Tunnel, Autos
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Noch gibt’s freie Fahrt durch den Allacher Tunnel. 2022 aber soll eine umfang- und folgenreiche Sanierung beginnen.

Allacher Tunnel fünf Jahre Baustelle – Ausweichverkehr trifft vor allem Karlsfeld und Allach

Hiobsbotschaft Tunnelsanierung

  • vonThomas Leichsenring
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Karlsfeld/München-Allach – Lukas Hainer hat den Kampf aufgenommen. Der 33-Jährige wohnt mit seiner Frau und drei kleinen Kindern in der Eversbuschstraße in Allach, nur einen Steinwurf entfernt vom Karlsfelder Bahnhof. Hainer klagt über eine „menschenfeindliche und vor allem kinder- und seniorenfeindliche Verkehrssituation“ im nördlichen Allach. Sein Kampf begann schon, da wusste er noch nichts von der nächsten Hiobsbotschaft:

Der Allacher Tunnel auf der nahen A 99 wird saniert – acht Jahre lang. Den Ausweichverkehr werden Hainer und die Allacher und auch viele Karlsfelder buchstäblich vor der Nase haben.

Hainer ist in seinem Kampf nicht allein. Schon seit Monaten organisiert eine Bürgerinitiative den Widerstand gegen das Baugebiet Hirmerei, dass zwischen Eversbuschstraße und Otto-Warburg-Straße entstehen wird, gleich neben dem Karlsfelder Bahnhof. Seit Jahresanfang ist diese Bürgerinitiative ein eingetragener Verein. Name: GKAK – Gemeinsames Konzept für Allach und Karlsfeld.

„Wir wollen nicht nur schreien, sondern auch konkrete Forderungen stellen und eigene Ideen liefern“, betont Hainer im Gespräch mit den Dachauer Nachrichten. Die Mitglieder der Bürgerinitiative haben schon Arbeitsgruppen mit genau definierten Aufgaben gebildet.

Um der problematischen Verkehrssituation im Bereich Allach/Karlsfeld zu begegnen, seien „große Hebel“ notwendig, sprich ein umfassendes Konzept, das über Allach und Karlsfeld hinausgreift. Vielen Kommunalpolitikern sei gar nicht bewusst, wie es ist, sagt Hainer.

Die Kommunalpolitiker in Karlsfeld kann Hainer damit nicht meinen. Mit möglichen Verbesserungen der Verkehrssituation gerade im Bahnhofsbereich befasst man sich in Karlsfeld schon lange. Auch in Sachen Tunnel-Sanierung wird Karlsfeld aktiv. „Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um die Auswirkungen der Sanierung auf Karlsfeld so gering wie möglich zu halten“, sagte Bernd Wanka gestern. Der CSU-Gemeinderat ist Verkehrsreferent der Gemeinde. Im Rathaus wird gerade geprüft, inwieweit Karlsfeld noch im Rahmen des laufenden Planfeststellungsverfahrens tätig werden sollte. Die Tunnelsanierung sei notwendig, räumt Wanka ein, „aber die Belange der Gemeinde Karlsfeld müssen berücksichtigt werden“.

Schon jetzt sind die Straßen im Bereich von Hainers Wohnhaus zu Stoßzeiten dicht, vor allem morgens. „Da warten wir Anwohner 15 bis 20 Minuten in unseren Ausfahrten, bis wir überhaupt in den stehenden Verkehr bis zur Ampel vorgelassen werden“, klagt Hainer. Dieses „Vergnügen“ kennen auch alle, die zur Hauptverkehrszeit von der Birkenstraße in Karlsfeld in die Eversbuschstraße abbiegen wollen.

Westlich der Bahn sind in Karlsfeld in den vergangenen Jahren Hunderte neue Wohneinheiten entstanden, In Allach kommt neben der Hirmerei noch das Großprojekt Diamaltgelände dazu und in unmittelbarer Nähe in der Gerberau ein weiteres üppiges Bauvorhaben. Diese enorme Innenverdichtung bringt enormes weiteres Verkehrsaufkommen mit sich.

Und jetzt noch der Tunnel. Vermutlich 2022 soll die Sanierung beginnen. In dem 1998 eröffneten und einen Kilometer langen Tunnel werden unter anderem die Betriebstechnik und die Entwässerungsanlagen erneuert sowie vor allem durch Streusalz verursachte Schäden beseitigt. Allein für die Arbeiten im Tunnel hat die Autobahndirektion fünf Jahre veranschlagt. Eine der beiden Tunnelröhren wird jeweils gesperrt. Das heißt: Der komplette Verkehr wird über die andere Röhre abgewickelt. Nachts soll der Tunnel zeitweise sogar komplett gesperrt werden.

Die A 99 wird im Bereich des Allacher Tunnels im Schnitt von 320 000 Fahrzeugen befahren – täglich. Der Ausweichverkehr drängt auf das umliegende Straßennetz, vom Mittleren Ring in München bis zur B 471, auf die Eversbuschstraße, auf die Bayernwerkstraße, auf die ohnehin heillos überlastete Münchner Straße in Karlsfeld.

„Die Eversbuschstraße wird diese zusätzliche Aufgabe nicht stemmen können“, ist Hainer überzeugt. Der Familienvater sorgt sich nicht nur um weitere Belastungen durch Lärm und Abgase, sondern auch um die Sicherheit von Radfahrern und Fußgängern. Denn auf der Eversbuschstraße fehlen mitunter Radwege, durchgängige Fußwege auf beiden Straßenseiten und Fußgängerüberwege. Für Hainer schlicht „ein blanker Skandal“.

Einwendungen

Die Planfeststellungsunterlagen für die Baumaßnahmen auf der A 99 können noch bis Montag, 1. März, im Planungsreferat an der Blumenstraße 28b in München oder im Internet unter www.tunnel-allach.de angesehen werden. Bis 15. März sind schriftliche Einwendungen möglich.

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