Gewerbegebiet und Grünflächen: So sieht das Grundkonzept aus.  Foto: Gemeinde Karlsfeld
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Gewerbegebiet und Grünflächen: So sieht das Grundkonzept aus. Foto: Gemeinde Karlsfeld

Fachbüro soll Bebauungsplan für Gewerbegebiet an der Schleißheimer Straße entwickeln

Jetzt wird es konkret

Es war ein jahrelanger Streitfall in Karlsfeld: das Gewerbegebiet südlich der Schleißheimer Straße an der Grenze zu Dachau. Jetzt wird ein maßgeblicher Schritt zur Verwirklichung vollzogen.

Karlsfeld – Es war ein jahrelanger Streitfall in Karlsfeld: das Gewerbegebiet südlich der Schleißheimer Straße an der Grenze zu Dachau. Jetzt wird ein maßgeblicher Schritt zur Verwirklichung vollzogen. Der Gemeinderat beschloss am Donnerstag mehrheitlich, dass ein Planungsbüro für die Erstellung eines Bebauungsplans gesucht werden soll.

Grundlage des Bebauungsplans soll der Konzeptentwurf sein, den das Planungsbüro Topos vor einigen Jahren erarbeitet hat. Das Büro existiert inzwischen nicht mehr. Bürgermeister Stefan Kolbe betonte in der Sitzung am Donnerstag mehrfach, dass der Entwurf nur als Grundlage diene und der Gemeinderat sämtliche Details und Fragen im Bebauungsplanverfahren behandeln werde.

Das Gewerbegebiet wird 7,2 Hektar groß. Hinzu kommen Grünflächen im Osten des Gebiets, insgesamt etwa 14 Hektar.

Die Idee, unmittelbar an der Grenze zur Stadt Dachau auf gemeindeeigenem Grund ein Gewerbegebiet zu entwickeln, ist mehr als zehn Jahre alt. Doch der Standort im Grünzug war umstritten. In einem Ratsbegehren wurde 2010 die Karlsfelder Öffentlichkeit befragt, die Mehrheit sprach sich gegen ein Gewerbegebiet an dieser Stelle aus. Bürgermeister Stefan Kolbe sicherte damals zu, dass der Standort damit vom Tisch sei.

2015 wurden die Flächen an der Schleißheimer Straße jedoch wieder aktuell. Karlsfelder Bürger hatten sich in einem Arbeitskreis mit potenziellen Gewerbestandorten in Karlsfeld befasst. Ergebnis: Es gebe keinen besseren Standort.

Die Bürgerinitiative Grünzug Karlsfeld+Dachau trat schon seit Jahren für den Erhalt des Grünzugs zwischen beiden Kommunen ein. Der Grünzug diene der Kaltluftproduktion, stelle einen wichtigen klimatischen Entlastungsbereich dar. Auch das Bündnis für Karlsfeld blieb bei seinem strikten Nein zu diesem Gewerbegebiet. Zwischenzeitlich wurde auch eine Bürgerinitiative „Pro Gewerbe“ gegründet, die für den Standort eintrat.

Hauptargument der Befürworter: Die Gemeinde Karlsfeld benötige dringend mehr Einnahmen über die Gewerbesteuer, um handlungsfähig zu bleiben. Peter Freis, Wirtschaftsförderer im Rathaus, berichtete zudem mehrfach von vielen Anfragen von Karlsfelder Unternehmen, die sich am Ort vergrößern wollten, er aber mangels Standortmöglichkeiten keine Flächen anbieten könne. Es sei zu befürchten, dass Unternehmen aus Karlsfeld abwanderten.

Vor fünf Jahren im September fand eine denkwürdige Sitzung statt. In seltener Einigkeit sprach sich der Gemeinderat dafür aus, das Gebiet westlich der Bajuwarenstraße bis zum Karlsfelder See vor weiterer Bebauung schützen und als Landschaftsschutzgebiet ausweisen zu lassen – insgesamt 140 Hektar. Unstrittig schien, dass das Landschaftsschutzgebiet vor allem als Ausgleich zum geplanten Gewerbegebiet entstehen soll. Ob dieser Beschluss tatsächlich als Kompromiss zu verstehen war oder nicht, war später Gegenstand weiterer Auseinandersetzungen, vorwiegend zwischen CSU und SPD auf der einen und dem Bündnis auf der anderen Seite.

Mit dem Beschluss vom vergangenen Donnerstag wird das Projekt „Gewerbe an der Schleißheimer Straße“ konkret. Bündnis-Gemeinderätin Mechthild Hofner beklagte noch einmal den „enormen Eingriff in die Ökologie“. Den Beschluss, die Verwaltung solle ein Planungsbüro suchen, trug sie nicht mit. Auch Heike Miebach und Cornelia Haberstumpf-Göres (beide Grüne) stimmten dagegen.

Thomas Leichsenring

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