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Die gute Seele der Turnabeilung

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Sie braucht den Sport zum Glücklichsein: Karin Proske war 47 Jahre lang Übungsleiterin beim TSV Karlsfeld. Foto: ClA
Sie braucht den Sport zum Glücklichsein: Karin Proske war 47 Jahre lang Übungsleiterin beim TSV Karlsfeld. Foto: ClA

Karlsfeld - 47 Jahre lang hat Karin Proske als Übungsleiterin im Turnen in den Knochen. Und sie ist noch immer topfit. Ihr Geheimrezept als Übungsleiterin war: Geduld, Lob und Gummibärchen.

Handstand, Feldaufschwung, Flick-Flack oder die Standwaage auf dem Schwebebalken - Karin Proske kann gar nicht mehr zählen, wie oft sie diese Übungen schon gemacht hat und wie vielen Mädchen sie schon dabei geholfen hat, ihre Angst zu überwinden, um sich auch einmal daran zu versuchen. Längst ist die 68-Jährige die gute Seele der Turnabteilung im TSV Karlsfeld. Wenige Monate nach der Vereinsgründung im November 1962 war sie dem TSV beigetreten, sportbegeistert war sie schließlich schon immer: „In der Schule hab' ich bei Völkerball- und Leichtathletikwettbewerben mitgemacht. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich auch danach mit dem Sport weitergemacht habe“.

Zuerst turnte sie als junges Mädchen in Ludwigsfeld, bis es sie dann zum TSV in Karlsfeld verschlagen hat. Damals schon war sie schon Feuer und Flamme und ließ kein Training aus. Das ist auch dem Vorsitzenden der Turnabteilung aufgefallen. „Er hat sich gedacht, da ist eine, die ständig da ist, vielleicht kann die ja das Kinderturnen machen“, erzählt Karin Proske. „Dann sind die zwei Vorsitzenden zu meiner Hochzeit gekommen, und schon hatte ich den Posten“, lacht sie. Einen Posten, den sie mit Leib und Seele ausführte - 47 Jahre lang, erst Ende 2012 gab sie ihre Übungsleiterkarriere auf.

Karin Proske leitete das Bubenturnen, das Kleinkinderturnen und vor allem das Mädchenturnen, ihr Steckenpferd. Generationen von Mädchen haben bei ihr gelernt, wie man auf dem Barren turnt, welche Trampolinsprünge es gibt oder wie man am besten über einen Bock springt. Noch wichtiger war Karin Proske aber immer eines: Die Mädchen sollten Freude an der Bewegung entwickeln. Ihr Geheimrezept dafür: „Jedes Kind bekommt am Ende der Stunde ein Gummibärchen, das ist extrem wichtig für sie“.

Und noch einen Trick hatte sie auf Lager um alle Mädchen bei der Stange zu halten: „Man muss die Kinder einfach loben, auch wenn jemand etwas nicht so gut kann“. Egal wie viele Probleme die jungen Turnerinnen mit manchen Übungen hatten - geschimpft hat Karin Proske nie. Nur eines machte sie sauer: „Wenn eine etwas nicht konnte und die Anderen darüber lachten.“ Schließlich sollten alle gerne zu ihr zum Turnen kommen und Spaß daran haben.

Einmal war da ein kleines Mädchen, das die ersten paarmal nur geschrien hat, erinnert sie sich. Karin Proske blieb geduldig. Später hatte das Mädchen soviel Spaß am Turnen, dass es als Teenagersogar Helferin wurde. Viele ihrer ehemaligen Schützlinge sind inzwischen selbst Assistentin oder Übungsleiterin geworden.

Als Karin Proske ihr Amt abgab, wusste sie deshalb, dass es in gute Hände kommt. Leicht ist ihr die Entscheidung trotzdem nicht gefallen: „Die Kinder waren sehr traurig, zum Schluss habe ich auch geweint“, erinnert sie sich wehmütig. „Es war Zeit. Irgendwann kommt der Punkt, wo man sagt, jetzt ist Schluss.“ Dem Sport jedoch, ihrer großen Leidenschaft, bleibt Karin Proske auch künftig treu. Sie könnte auch nicht anders, sie braucht die Bewegung - einfach zum Glücklichsein: „Manchmal, da geht man zum Sport und denkt sich ‚heute bin ich aber kaputt‘. Danach kommt man heim und fühlt sich wieder wohl“, sagt sie. Jede Woche geht die Karlsfelderin zum Badmintonspielen und zur Damengymnastik, außerdem will sie wieder das Sportabzeichen ablegen - heuer schon zum 30. Mal in den Disziplinen Schwimmen, Kugelstoßen, Weitsprung und Fahrradfahren.

Probleme bereitet ihr das alles nicht. Im Gegenteil, sie ist sogar selbst Sportabzeichenprüferin und hat eben erst ihre Lizenz dazu erneuert. Im Sommer wird sie jeden Dienstag auf dem Sportplatz stehen, um die Abzeichen abzunehmen. Besonders freut sie sich darauf, dann ihre Mädchen wiederzutreffen, die ebenfalls an der Prüfung teilnehmen werden.

Ein bisschen fehlt es ihr nämlich schon, das Geplapper und das fröhliche Lachen: „In Gedanken bin ich noch jeden Montag in der Halle, das wird auch noch eine Zeit so bleiben“, vermutet sie. Irgendwann wird sie deshalb mal wieder kurz beim Training vorbeischauen - selbstverständlich mit Gummibärchen im Gepäck.

„Besuch uns mal“, das haben sich alle Kinder von ihr gewünscht. Sie haben ihr zum Abschied einen Block gebastelt, jedes Mädchen hat eine Seite gestaltet. Bunte Zeichnungen vom Training, von gemeinsamen Ausflügen und in Kinderschrift geschriebene Wünsche wie „ein schönes Leben“ und „viel Glück“ sind darin enthalten. Eine kleine Erinnerung an 47 schöne Jahre als Übungsleiterin, an 47 Jahre, die Karin Proske nie vergessen wird und an die sich vielleicht bald ein neues Kapitel im TSV reihen wird: „Ich bleibe der Turnabteilung weiter erhalten und werde, solange es geht, noch ein bisschen mitmischen“, beteuert sie. Verlernt hat Karin Proske nämlich nichts: Der Handstand, der geht immer noch. (cla)

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