Rückzug aus Karlsfeld: Bernhard Goodwin.
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Rückzug aus Karlsfeld: Bernhard Goodwin.

Lebensmittelpunkt nicht in Karlsfeld

Bernhard Goodwin lehnt Mandate für Gemeinderat und Kreistag ab 

Bernhard Goodwin war der Bürgermeisterkandidat für die Karlsfelder SPD. Er scheiterte, doch jetzt möchte er seine Mandate für Kreisrat und Gemeinderat ablehnen.

  • Letztes Jahr hat die Karlsfelder SPD einen Unbekannten ums Bürgermeisteramt ins Rennen geschickt. 
  • Bei der Wahl scheiterte Bernhard Goodwin, trotzdem bekam er genug Stimmen für Gemeinderat und Kreistag.
  • Jetzt gab er bekannt, dass er beide Ämter nicht annehmen will.

Karlsfeld – Der Karlsfelder Bürgermeisterkandidat der SPD, Dr. Bernhard Goodwin, will nicht in den Gemeinderat. Goodwin erklärte gestern, dass er das Mandat nicht annehmen werde. Ebenso lehne er die Wahl in den Dachauer Kreistag ab.

Hintergrund der Entscheidung sei, dass er seinen Lebensmittelpunkt nicht weiter in Karlsfeld sehe. „Ich hätte mir gerne mehr Zeit für die Entscheidung gelassen, um zu prüfen, ob ich bezahlbaren Wohnraum in der Gemeinde finde und ob es eine berufliche Perspektive für mich dort gibt, auch wenn ich beides für unwahrscheinlich halte. Das Gesetz sieht aber vor, dass ich mich innerhalb von einer Woche entscheiden muss. Natürlich hätte ich das Mandat auch vorläufig annehmen können, das hätte aber meiner Fraktion einen sauberen Start verwehrt.“

Bernhard Goodwin war in Karlsfeld unbekannt

Goodwin war vor genau einem Jahr als Bürgermeisterkandidat der Karlsfelder SPD präsentiert worden. Es war eine Überraschung. Denn die Karlsfelder SPD schickte niemanden aus den eigenen Reihen ins Rennen um den Chefsessel im Rathaus, sondern einen im Ort völlig unbekannten, damals 40 Jahre alten promovierten Kommunikationswissenschaftler aus München.

Der Draht nach Karlsfeld war über die sogenannte Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik, kurz SGK, zustandegekommen. Dieses SPD-interne Netzwerk bringt Ortsvereine auf Kandidatensuche mit potenziellen Kandidaten zusammen. Als der Ruf aus Karlsfeld kam, habe er sofort zugesagt, versicherte Goodwin bei seiner öffentlichen Vorstellung.

2017 wollte Bernhard Goodwin in den Bundestag

Diese Aussage verwunderte damals viele. Denn 2017 wollte Goodwin in den Bundestag, trat als Direktkandidat der SPD im Münchner Westen an. Er unterlag jedoch Stephan Pilsinger von der CSU. Goodwin war deshalb vom ersten Tag in Karlsfeld an gut beschäftigt, einem Eindruck entgegenzuwirken: Dass er, der gescheiterte Bundestagskandidat, jetzt halt Bürgermeister werden will – einerlei wo, Hauptsache endlich in Amt und Würden.

Goodwin zeigte in den folgenden Monaten Präsenz, wo es nur ging. Sogar beim traditionellen Faschingstreiben auf dem Marktplatz stand er mit roter Pappnase im Gesicht inmitten der Feiernden. Das Wahlkampfjahr bewerte er „durch und durch positiv“, so Goodwin. „Keine Minute, die ich mit Euch verbracht habe, war verschwendete Zeit“, schreibt er in einer internen Nachricht an die anderen Kandidierenden seiner Fraktion. Die örtlichen Sozialdemokraten seien „eine solidarische Gemeinschaft mit ganz unterschiedlichen Talenten, die eint, das Gemeinwesen in Karlsfeld für alle Menschen besser zu machen.“ Er wolle weiter helfen, die Vernetzung zwischen Karlsfeld und München zu verbessern.

Nachrücker für Bernhard Goodwin stehen schon bereit

Goodwin war auf Platz eins der SPD-Gemeinderatsliste angetreten. Erster Nachrücker ist Robin Drummer, der zuletzt schon im Karlsfelder Gemeinderat saß. Auf der Kreistagsliste ist Michael Grimmer aus Vierkirchen erster Nachrücker.

Thomas Leichsenring

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