Gemeinderat revidiert Entscheidung

Lüftungsanlage kommt doch

Nun also doch: Die neue Karlsfelder Grundschule bekommt eine Lüftungsanlage. Der Gemeinderat hat die Entscheidung des Bauausschusses revidiert. Die, die vor zwei Wochen gegen den Einbau der Anlage gestimmt hatten, begründen ihren Meinungswandel mit einem Informationsdefizit.

Karlsfeld – Der Karlsfelder Gemeinderat hat am Donnerstag einstimmig beschlossen, dass die neue Grundschule an der Krenmoosstraße komplett mit einer Lüftungsanlage ausgestattet wird und auch Klassenzimmer und nicht nur innen liegende Räume sowie Küche und Toiletten belüftet werden. Er hob damit den Beschluss des Bauausschusses auf, der am 8. Februar mit 7:6 Stimmen eine Lüftungsanlage abgelehnt hatte (wir berichteten).

Der Protest ließ nicht lange auf sich warten. Und die SPD wurde aktiv. Sie stellte den Antrag, die Sache nochmals im Gemeinderat auf die Tagesordnung zu setzen. Die „Fehlentscheidung“, wie sich die Fraktionsvorsitzende Hiltraud Schmidt-Kroll unmissverständlich ausdrückte, solle revidiert werden.

Die beiden Planer kamen also erneut ins Rathaus, wiederholten am Donnerstag im Gemeinderat die Vorzüge einer zentralen Lüftungsanlage gegenüber der herkömmlichen Variante „Fenster-regelmäßig-zum-Stoßlüften-auf“. Eine neue Information hatten sie allerdings mitgebracht: Aus Sicherheitsgründen ist es nicht erlaubt, die mittleren Fenster einer Fensterfront in Klassenzimmern komplett zu öffnen. Das hatten sie im Ausschuss nicht mitgeteilt.

Johann Willibald (CSU) zeigte sich verstimmt. Hätte er diese Information schon vor zwei Wochen gehabt, hätte er der Anlage zugestimmt, sagte er. Ähnlich äußerten sich sein Parteikollege Stefan Theil und Bernd Rath (Bündnis für Karlsfeld).

Diese Argumentation wollte Anton Flügel (Freie Wähler) nicht gelten lassen. Der entscheidende Punkt sei ein anderer und schon im Bauausschuss vorgetragen worden: Die von Gesundheitsbehörden für Klassenräume empfohlenen Richtwerte des Kohlenstoffdioxid-Gehaltes in der Raumluft würden den ganzen Schultag über deutlich überschritten, wenn nur die Fenster nach jeder Stunde zum Stoßlüften geöffnet werden. In Spitzenzeiten ist der Wert fünfmal so hoch. Dennoch stimmten damals sechs Gemeinderäte und Bürgermeister Stefan Kolbe gegen eine Lüftungsanlage.

Wegen der heute üblichen luftdichten Bauweise seien Neubauten ohne Lüftungsanlage nicht mehr zeitgemäß, so die Planer. Luft und Schadstoffe können nicht mehr entweichen, wie es bei älteren Gebäuden der Fall ist. Gute Luftqualität erhöhe die Leistungsfähigkeit von Schülern und Lehrern, vermindere die Ansteckungsgefahr bei Krankheiten und sperre Pollen aus. Und öffnen ließen sich die Fenster bei Bedarf immer noch.

Die neue Schule kostet 28,3 Millionen Euro. Etwa 20 Millionen Euro davon muss die Gemeinde aufbringen. Nach einer aktuellen Prüfung kostet die Lüftungsanlage 655 000 Euro. Würden nur moderne Fenster eingebaut, liegt man bei 435 000 Euro.

Thomas Leichsenring

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