Straße Unterführung Schild
+
Gefahrlos auf die andere Seite der viel befahrenen Münchner Straße in Karlsfeld: die Fußgängerunterführung auf Höhe Gartenstraße. 

Bürger können Entscheidung nicht nachvollziehen

Karlsfeld: Fußgängerunterführung verschwindet

Die Fußgängerunterführung an der Münchner Straße auf Höhe der Gartenstraße soll verschwinden. Diese Entscheidung können viele in Karlsfeld nicht verstehen. Das Karlsfelder Bauamt hält dagegen und liefert gleich mehrere Gründe.

Karlsfeld – Wer in Karlsfeld auf Höhe der Gartenstraße über die extrem befahrene Münchner Straße will, hat eine Alternative: die Fußgängerunterführung. Doch die wird gewissermaßen zum Opfer der Ortsentwicklung. Auf der Westseite der Straße entsteht das 3,6 Hektar große Baugebiet Ludl-Gelände. Im Zuge der Bauarbeiten soll die Unterführung zurückgebaut werden. So steht’s im Bebauungsplan, der seit Mai rechtskräftig ist (wir berichteten mehrfach).

Einige in Karlsfeld sehen die Entwicklung des Ludl-Geländes überaus kritisch. Unter anderem der Bund Naturschutz Karlsfeld. Der enorme Zuzug verschärfe die ohnehin problematische Verkehrssituation im Bereich der Münchner Straße „in hohem Maße“. Dass das eigens fürs Ludl-Areal erarbeitete Mobilitätskonzept Abhilfe schaffen wird, bezweifelt der BN. Kritik kam von der BN-Ortsgruppe auch unter anderem wegen des reduzierten Stellplatzschlüssels, wegen der Gestaltung der Kita-Freiflächen („Erscheinungsbild eines Gefängnisses“) – und wegen der Unterführung, die beseitigt wird. Der in Karlsfeld seit Jahrzehnten gewünschte Brückenschlag von der Gartenstraße auf die Westseite der Münchner Straße werde bei der einzig verbleibenden Fußgängerampel nur für den Autoverkehr gewährleistet, nicht für Fußgänger und Radfahrer.

Das Bauamt im Karlsfelder Rathaus bestätigtet auf Anfrage der Heimatzeitung, dass die Unterführung eine „geringe Akzeptanz“ habe, wie es im Bebauungsplan heißt. „Sie wird erfahrungsgemäß sehr schlecht genutzt“, sagte eine Mitarbeiterin des Bauamts. Vor allem aber: Bleiben könne die Unterführung ohnehin nicht. Wenn müsste sie praktisch neu gebaut werden. Denn der westliche Zugang liegt mitten in der Straße, die einmal ins Ludl-Gebiet führen soll. Zudem entspreche die Unterführung aktuellen Bauvorschriften nicht. Sie ist zum Beispiel nicht barrierefrei. Würde sie barrierefrei ausgestaltet so wie die Unterführung am Würmkanal, müsste eine lange Rampe gebaut werden, um die maximal zulässige Steigung zu gewährleisten. „Dazu fehlt der Platz“, betont die Sprecherin des Bauamts.

Aus dem gleichen Grund haben die Planer eine Fußgängerbrücke verworfen. Eine solche Brücke müsste schon weit in der Gartenstraße beginnen und würde erst weit im Ludl-Gelände enden.

Ein letzter Punkt: die Untertunnelung der Münchner Straße. Sollte dieses Großvorhaben tatsächlich einmal umgesetzt werden, müsste die Unterführung sowieso zugemacht werden.

Der Karlsfelder Entlastungstunell ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 unter der Dringlichkeit „Weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ eingestuft. Die Tunneltrasse würde von der Gartenstraße bis zum Würmkanal reichen.

Der Tunnel ist in Karlsfeld schon seit Jahrzehnten Wunsch. Dass das Projekt im Bundesverkehrswegeplan Aufnahme fand, war ein gutes Zeichen. „Weiterer Bedarf“ ist allerdings nur die zweite Stufe, eine Einstufung unter „Vordringlicher Bedarf“ hätte die Chancen auf eine Umsetzung des Großprojekts deutlich erhöht Es ist also nach wie vor offen, ob dieser Tunnel je gebaut wird. Wegen Corona womöglich offener denn je. Thomas Leichsenring

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare