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Totes Holz, Gräser, Bäume und Gestrüpp: Pingkan Lucas fühlt sich vom Unaufgeräumten angezogen.

Karlsfeld

Gleiche Perspektive, verschiedene Fotos

Künstler haben aktuell mit geschlossenen Galerien zu kämpfen. Davon betroffen ist auch der Karlsfelder Kunstkreis, der derzeit 20 Mitglieder zählt. Damit die Kunst nicht in Vergessenheit gerät, stellen die Dachauer Nachrichten regelmäßig einige dieser Mitglieder in loser Reihenfolge vor. Heute: Pingkan Lucas und Alexander Krohmer.

Die beiden haben sich in einem Fotokurs in München kennen und lieben gelernt. Trotz der Liebe zur Fotografie und zueinander tun sie sich mit gemeinsamen Projekten schwer. „Wir können beide an derselben Stelle stehen, doch das dabei entstandene Foto ist grundverschieden“, erzählt Krohmer von Spaziergängen. So unterscheiden sich die Stile der beiden stark.

Pingan alias Pingi Lucas liebt das Chaos und die Natur. Beides verbindet sie in einer Fotoserie, die sie erst im März 2020 in der Karlsfelder Galerie vorstellte. Es war eine Gemeinschaftsausstellung mit Tayama da Silva-Nielsen, eine Freundin der Fotografin und der Grund, warum die beiden Münchner vor eineinhalb Jahren den Weg zum Karlsfelder Kunstkreis gefunden haben.

Bäume, Gestrüpp, totes Holz, Gräser und ein alter Telefonmast wuseln beispielsweise in einer Aufnahme, die Lucas während dem fast zweijährigen Aufenthalt in den USA eine Stunde entfernt von New York machte. Krohmers Beruf zog die beiden dort für zwei Jahre hin. „Die Amis räumen in der Natur nicht so auf, die Wälder dort wirken organischer“, sagt Lucas. Genau das zieht sie an – das Unaufgeräumte. „Es ist ein totales Chaos fürs Auge, man fühlt sich zunächst total überfordert, weil in den Fotos so viel passiert“, beschreibt es ihr Mann. Doch aufgrund des „Überquellens“ der Strukturen und Muster entsteht der Eindruck, dass der Inhalt aus dem Foto überquillt. „Man möchte es anfassen“, beschreibt Lucas den Reiz.

Anders geht es da in der Fotoreihe „Encounters“ von Alexander Krohmer zu. Er zeigt Menschen in natürlicher Pose meist vor einer neutralen Wand einmal von vorne und nochmals von hinten. „Ich denke, das ist meinem Ingenieur-Beruf geschuldet, Werkstücke werden oft von mehreren Perspektiven abgebildet“, vermutet er. „Ich treffe die Menschen auf der Straße und spreche sie an“, erzählt er zur Entstehung und gibt zu, dass ihm das nicht immer leicht falle. „Die ältere Frau in dem roten Kleid habe ich in Florence angesprochen. Sie meinte erst, sie wäre nicht fotogen, hat aber dann richtig gut mitgemacht und hat sich gefreut, dass ich sie fotografiere“, erzählt er über ein Foto der Reihe. Die Begegnungen mit den Abgebildeten dauern in der Regel selten länger als zehn Minuten, „doch meist ist schnell eine Verbindung da“, sagt Krohmer. Miriam Kohr

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