+
Königssohn, Feldherr, Wohltäter, Namensgeber: Karl Theodor. Links ein Ölporträt von Joseph Bernhardt, rechts eine Zeichnung von Josef Hauber (1800).

Blick zurück in Karlsfeld

Der Namensgeber von hoher Geburt: Prinz Karl Theodor

Karlsfeld ist vergleichsweise jung. Vor gut 200 Jahren erst siedelten die ersten Menschen dort am Südrand des Dachauer Mooses. Namenspatron war ein Prinz.

Karlsfeld – Karlsfeld ist vergleichsweise jung. Vor gut 200 Jahren erst siedelten die ersten Menschen dort am Südrand des Dachauer Mooses. Unter Kurfürst Max IV. Joseph, dem späteren König Max I. Joseph, wurde die Trockenlegung soweit fortgeführt, dass an der Straße nach Dachau 1802 drei Siedlungen errichtet werden konnten: Ludwigsfeld, Augustenfeld – und Karlsfeld.

Die Namen waren nicht willkürlich gewählt. Ludwigsfeld wurde nach Max Josephs ältestem Sohn benannt, dem späteren König Ludwig I. (1786 - 1868); Augustenfeld nach der ältesten Tochter Augusta (1788 - 1851). Und Karlsfeld nach dem zweitältesten Sohn Karl Theodor (1795 - 1875). Karl Theodor erblickte heute vor 225 Jahren das Licht der Welt.

Der Landrichter Johann Theodor Lippert aus Dachau kümmerte sich damals um die Siedlungen. Zahlreich waren die Anmeldungen von Siedlungswilligen, auch Württemberger und Lothringer wollten sich dort niederlassen. Ein großer Teil der Siedler kam aus dem Bayerischen Wald. Am 11. August 1802 notiert ein Amtsschreiber: „Die Ansiedler vom Bayerischen Wald waren vorzüglich willkommen, weil sie sich gegenüber den anderen Ansiedlern von anderen Orten durch besondere Arbeitsamkeit und vollends ruhigem Verhalten ausgezeichnet haben.“

Der Grundstein zum ersten Haus war am 20. März 1802 gelegt worden. Im September 1802 waren in den drei neuen Orten Ludwigsfeld, Karlsfeld und Augustenfeld 36 Häuser fertig, in Karlsfeld selbst standen 1803 14 Häuser.

Schön oder gar idyllisch waren die Siedlungen wohl nicht. In einem Schreiben der Finanzbehörde ist von einer „großen, sterilen und für das Auge des Reisenden abschrökenden Gegend“ zu lesen.

Zur Namensgebung hieß es in einem amtlichen Schreiben vom 15. September 1802: „Auf Anfrage, wie die Ansiedlung am Würmkanal benannt werden solle, haben seine churfürstliche Durchlaucht den Namen Karlsfeld auszusprechen geruhet, mithin dieser Name durch aufzustellende Tafeln auf Landstraße bekannt gemacht werden solle.“ Drei Tage später wurde dies den Siedlern mitgeteilt. „Großes Vergnügen“ hätten sie gefühlt, weil ihr Ort nach einem Prinzen benannt worden war.

Das Leben damals Anfang des 19. Jahrhunderts war jedoch alles andere als ein Vergnügen. „In den ersten Jahren, die von Missernten, Bodenfrösten, Wildschäden durch Hirsche und Überschwemmungen gekennzeichnet waren, wechselten die Höfe häufig ihre Eigentümer“, schreibt Ilsa Oberbauer in ihrem Buch „200 Jahre Karlsfeld“. „Diebstähle und Reibereien waren an der Tagesordnung.“

Und es waren Kriegsjahre. 1806 requirierten Napoleons Soldaten bei ihrem Einmarsch das Saatgut, Heu und Kartoffeln. „Unser Elend ist ohne Grenzen“, klagte einer dieser ersten Karlsfelder, „das Geschrei der Kinder ist nicht länger auszuhalten“.

Die Bodenverhältnisse und die begrenzten technischen Möglichkeiten erlaubten den Bauern nur ein karges Einkommen. Für andere Berufe war das junge Karlsfeld wegen seiner geringen Größe lange Zeit uninteressant. 1814 sind unter den 14 Familien nur ein Uhrmacher, ein Wagner und ein Bierschenk genannt.

Die Kindersterblichkeit war enorm. „Es gab Familien mit bis zu 15 Kindern“, schreibt Ilsa Oberbauer, „davon überlebten oft nur fünf oder sechs die ersten Jahre.“ Frauen starben häufig im Kindbett, so musste sich der Witwer nach einer neuen Hausfrau umsehen, die die Familie versorgte.

Karlsfeld wuchs nur sehr langsam. 88 Einwohner zählte der Ort 1867, 97 waren es 1875, wie eine Volkszählung ergab.

Nicht nur Menschen wurden da gezählt, sondern auch Tiere. Besonders wertvoll: Pferde (31 waren es in Karlsfeld 1875). Welchen Stellenwert sie hatten, unterstreicht ein Sprichwort: „Weiberschderm koa Verderm, Roßvaregga, Bauernschrecka.“

Auch für Namensgeber Karl Theodor waren Pferde das pure Glück, wenngleich aus ganz anderen Gründen. Sein Wunsch soll es gewesen sein, nach dem Ableben mit einem Ross in den Himmel reiten zu dürfen. Am 16. August 1875 stürzte der Prinz bei einem Ausritt nahe Rottach am Tegernsee. Er erlag noch vor Ort seinen schweren Verletzungen. Sein Pferd musste erschossen werden.    

Karl Theodor war auch Feldherr, kommandierte große Truppenteile im Deutschen Krieg 1866. Die Erfolge sollen jedoch bescheiden gewesen sein.

Ein glühender Krieger dürfte Karl Theodor ohnehin nicht gewesen sein. Im Gegenteil. Der Mann, dem Karlsfeld seinen Namen verdankt, war ein großer Wohltäter, der viel für Waisen, Witwen und Arme tat.

mm

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

9,5-Millionen-Euro-Projekt „im Plan“
Im Erweiterungsbau der Grundschule Petershausen muss in den kommenden Wochen noch letzte Hand angelegt werden, aber bis zum Start des neuen Schuljahrs am 8. September …
9,5-Millionen-Euro-Projekt „im Plan“
Abschied nach 27 Jahren Seelsorge in Tandern
Am 31. August geht für Pfarrer Paul Riesinger die Zeit als Seelsorger in der Pfarreiengemeinschaft Tandern zu Ende.
Abschied nach 27 Jahren Seelsorge in Tandern
Fleisch aus der „Genussregion Ampertal“ soll zur Marke werden
Das Metzger-Logo der Innung soll künftig ein „M“ statt ein „F“ zieren. Denn der Begriff Fleischer werde in Bayern nicht verwendet.
Fleisch aus der „Genussregion Ampertal“ soll zur Marke werden
Mehr Vernetzung für Selbsthilfe im Landkreis Dachau
Das Selbsthilfezentrum München hatte in Kooperation mit der Gesundheitsregion Plus Landkreis Dachau im Haus der Begegnung in der Dachauer Altstadt erstmals zum …
Mehr Vernetzung für Selbsthilfe im Landkreis Dachau

Kommentare