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Eingetaucht in die Historie der Gewässer: Kuratorin Ilsa Oberbauer und Horst Pajung, der die Exponate und Dokumente zusammengetragen hat. 

Neue Sonderausstellung im Heimatmuseum Karlsfeld

Wasser erzählt Geschichten

Wasser erzählt Geschichten, zumindest in den kommenden Wochen im Karlsfelder Heimatmuseum. Die Sonderausstellung „Alles fließt“ dort verrät nicht nur viel über die Gewässer in der Gemeinde, sondern eröffnet auch Kurioses – wie den Besuch eines Schlagerstars und das Schicksal einer Panzerechse.

Karlsfeld – Unzählige Stunden hat Horst Pajung in den vergangenen zehn Jahren investiert. Ist buchstäblich eingetaucht in die Historie, hat in Archiven gestöbert und aus Dokumenten, Protokollen, Zeitungsartikeln und sogar einer Diplomarbeit zusammengetragen, was über Seen, Bäche, Weiher und Tümpel, aber auch über Wasserwerk und Kläranlage in Karlsfeld zu finden ist. Jetzt steht er im Sonderausstellungsraum des Heimatmuseums inmitten von Fotos, Dokumenten, Modellen und Plänen und sagt: „Bei uns gibt es Gewässer an allen Ecken.“

Rund 40 sind es. Und damit ziemlich genau 40 mehr als Mitte des 19. Jahrhunderts. Um die paar Höfe, die damals Karlsfeld waren, erstreckte sich eine weite Moorlandschaft – ohne Seen und Weihern. „Die Karlsfelder Gewässer sind zu 100 Prozent in den vergangenen 150 Jahren entstanden oder seither zumindest verändert worden“, sagt Pajung. Sie seien also keineswegs als Zeichen für eine ursprüngliche Landschaft zu verstehen.

Der Mensch griff aus den unterschiedlichsten Motiven ein. Am Anfang war es der herrschaftliche Wille zur Gestaltung und Repräsentation, der die bayerischen Herzöge und Kurfürsten dazu veranlasste, ohne Rücksicht auf natürliche Gegebenheiten Kanäle durch die Landschaft zu bauen. Später zogen Siedler Netze von Entwässerungsgräben durch die weite Mooslandschaft.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es sogar einen Bahnhof namens „Bad Karlsfeld“, weil nebenan an der Würm Gäste in einer Badeanstalt planschten (und so manchen Moralapostel verstimmten). Und in den folgenden Jahrzehnten wurden Bäche für die Stromerzeugung aufgestaut, Gewässer für den Bau von Industrieanlagen verlegt, entstanden Seen zur Kiesgewinnung.

So auch der Karlsfelder See. Sein berühmtster Badegast ist selbstverständlich auch Bestandteil der Ausstellung: Emil, ein Alligator, tauchte ab und nie wieder auf, als ihn sein Herrchen an einem Sommertag 1967 mit zum Schwimmen nahm. Ganz Deutschland kannte diese Geschichte.

Zumindest bayernweit gab es Schlagzeilen, als vier Karlsfelder zwei Jahre nach Emils Ende eigenhändig eine Brücke über den Moosbach bauten, um ihren Frauen den Weg zum Einkaufen zu verkürzen. Die halbwegs offizielle Einweihung nahm Schlagerstar Peggy March vor, und so heißt die Brücke halt Peggy-March-Brücke.

Die Eröffnung findet am Sonntag, 21. Mai, um 14 Uhr im Museum im Alten Rathaus an der Gartenstraße statt. Danach ist „Alles fließt! – Die Geschichte der Gewässer in Karlsfeld“ jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet, zusammen mit den Dauerausstellungen „200 Jahre Karlsfeld“. Zur Ausstellung ist ein Begleitheft erschienen. tol

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