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Das Parken soll gebührenpflichtig werden, jedenfalls im roten Bereich.

Gebühren sollen Parksituation ordnen

Gemeinde will Ticketautomaten auf der Westseite des Bahnhofs Karlsfeld aufstellen

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Der Umwelt- und Verkehrsausschuss Karlsfeld hat in der jüngsten Sitzung beschlossen, dass das Parken auf der Westseite des S-Bahnhofs gebührenpflichtig sein wird.

Karlsfeld – Auf der Westseite des S-Bahnhofs Karlsfeld wird Parken künftig gebührenpflichtig, die Gemeinde wird dort Ticketautomaten aufstellen. In einer U-förmigen Zone, beginnend in der Zugspitzstraße etwa auf Höhe Föhrenweg, dann entlang der Bayernwerkstraße, bis hinein in die Dr.-Johann-Heitzer-Straße beim Betreuten Wohnen sollen Parkgebühren erhoben werden. Einen solchen Grundsatzbeschluss fassten die Gemeinderäte im Umwelt- und Verkehrsausschuss mit großer Mehrheit. Gegenstimmen kamen von SPD und Bündnis für Karlsfeld.

Die Parkgebühren, ein Euro pro Tag waren im Gespräch, sollen sich am direkt südlich benachbarten Park-&-Ride-Parkplatz auf Münchner Gebiet orientieren. Details und Tarif wird die Verwaltung ausarbeiten und dem Ausschuss erneut vorlegen.

Mit ihrer Entscheidung folgten die Kommunalpolitiker dezidiert nicht dem Rat des Münchner Fachbüros Gevas, das die Parksituation eingehend untersucht hat. Die Experten hatten noch keinen akuten Handlungsbedarf erkannt und für „Abwarten“ plädiert. Die Mehrheit im Ausschuss folgte vielmehr dem Vorschlag von Verkehrsreferent Bernd Wanka (CSU) für eine „kleine Variante“. Denn es gelte, so Wanka, „in die Bequemlichkeit der Pendler einzugreifen und eine ordnende Hand zu führen“. Eine Anwohnerparkzone für die angrenzenden Wohngebiete ist vorerst nicht geplant.

Die Verkehrs- und Parksituation westlich des S-Bahnhofs beschäftigt die Gemeinderäte schon einige Zeit. Nachdem eine im vorigen April vorgelegte Gevas-Studie nicht ausreichend aussagekräftig erschien, legten die Experten nun eine weitere Untersuchung vor. Doch am Fazit hat sich nicht viel geändert. Die Verkehrsbelastung in der Bayernwerkstraße komme nicht von den Pendlern, die dort parken, sondern durch die „allgemein hohe Verkehrsmenge“, erläuterte Tobias Kölbl vom Verkehrsplanungsbüro.

Die Parkplatz-Suchenden drängten auch nicht massiv in die Wohngebiete, Parkgebühren empfahl der Experte daher nicht. „Denn die Parkplätze sind vorhanden, die Bewohner nicht betroffen.“ Sein Rat: Abwarten, bis das noch brach liegende Grundstück am Bahnhof entwickelt wird, und dann reagieren.

Doch diesem Vorschlag kann Verkehrsreferent Bernd Wanka (CSU) nichts abgewinnen. Auf der Bahnhof-Westseite parkten keine Karlsfelder, erklärte er. Die Anwohner dort könnten den Bahnsteig fußläufig erreichen. Und für Bürger von der anderen Bahn-Seite sei mit dem Auto die weite Anfahrt nicht attraktiv. „Es parken Gröbenrieder, Bergkirchner und Leute aus Dachau-Süd. Wir stellen attraktive Parkplätze für Landkreisbürger.“ Doch Ziel müsse sein, so Wanka, dass alle direkt vor der Haustüre in den ÖPNV umsteigen. Deshalb plädierte der Verkehrsreferent für ein Parkraum-Management mit moderaten Parkgebühren im direkten Bahnhofsumfeld.

Nicht alle Gemeinderäte sehen die Sache so. Eine Verdrängung in die Wohngebiete fürchtet Franz Trinkl (SPD). „Dann kommt kein Autofahrer weniger, er parkt nur woanders.“ Doch „bei einer Parkgebühr von einem Euro wird eher abgewogen, zu zahlen“, betonte Verkehrsplaner Christoph Hessel von Gevas.

Zu einer „Mega-Verlagerung“ werde die überschaubare Gebühr nicht führen. Der nahe gelegene Park-&-Ride-Parkplatz auf Münchner Gebiet sei mit einer Tagesgebühr von einem Euro jedenfalls voll, hat Bernd Wanka beobachtet. „Wir müssen auch einmal den Anziehungseffekt unserer kostenlosen Parkplätze sehen.“

In den vergangenen Jahren seien im Umfeld schon Parkplätze weggefallen, eine Verdrängung ihrer Beobachtung nach aber ausgeblieben, ergänzte Janine Rößler-Huras (Grüne). Wichtig sei, die Entwicklung zu beobachten und wenn notwendig, Anwohnerparken einzuführen, sagte Anton Flügel (FW). Und Thomas Nuber (Grüne) forderte, sich am Münchner Tarifsystem zu orientieren, „denn es ist ein Bahnhof“.

Nach Kosten und Einnahmen fragte Mechthild Hofner (Bündnis). „Ein Geschäft machen wir damit sicher nicht“, betonte Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU). Aktuell sei noch nicht absehbar, was sich auf der Brachfläche entwickelt und wie sich das in der Nähe geplante Gymnasium auswirkt. Deshalb gelte es, die Situation permanent zu überprüfen. Immer mit dem Ziel, „dass wir die Leute auf kürzestem Weg in Busse und S-Bahn bringen, dass sie gar nicht ins Auto steigen müssen.“

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