Sitz im Bauausschuss sicher zurück und den im Hauptausschuss eventuell.

Wo Turner sich aufhält, ist nicht so ganz klar. Er soll viel in den USA sein, heißt es. Vor einer Woche wurde er allerdings in Karlsfeld gesehen. Die auf mehreren Internetseiten angegebene Festnetznummer existiert nicht mehr, wer es auf dem Handy versucht, hat sofort die Mailbox dran. Auf die Bitte der DN-Redaktion um Rückruf reagierte Turner bislang nicht.

Thomas Leichsenring

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