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Cornelia Siuda (Experti n für Moorrenaturierung), Robert Völkl von der Unteren Naturschutzbehörde der Landeshauptstadt München und Diplom-Geograph Andreas Bürger, er ist Projektmanager von „Neues Leben im Dachauer Moos“ (v.l.).

An der ehemaligen Saubachquelle entsteht ein außergewöhnliches Feuchtbiotop

Kleine Wiese, kleines Moor

An der ehemaligen Saubachquelle entsteht ein außergewöhnliches Feuchtbiotop

Karlsfeld – In Kriminalromanen und Filmen bilden Moore oft eine gruselige Kulisse. Ein Schritt weiter – und der Morast verschlingt einen unwiederbringlich. Moorleichen finden sich dort zuhauf, Morde kann man dort demnach besonders effektiv begehen. Dazu kommen mystische Vorstellungen über Jahrhunderte hinweg von lockenden Irrlichtern und Fabelwesen.

In alten Karten ist auch das Dachauer Moor, das „Moos“, mit großem Wasserreichtum verzeichnet, mit vielen Quellen und Bächen. Heute zeigt sich die Landschaft völlig verändert. Einen Morast, in dem man versinken könnte, gibt es nicht im entferntesten. Im Gegenteil: Mühsam versuchen jetzt Naturschützer, wenigstens kleine Teile wieder zu „vernässen“, wie sie es nennen. Aber auch die vielen Maisfelder unterhalb des Schwarzhölzls zeigen: Hier sind die einst trocken gelegten Böden in den vergangenen Jahrzehnten landwirtschaftlich intensiv ausgenutzt worden.

Mit dem Projekt „Neues Leben im Dachauer Moos“ soll die Artenvielfalt gefördert werden. Beteiligt sind der Verein Dachauer Moos, der Landschaftspflegeverband Dachau, die Landeshauptstadt München, die Kreisstadt Dachau und die Gemeinde Karlsfeld. Auf einem Stück Ackerland, das Karlsfeld gekauft hat, soll eine blühende Wiese entstehen und gleichzeitig ein kleines Stück „Vermoorung“ versucht werden. Es ist das Gebiet um die ehemalige „Saubachquelle“. Es liegt im Krenmoos östlich vom Wasserwerk, in der Nähe des Koller-Weihers.

Cornelia Siuda (Experti n für Moorrenaturierung), Robert Völkl von der Unteren Naturschutzbehörde der Landeshauptstadt München und Diplom-Geograph Andreas Bürger, er ist Projektmanager von „Neues Leben im Dachauer Moos“ (v.l.).

Das Münchner „Büro für ökologische Feldforschung, Naturschutz und Landschaftsplanung“ (FNL) begleitet das Projekt. Projektbetreuer ist der Diplom-Geograph Andreas Bürger. Finanziert wird es zu 90 Prozent vom bayerischen Klimaschutzprogramm.

Die umfangreichen Erdarbeiten mit dem wendigen Ketten-Dumper wurden von der Firma ABE (Allgäuer BioEnergie) ausgeführt. Dabei wurde für die Quellmulde fast ein Meter tief gegraben. Die Kiesschicht wurde ausgehoben, bis das Grundwasser aufstieg. Anschließend wurde die Mulde mit organischem Boden aufgefüllt. „So entsteht ein unterschiedlich feuchtes Gebiet, je nach Regenstand“, erläutert Naturschützer Daniel Stöckel, der sich ehrenamtlich stark für das Schwarzhölzl engagiert. „Das schwankt wie bei Ebbe und Flut.“

Im Oktober wird fruchtbares Mähgut aufgetragen und soll die Grundlage bilden für eine reichlich blühende Wiese – umgeben von Maisfeldern daneben und davor. „Damit haben wir wieder eine Fläche, die ein Schutz gegenüber der intensiven Landwirtschaft ist“, erläutert Stöckel.

Das Mähgut stammt aus fünf verschiedenen Flächen im Schwarzhölzl, darunter die Dannerwiese. Es wird dann, wenn die einjährigen Pflanzen verblüht sind und Samen gebildet haben, sowohl auf dem Kiesstreifen als auch auf dem organischen Boden aufgetragen. Der Kies konnte aus Kostengründen nicht weggefahren werden, so Andreas Bürger. „Aber das macht nichts“, sagt Stöckel, „die wertvollen Magerpflanzen mögen den Kies.“

Man darf gespannt sein, welche Vielfalt in den nächsten Jahren auf diesem einstigen Acker wächst. Und für die „Moosquelle“ ist Andreas Bürger zuversichtlich: „Das sieht gut aus.“

Elfriede Peil   
     

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