1. Startseite
  2. Lokales
  3. Dachau
  4. Karlsfeld

Kolbe: Hallenbad-Schließung denkbar

Erstellt:

Kommentare

Der Zahn der Zeit hat am Hallenbad Karlsfeld genagt. Doch die Gemeinde Karlsfeld ist klamm.

Karlsfeld – Das fast 50 Jahre alte Karlsfelder Hallenbad muss saniert werden, wenn es nutzbar bleiben soll, obendrein will die Gemeinde Karlsfeld an der Jahnstraße ein neues Sportheim bauen. Doch diese beiden Millionen-Projekte stehen auf der Kippe – die Gemeindekasse ist leer. Am Donnerstagabend sprach es Bürgermeister Stefan Kolbe in der Gemeinderatssitzung erstmals öffentlich aus: Man müsse gegebenenfalls über eine Schließung des Hallenbads nachdenken.

Experten haben das Karlsfelder Hallenbad in den vergangen fünf Monaten genau unter die Lupe genommen. Fazit: Das 1999 letztmals in größerem Umfang sanierte Hallenbad steht recht gut da für sein Alter. Will man es aber fit machen für die nächsten 25 Jahre, wird es teuer. Wie die Architektin Anne Hugues in der Sitzung darlegte, müsse von Gesamtsanierungskosten in Höhe von netto 9,3 Millionen Euro ausgegangen werden. Diese Sanierung würde Maßnahmen an der Bausubstanz, technische Modernisierungen sowie gestalterische Maßnahmen wie den Umbau des Eingangsbereichs umfassen.

Gemeinderat Thomas Fritzsch (Grüne) fragte nach, ob da nicht gleich ein neues Bad sinnvoller wäre, es gäbe vergleichbare Neubauprojekte mit Investitionssummen zwischen zwölf und 15 Millionen Euro. Doch Hugues verneinte. Ein neues Bad mit Größe, Ausstattung und Angebot wie das alte käme wesentlich teurer.

Stefan Theil (CSU) wollte wissen, wie lange der Hallenbad-Betrieb ohne Sanierung aufrecht erhalten werden könnte. Marco Mühlenhoff von der Abteilung Gebäudemanagement im Rathaus gab die Antwort: „guten Gewissens ein bis zwei Jahre.“

Ob das im laufenden Betrieb überaus kostspielige Bad – das Defizit heuer liegt bei 600 000 Euro – saniert wird oder nicht, dürfte sich 2021 entscheiden. Maßgeblich ist, ob die Gemeinde eine beantragte Förderung vom Bund erhält. Das Programm trägt den Titel „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. 600 Millionen Euro hat der Bund dafür locker gemacht. Laut Kämmerer Alfred Giesinger kann mit einer Förderung von bis zu 45 Prozent gerechnet werden. Nur: Die Chance, dass Karlsfeld ins Programm aufgenommen wird, liegt unter zehn Prozent.

Auch das Sportheim an der Jahnstraße ist in die Jahre genommen. Im Februar 2019 entschied der Gemeinderat, dass es nicht saniert, sondern neu gebaut werden soll. Die finanzielle Lage der Gemeinde war schon damals nicht rosig, das Projekt schien dennoch realisierbar. Dann jedoch kam Corona mit gewaltigen Auswirkungen auf die Finanzsituation. Bürgermeister Stefan Kolbe prophezeite vor wenigen Tagen, dass der „Haushalt 2021 fürchterlich“ werde.

Hallenbad von außen
Noch ganz gut in Schuss: Doch schon bald ist eine Sanierung des Hallenbads unumgänglich. © Foto: Habschied
Sportheim von außen
Das alte Sportheim soll einem neuen weichen. Ob dieser Ratsbeschluss umgesetzt wird, ist jedoch offen. © Foto: Habschied

Wie ein Neubau aussehen könnte und – vor allem – mit welchen Kosten zu rechnen ist, zeigt eine erste Studie, die der Münchner Architekt Nicolas Neumann am Donnerstagabend im Gemeinderat vorstellte. Auf fünf Millionen Euro netto käme das Projekt demnach, neben dem Bau des eigentlichen Sportheims mit Versammlungsraum für 180 Personen beinhaltet diese Kostenschätzung auch verkehrliche Maßnahmen wie eine Verschwenkung der Jahnstraße.

Anfang kommenden Jahres beginnt der Gemeinderat mit den Beratungen für den Haushalt 2021. Viele Projekte und Maßnahmen werden auf den Prüfstand kommen – ohne Zweifel auch Hallenbad und Sportheim.

THOMAS LEICHSENRING

Auch interessant

Kommentare