Sie kamen, tanzten und siegten

Karlsfeld - Sie kamen in bunten Kleidern und Fracks. Sie kamen von weit her, um im Karlsfelder Bürgerhaus mit dabei zu sein. Denn dort ging es am Wochenende zum 29. Mal um den Wanderpokal, der dem Ehepaar Galke gewidmet ist. Sie alle kamen, um zu siegen - und zwar tanzend.

Auf der Tanzfläche gelten andere Regeln, als im Alltag. Dort blicken sich Paare nicht tief in die Augen, dort gibt es keine kleinen Pausen. Dort geben noch die Männer die Richtung vor. Alles muss leicht aussehen, jede Bewegung muss fließen - dann sind echte Profis auf dem Parkett.

Das Tanzturnier in Karlsfeld

Das Tanzturnier in Karlsfeld

Das Tanzturnier in Karlsfeld
Das Tanzturnier in Karlsfeld
Das Tanzturnier in Karlsfeld
Das Tanzturnier in Karlsfeld
Das Tanzturnier in Karlsfeld

Mehr als 20 Tanzpaare haben im Karlsfelder Bürgerhaus bewiesen, dass Tanzen nichts für Langweiler ist - und nicht nur etwas für junge Leute. „Tanzen kann man, so lange man laufen kann“, sagt Christiane Klempfner von Blau-Gold-Casino München, dem Tanzverein, der das Turnier jedes Jahr ausrichtet. Heuer bereits zum 29. Mal. Der Preis für das Siegerpaar in der S-Klasse, der höchsten Klasse im Amateurtanzsport, ist jedes Mal derselbe: der Horst und Ilse-Dore Galke Gedächtnis-Wanderpokal.

Das Karlsfelder Ehepaar gründete den Tanzsportclub 1948 und war in der Nachkriegszeit maßgeblich an der Entwicklung des Tanzsports in Bayern beteiligt. An sie erinnert der große goldene Pokal, der nach jedem Turnier für ein Jahr im Wohnzimmer des Siegerpaares stehen darf. Bis Sonntag bei Udo John und Ursula Lauer in München.

Heuer machten drei Paare den Kampf um den Pokal unter sich aus: Johanna und Haimo Arnold aus Linz, Beate und Peter Louis aus Holzkirchen sowie Monika und Günther Färber aus Karlsfeld. Sie alle wurden von einer fünfköpfigen Jury nach Taktgefühl, Technik und Haltung beurteilt. Egal, ob Tango, Quick Step oder Walzer - es war keine leichte Entscheidung. Alle Paare verstanden die Kunst, sich Platz zu schaffen, schwere Schrittkombination furchtbar leicht aussehen zu lassen und sich in perfekter Harmonie übers Parkett zu bewegen.

Das, was so leicht aussieht, ist in Wirklichkeit „Leistungssport erster Güte“, sagt Christiane Klempfner. „Anderthalb Minuten Quick Step sind etwa ein 800-Meter-Lauf.“ Und bei einem Wiener Walzer stehen besonders den Männern nicht selten die Schweißperlen auf der Stirn. „Der ist technisch am anspruchvollsten“, erklärt Klempfner. Schwierig ist es schon allein , die Schrittfolgen ohne Musik zu beherrschen. Bei Turnieren geht es allerdings auch noch um den richtigen Takt. „Mit Musik - das ist Tanzen unter erschwerten Bedingungen“, scherzt die Karlsfelderin.

Die drei S-Klasse-Paare können mit diesen erschwerten Bedingungen hervorragend umgehen. Vor allem das Ehepaar Louis, das sich den Wanderpokal nach Hause holt. „Ehepaare harmonisieren eben am allerbesten“, glaubt Christiane Klempfner. „Die riechen einfach, was der andere als nächstes tut.“ Und selbst wenn es mal Streit gibt, ist das kein Hindernis. „Beim Tanzen muss man sich schließlich nicht anschauen.“

(kwo)

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