Streit um Grundwasserentnahme durch die MAN

„In Zukunft genauer hinschauen“

Das von der Firma MAN zum Kühlen genutzte Grundwasser schlug im Karlsfelder Gemeinderat hohe Wellen. Bernd Rath (Bündnis für Karlsfeld) und Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) gerieten aneinander.

Karlsfeld – Von einer „unverschämten Wortwahl“ Raths sprach Kolbe, wenn dieser ihm und der Verwaltung unterstelle, die Anfrage der Bündnis-Fraktion zum Grundwasser würde deshalb nicht beantwortet, weil es sich um eine kleine Fraktion handle (wir berichteten).

„Das ist ein starkes Stück“, schimpfte der Bürgermeister sichtlich aufgebracht. Stefan Theil (CSU) sprang Kolbe bei und sprach von einer unerträglichen „ständigen Gängelung der Verwaltung durch die Bündnis-Fraktion“.

Das wiederum brachte Bernd Rath auf die Palme. „Ich mische mich nie in Verwaltungs-Angelegenheiten ein. Das ist eine Frechheit. Ich habe die Verwaltung am 20. Juni um Auskunft gebeten, aber es gab keine Reaktion. Erst als die Bürger auftraten, geschah etwas.“ Das hätte man schon früher im Gemeinderat behandeln müssen, so Rath. Tatsächlich wurde das Thema acht Tage später in der Juni-Sitzung des Gemeinderats mündlich behandelt.

Die Landeshauptstadt habe bei den Vorgängen eine aktive Information vermissen lassen. Doch beim Grundwasser seien alle Karlsfelder betroffen. „Hier ist sehr viel von Verfahrensfragen die Rede, aber inhaltlich kam wenig“, sagte Wolfgang Offenbeck (CSU). „Jeder Zentimeter Hochwasser ist einer zu viel.“ Wenn die Gemeinde keine Handhabe für ihre Klage haben sollte, regte Offenbeck an, die Bürger bei ihren Klagen zu unterstützen.

Aber das sei für Privatleute aussichtlos, wandte Jakob Stärk von der Bürgerinteressengemeinschaft (BI) Grund- und Hochwasser Karlsfeld in einem Gespräch mit unserer Zeitung ein. Denn eine Klage ohne ein mindestens 50 000 Euro teures Gegengutachten sei zwecklos. Kolbe erklärte, er würde die Bürger gerne unterstützen. Aber bislang sei noch nicht klar, ob die Gemeinde nicht doch mit Aussicht auf Erfolg klagen könne.

Er berichtete von einem Gespräch vom Vortag in München, an dem das Referat für Umwelt und Gesundheit der Landeshauptstadt, das Wasserwirtschaftsamt München, das Landratsamt Dachau und die Gemeinde Karlsfeld teilgenommen hatten. Dort habe sich die Stadt München betroffen gezeigt, welche Folgen das Abpumpen in Allach und das Wiedereinspeisen des Grundwassers an der Karlsfelder Gemeindegrenze für die Gemeinde habe.

Die Vorgänge erläuterte Stärk so: Unter Karlsfeld läuft ein unterirdischer Fluss ähnlich der Isar. Durch das Abpumpen in Allach entstehe ein Trichter, in den von allen Seiten Grundwasser nachfließt. Wenn MAN die knapp zehn Millionen Kubikmeter um sechs Grad erwärmtes Kühlwasser durch die 19 Schluckbrunnen bei Karlsfeld zurückpumpe, entstehe dadurch im Erdreich ein so genannter Wasserberg. Der könne den Grundwasserspiegel schlimmstenfalls um zehn bis 50 Zentimeter ansteigen lassen. Dazu kämen noch die Kühlwassermengen, die Nachbar MTU aus der gleichen Grundwasserschicht abpumpe und wieder einspeise. Wenn dann ein Dauerregen wie kürzlich dazukomme, sei die Katastrophe für Karlsfeld perfekt.

Ein Frühwarnsystem und Pegelmessungen brachte Peter Neumann (Bündnis) ins Spiel. Damit, so die stellvertretende Karlsfelder Bauamtsleiterin Simone Hotzan auf DN-Nachfrage, könne man ja dann auf MAN einwirken, das Abpumpen einzuschränken oder kurzzeitig einzustellen. Doch Stärk hielt dem entgegen, dass sich die Folgen immer erst mit einem Tag Verspätung einstellten. Und dann seien die Keller schon überschwemmt.

Kolbe schlug vor, das Grundwasser nicht im Norden an der Gemeindegrenze zurückzuspeisen, sondern im Süden bei Allach. Eine andere Idee hat Roland Beyer. Er schlägt vor, MAN und die Gemeinde sollten das erwärmte Kühlwasser in Rohren ins Gebiet jenseits des Schwarzhölzls bei der Ruderregattastrecke transportieren. Denn Bauern aus diesem Bereich klagten über Wassermangel.   

Viele Karlsfelder haben ein Problem mit dem Wasser, so wie Günther Freiss aus der Krenmoosstraße. In seinem 50 Jahre alten Haus habe es nie Hochwasser gegeben. Aber in den vergangenen Jahren ständig. Richtig aufgebracht ist Jakob Stärk: Er würde sich gerne einmal den Gutachter der Firma Knorr vornehmen, der Karlsfeld als ländliches, landwirtschaftlich genutztes und nicht städtisch verdichtetes Gebiet bezeichnet hatte. Dabei habe Bürgermeister Kolbe doch gesagt, die Firma Knorr kenne die Karlsfelder Situation. Da sei es nur darum gegangen, das für MAN so geräuschlos wie möglich unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bühne zu bekommen.

Die Stadt München habe alles nur ans Wasserwirtschaftsamt, die Gemeinde Karlsfeld und das Landratsamt weitergeleitet und letztlich, als keine Einwände kamen, den Genehmigungsbescheid erteilt.

In der Gemeinderatssitzung wies Stefan Theil darauf hin, dass die Genehmigung nur unter der Auflage erteilt wurde, dass es keine Auswirkungen auf das Karlsfelder Grundwasser gebe. In der Bürgerfragestunde forderte Elfriede Leukhart, in Zukunft müsse die Gemeindeverwaltung speziell bei Großfirmen genauer hinschauen. Das versprach Bürgermeister Kolbe.

rds

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