Familie, Hühner
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Familienidylle: Sonja und Markus Thiel und Sohn Philipp fingen mit ein paar Zwerghühnern und drei Eiern pro Woche an – inzwischen leben 220 Hühner in dem mobilen Hühnerstall auf dem Bachlhof an der B304 in Karlsfeld.

Familie Thiel verkauft Eier - und Vieles mehr

Hühner-Paradies an der B304

220 Hühner leben in Karlsfeld an der B304. Familie Thiel vom Bachlhof halten die Tiere im mobilen Hühnerstall. Die Eier und viele weitere Produkte gibt es im ersten Regiomaten in Karlsfeld zu kaufen, den die Familie aufgestellt hat.

Karlsfeld – Saftig grüne Wiesen, Gebüsch zum Verstecken, Erde zum Scharren, ein Stall zum Schlafen – den Hühnern der Thiels scheint es gut zu gehen. Diese Idylle ist nicht irgendwo im Dachauer Hinterland zu finden, sondern in Karlsfeld parallel zur viel befahrenen B304. Hier leben Sonja und Markus Thiel mit Sohn Philipp, Markus’ Eltern, Großvater und Hühnern sowie weiteren Tieren wie Ziegen und zwei Esel.

Auf sich aufmerksam machen sie seit Mai mit einem „Regiomat“, der von der B304 aus gut sichtbar ist. Im Automaten, der erste seiner Art in Karlsfeld, gibt es die Eier und vieles mehr. Eine Erfolgsgeschichte.

Auch der Jüngste hilft schon mit: Philipp (2) sortiert ein Ei vorsichtig in den Karton.

Seit 2004 leben die Thiels an der Reschenbachstraße 100. Tiere gab es hier schon immer, auch Hühner. „Hier habe ich angefangen, als Hobby Zwerghühner zu halten und zu züchten. Das hat aber wegen meines Ingenieur-Studiums pausiert“, erzählt der heutige Konstrukteur. Als wieder mehr Zeit zur Verfügung stand und die damalige Freundin und heutige Ehefrau Sonja mit neuen Hühnern einverstanden war, gab es 2017 erneut Zwerghühner. „Die waren aber ständig am Brüten, und die drei Eier in der Woche haben nicht gereicht für den Eigenbedarf“, erzählt Sonja Thiel.

Also kamen schnell Legehennen dazu, ein weiterer Stall und dadurch auch mehr Eier. „Nun hatten wir so viele Eier, dass wir unseren Eltern, Bekannten und Nachbarn welche geschenkt haben“, erzählt der 34-Jährige weiter. Schon da merken die beiden, dass ihr Produkt aus Karlsfeld gut ankommt. Also kauften sie weitere Hühner hinzu, sodass sie 2019 anfingen, ihre Eier vor dem Gartentor im Bollerwagen zu verkaufen, wo viele Radler und Spaziergänger vorbeikommen. „Es gab dann eine Zeit im Sommer, da waren wir zwei Wochen im Voraus ausverkauft“, erinnert sich die 28-Jährige. Corona habe ihnen da in die Karten gespielt.

Es kam der Zeitpunkt, an dem sie sich die Frage stellten: „Entweder lassen wir das Ganze nun bleiben oder wir geben Vollgas“, erzählt Markus. Sie gaben Gas: Die Thiels kauften einen Automaten für den Verkauf, bestellten einen mobilen Hühnerstall, holten noch mehr Hühner, richteten eine Internetseite ein, entwarfen ein Logo, druckten Visitenkarten. Nun leben im mobilen Stall, der alle zwei Wochen verschoben wird, 220 Hühner, im zweiten, alten Stall leben die 160 älteren Hühner.

Der Hof, der vorher namenlos war, erhielt den Namen Bachlhof. „Ich weiß, dass die Wiese vom ersten Grundstücksbesitzer Bachlwiese hieß, deshalb der Name“, erklärt Markus Thiel. So ist aus dem einstigen Hof ein Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb geworden. „Das funktioniert nur miteinander“, sagen beide. Denn Markus arbeitet weiter Vollzeit, und Sonja ist Vollzeit-Mutter. So hat jeder seine festen Aufgaben: „Markus organisiert, verhandelt und designt, ich mache hauptsächlich die Verkaufstätigkeiten, packe und etikettiere“, zählt die gelernte Einzelhandelskauffrau auf. Auch der fast zweijährige Philipp geht immer mit zum Stall und weiß genau, wo die Eier zu finden sind. Die Großeltern greifen unter die Arme, indem sie mal auf den Kleinen aufpassen.

Im Automaten gibt es mittlerweile auch Nudeln aus den Bachlhof-Eiern, Grillfleisch von Wallners Putenhof, Honig von Imker Sebastian Fritz, dessen Bienen auf dem Grundstück der Thiels platziert sind, und sogar Limonade. „Wir glauben, das Konzept kommt deshalb so gut an, weil das Bewusstsein für die Tiere steigt. Leute wollen Eier von Hühnern essen, denen es gut geht. Und hier sehen sie, dass die Tiere wirklich in Freilandhaltung gehalten werden.“ Die Haltung erfülle sogar fast alle Bio-Standards. So hält er beispielsweise im mobilen Stall 220 statt 250 Hühner. Doch das teure Siegel wollen sie sich nicht leisten. „Die Bürokratie war bis hier her schon enorm“, erzählt Markus auch von den Schwierigkeiten.

Doch all die Mühe lohne sich: „Es ist das Schönste, zu merken, dass das, was man tut, wertgeschätzt wird und ankommt.“ Das nächste Projekt haben die Thiels schon in der Mache: eine Industrieküche, um irgendwann vielleicht auch Eierlikör oder Spätzle anbieten zu können.

Miriam Kohr

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