Mit Abstand und wunderbarer Solistin: das Sinfonieorchester Karlsfeld und Ekaterine Tsenteradze (stehend, Mitte).
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Mit Abstand und wunderbarer Solistin: das Sinfonieorchester Karlsfeld und Ekaterine Tsenteradze (stehend, Mitte).

Nach drei Corona-Absagen durften die Musiker endlich wieder auf die Bühne

Sinfonieorchester Karlsfeld: Glücksmomente für ein entwöhntes Publikum

Schön war’s. Beglückend, erheiternd, aufmunternd. Der Applaus und die lächelnden Gesichter zeigten es: Das Sinfonieorchester Karlsfeld unter der Leitung von Dirigent Bernhard Koch hat „seinem“ Publikum am Sonntag im Bürgerhaus einen wunderbaren Abend geschenkt. Und es war zahlreich gekommen, man war schließlich entwöhnt nach drei ausgefallenen Konzerten in den vergangenen eineinhalb Jahren.

Karlsfeld ‒ Schon die ersten Takte der Ouvertüre aus der Rinaldo- Suite von Georg Friedrich Händel stimmten festlich ein. Sich zurücklehnen, genießen und spüren, wie Musik entspannt. Oder belebt, wenn die Geigen in der Sarabande frisch oder beim Marsch fröhlich aufspielen. Ein erster herzlicher Applaus.

Die Sinfonia in G-Dur von Johann Christian Bach, dem jüngsten Sohn von Johann Sebastian Bach, kennzeichnet eine „schwungvoll-elegante Melodik“, wie es im Programmheft hieß. Aber sie ist auch kraftvoll, vor allem bei den Unisono-Takten. Der volle Klangkörper des Orchesters kommt hier zum Einsatz.

Wenn am Ende des Konzerts Bernhard Koch bedauerte, dass durch die geforderten Abstandsregeln sich die Musizierenden gar nicht richtig hören könnten – das Publikum hörte nur ein toll eingespieltes Ensemble.

Der Höhepunkt war das Konzert für Oboe und Orchester von Joseph Haydn mit der Solistin Ekaterine Tsenteradze, geboren 1996 in Georgien. Mit neun Jahren erhielt sie den ersten Oboenunterricht, besuchte das Musikgymnasium Tiflis, studierte dort später am Staatlichen Konservatorium. Sie absolvierte zahlreiche Meisterkurse und begann 2018 ein Studium am Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg. Ein Jahr später wurde sie als Oboistin in Pan-Caucasian Youth Orchester aufgenommen.

Und jetzt stand sie auf der Bühne im Karlsfelder Bürgerhaus und lächelte zurück, als Bernhard Koch sie aufmunternd anlächelte. Ihren Einsatz hatte sie erst nach einer sehr langen Einleitung des Orchesters, in dem die einzelnen Themen des Satzes vorgestellt wurden.

Aber dann legte sie los – anders kann man es nicht sagen. Sie trug den Klang kräftig und gefühlvoll in den Raum und spielte ebenso virtuos wie locker-leicht mit einem einzigen Atemzug ihr erstes Solo. Wann, fragten sich die Zuhörer, atmet diese junge Frau eigentlich?

Ekaterine Tsenteradze war einfach souverän. Die Töne und Triller hüpften nur so. Das Zusammenspiel mit dem Orchester funktionierte über schelmischem Augenkontakt, und mit dem Dirigenten hatte sie sowieso einen Sympathiepakt geschlossen. Die Bravo-Rufe brachten ihr auch die Sympathie auch des Publikums entgegen. Was machte es da aus, wenn es hieß, dieses herrliche Stück stamme gar nicht von Joseph Haydn? Man habe sich nur seines Namens bedient, weil der sich seinerzeit gut verkaufte.

Ein Verdienst von Koch war es, den selten gespielten portugiesischen Komponisten João Domingos Bomtempo zu präsentieren. Bomtempo lebte von 1775 bis 1842 in Lissabon, Frankreich und England und wird als portugiesischer Beethoven bezeichnet, was an den manchmal dramatischen Dissonanzen dieser Sinfonia 1 in Es-Dur liegen mag. Auch hier spielte das Orchester eindrucksvoll zusammen, so als hätte es im letzten Jahr nichts Anderes getan. Dabei betonte Koch, wie wenig Zeit sie zum Üben hatten, „weil die Politik ja nicht vorausdenken kann“. Auch die neue Vorsitzende des Vereins Sinfonieorchester Karlsfeld, Andrea Becker, wies auf die „Riesenprobenarbeit“ hin, die von allen geleistet wurde.

Als Zugabe gab es nach ausführlichem, begeisterten Beifall das Scherzo aus dem Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn Bartholdy, mehr leider nicht. Aber auch so war es ein Erlebnis, das glücklich machte. Und das man so vermisst hatte! Elfriede Peil

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