An der Füllanlage: Gründer Walter Kopp senior in Allach, vermutlich im Jahr 1950.
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An der Füllanlage: Gründer Walter Kopp senior in Allach, vermutlich im Jahr 1950.

Bleibende Erinnerungen

Nach 70 Jahren Familienbetrieb: Karlsfelder Getränkemarkt Kopp schließt zum 31. Juli

Wegen der Corona-Pandemie muss der Getränkemarkt Kopp in Karlsfeld zum 31. Juli schließen. Was bleibt, sind die Erinnerungen an 70 Jahre Familienbetrieb.  

Karlsfeld Wenn Markus Flamisch und seine Mutter Sibylle Flamisch von den Anfängen des Getränkemarkts Kopp erzählen, tut sich ein Fenster der Zeitgeschichte auf. Das, was nun durch Corona sehr zum Leidwesen der Familie, der Angestellten und der Kunden am 31. Juli zu Ende geht (wir haben berichtet), führt zurück in die Nachkriegsjahre.

Alles begann damit, dass der junge Walter Kopp aus Euskirchen bei Köln nach dem Krieg keine Chance sah, in seiner Heimat Arbeit zu finden. Er hatte aber von großen Betrieben in München gehört, wie MAN und Krauss Maffei, und erhoffte sich, dort vielleicht als Tagelöhner unter zu kommen. Stattdessen konnte er in einem kleinen Kramerladen in Allach dem Besitzer als Handlanger zur Seite stehen. Der Eigentümer war Apotheker oder Drogist. Und er hatte eine Lizenz zur Getränkeherstellung. In einer Baracke hinter dem Verkaufsraum produzierte er Limonaden und füllte sie dort auch ab.

„Der Opa“, so weiß es Enkel Markus Flamisch aus Erzählungen, „hat sich da so richtig rein gearbeitet.“ Als der Inhaber plötzlich starb, wollte dessen Frau nicht länger hierbleiben. Sie verkaufte den Laden samt Lizenz an den jungen Kopp. „Sie waren Juden. Und sie hatte Angst, dass sie noch einmal so schreckliche Verfolgungen erleben müsste. Sie wanderte in die USA aus.“ Daran erinnert sich noch Sibylle Flamisch, die Tochter von Walter Kopp senior.

Wertvolle Erinnerungsstücke hält der Geschäftsführer von Getränke Kopp, Markus Flamisch, in seinen Händen. 

Während der Vorbesitzer seine Limonaden mit Süßstofftabletten herstellte, sagte sich der neue Eigentümer: „Wir waren froh, nach dem Krieg endlich wieder Zucker zu haben, da mach ich doch die Getränke nicht mit Süßstoff“. Alles war selbstverständlich noch ohne künstliche Zutaten: Waldmeister als Klassiker, aber auch Kirsche und Zitrone und Orange. Nach und nach kamen die Landbrauereien mit ihren Bieren ins Sortiment.

Knapp zehn Jahre blieb der Gründer Walter Kopp in diesem Laden an der Peter-Müller-Straße. Anfang der 60er- Jahre zog er in die Vogelloh um, in ein von ihm eigenständig erbautes Wohnhaus samt Anbau für die Getränkeproduktion. Und er arbeitete mehr und mehr auch für den Handel und Verkauf. Dort blieben die Kopps bis 2008. Die nächste Station war an der Jägerstraße in Karlsfeld, bis 2016. Der Sohn Walter Kopp stieg in das Geschäft ein und baute den Markt erfolgreich aus. Als er erkrankte, übernahm sein Neffe Markus Flamisch 2015 die Geschäftsführung. Im April gründete Flamisch zusammen mit seiner Frau Alexandra Förster die Kopp GmbH. Am 1. April 2016 zogen sie in die Rathausstraße.

Und das ist nun die Endstation für den beliebten Getränkemarkt. Weil die Einnahmen wegen Corona einbrachen und die Mietkosten zu hoch wurden, schließt jetzt das Geschäft mit der 70-jährigen Familientradition. Etliches vom Warenbestand und der Einrichtung konnte zum Glück noch verkauft werden. Und die Mitarbeiter sind froh, dass sie inzwischen neue Arbeitsstellen gefunden haben. Aber es bleibt viel Wehmut zurück. Und ein paar handfeste Erinnerungen: Das erste Firmenschild, der alte Holzkasten für die Limonaden, der Glasaschenbecher und das Bierkrügerl, das die Stammkunden immer zu Weihnachten bekamen, die Bierflasche mit dem „Ploppverschluss“. Das alles bekommt einen Ehrenplatz im Wohnzimmer der Familie Flamisch-Förster. Daran hängt sein Herz: „Das heben wir alles gut auf“, sagt Markus Flamisch.

Elfriede Peil

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