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Der Mann, der im Hintergrund die Fäden zog: Arendt befeuerte die Karriere von Schlagerstar Caterina Valente.

90. Geburtstag in Karlsfeld

Günter Arendts irres Leben

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Günter Arendt aus Karlsfeld hat seinen 90. Geburtstag gefeiert. Zeit für einen Rückblick auf ein irres Leben. Arendt pflegte Kontakte nach Hollywood, war mit Weltstars befreundet, bändigte einen Löwen und stellte die Schlümpfe dem mächtigsten Mann der Welt vor.

Karlsfeld – Er hat Löwen dressiert, Hollywood-Star Shirley MacLaine geküsst, Sängerin Peggy March nach Karlsfeld eingeladen und die Schlümpfe zu US-Präsident Ronald Reagan gebracht: Was Günter Arendt erlebt hat, klingt wie eine unglaubwürdige Geschichte. Doch: Die Geschichte ist wahr. Jetzt hat der Karlsfelder seinen 90. Geburtstag gefeiert.

Günter Arendt, rotes T-Shirt, weiße Haare, sieht man sein Alter nicht an. Seine unglaublichen Erlebnisse müssen ihn jung gehalten haben. Heute kommt er ins Schwärmen, wenn er in sein altes Fotoalbum blickt: Darin aufbewahrt sind Fotos von Stars, spektakulären Veranstaltungen, Zirkustieren und vielen weiteren unglaublichen Aktionen. Der Konsul – den Titel hat er sich vor Jahrzehnten gemeinsam mit seinem engsten Freund, dem Entertainer Peter Frankenfeld, ausgedacht – war weltweit hinter den Kulissen einer der Großen im Showbusiness.

Dabei hat seine schillernde Karriere seriös begonnen: Mit 20 war Günter Arendt jüngster Korrespondent im Bundestag. „Akkreditierungsnummer 008“, sagt er. Ein interessanter Job, aber: „Ich wollte die Welt sehen.“

Weil das Reisen Anfang der 50er Jahre nicht so einfach war, ging er zum Zirkus. Dessen Dresseur musste in Holland vier Elefanten kaufen, konnte aber nicht schreiben und lesen. Er suchte einen Begleiter – und Arendt meldete sich.

Stolz präsentiert er in seinem Album ein altes Dokument: Es ist die Erlaubnis, alle Tierkäfige ohne Begleitung zu betreten. Ein bisschen durchgedreht muss man schon sein, um sich einfach so in einen Löwenkäfig zu wagen. Arendt war es. Mit einem Küken in der einen und der Kamera in der anderen Hand marschierte er in den Löwenkäfig. Er warf das Küken in Richtung Löwe – und dann geschah das Unglaubliche. „Das Küken ging in die Löwenmähne und der Löwe hat Panik bekommen“, erzählt Arendt. Aus lauter Angst griff das Tier weder Arendt an, noch fraß er das Küken – und um die Welt ging eine Geschichte mit dem Titel „Küken frisst Löwen nicht“.

„Der Zirkus hat mir wahnsinnig Spaß gemacht“, sagt der Karlsfelder. „Aber um dauerhaft dortbleiben zu wollen, muss man hineingeboren sein.“

Vom Journalismus in die Showbranche

Arendt wechselte irgendwann wieder in den Boulevard-Journalismus – und startete eine neue Karriere in der Showbranche. Dabei hatte er einen besonderen Trick: „Man muss den Stars entgegenfliegen, wenn man etwas von ihnen will. Im Flugzeug ist ihnen langweilig, und man kann in Ruhe mit ihnen reden.“

So lernte er auch Shirley MacLaine kennen. Die beiden knobelten während eines Flugs miteinander. Vor der Landung hatte die Schauspielerin eine Bitte: „Ich sollte sie küssen, wenn wir aus der Maschine steigen“, erklärte er. „Das sollte ihr Mann sehen.“ Die Bussis gab es – sie waren der Beginn einer langjährigen Freundschaft. Günter Arendt brachte MacLaine sogar dazu, als Blumenmädchen Eliza aus dem Musical „My fair Lady“ auf der Schlossstraße in Steglitz Blumen zu verkaufen.

Sehr eng war außerdem die Beziehung mit Sängerin Caterina Valente. Auch bei ihrer Karriere zog er im Hintergrund die Fäden. Für eine ihrer Shows hatte er zum Beispiel einen sprechenden Schimpansen organisiert. „Mama“ und „Papa“ konnte der Affe sagen, er wurde extra aus New York eingeflogen. Doch: „Der Schimpanse verletzte sich im Hotel am Finger“, berichtet Arendt. Letztlich wurde das Tier in einer Kinderklinik für Privatpatienten behandelt.

Der Jubilar kann viele Geschichten erzählen

Günter Arendt kann viele solche Geschichten erzählen: Mit Uschi Glas war er in Hongkong, Entertainer Sammy Davis junior überredete er, nach Deutschland zu reisen, Schlagerstar Roy Black half er über die Flugangst hinweg – und einmal brachte er sogar Glanz und Glamour nach Karlsfeld: Vor rund 50 Jahren baute er mit anderen Karlsfeldern eine Brücke über den Moosbach, um den Weg zum Einkaufen zu verkürzen. Es war ein Schwarzbau – und um zu verhindern, dass die Brücke wieder abgerissen wird, lud Arendt kurzerhand Schlagersängerin Peggy March nach Karlsfeld ein.

Die Brücke blieb stehen – und trägt den Namen der Sängerin.

Freundschaft schloss Günter Arendt auch mit anderen reizenden Gefährten: mit den Schlümpfen. Er war weltweiter Pressesprecher der Comicfiguren. „Als ich gefragt wurde, ob ich es machen möchte, kannte ich die Figuren gar nicht“, erklärt er. Doch er sagte zu – und schaffte einen PR-Coup: „Ich habe organisiert, dass der amerikanische Präsident Ronald Reagan die Schlümpfe empfing“, sagt er und grinst verschmitzt.

Noch heute tummeln sich die Schlümpfe in seiner Wohnung: Auf dem Regal stehen viele kleine Figuren, im Wohnzimmer ist eine große Skulptur. Erinnerungen an eine Zeit voller unglaublicher Erlebnisse. Ein bisschen wehmütig wird der verwitwete Günter Arendt schon, wenn er heute daran zurückdenkt. „Früher gehörte mir die ganze Welt“, sagt er. „Heute sind es nur noch mein Haus und mein Garten in Karlsfeld.“

CLAUDIA SCHURI

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