Karlsfeld Dachau Feuerwehr Gefahr sauer Unfall Gaffer Autofahrer Bayern
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Nach einem Unfall am Donnerstag auf der Münchner Straße in Karlsfeld war die Feuerwehr im Einsatz. Was die Einsatzkräfte erlebten, war gefährlich: Zwei ältere Autofahrer fuhren einfach durch die abgesperrte Unfallstelle.

Feuerwehrler sind sauer

Egoisten bringen Feuerwehrler an Unfallstelle in Gefahr

  • vonChristiane Breitenberger
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Die Feuerwehr Karlsfeld ist sauer. Was sie bei zwei Einsätzen erlebt hat, ist äußerst unschön. Menschen fuhren durch eine gesicherte Unfallstelle oder gafften, als ein Mann Hilfe bekam. 

  • Die Feuerwehr Karlsfeld ist sauer.
  • Gleich zweimal an einem Tag erlebten sie bei Einsätzen unschöne Dinge.
  • Eine Situation war sogar gefährlich für die Feuerwehrler.

Karlsfeld– Wer seit zwölf Jahren bei der Berufsfeuerwehr ist und sich zudem noch ehrenamtlich bei der Feuerwehr engagiert, der hat eine ganze Menge gesehen, den kann so schnell nichts emotional aus der Ruhe bringen. So ist das auch bei Gerhard Nieder. Aber nach dem Einsatz auf der Münchner Straße in Karlsfeld am Donnerstag war der Einsatzleiter richtig sauer. Denn: Gleich zwei Autofahrer fuhren einfach durch die abgesicherte Unfallstelle. Zwei Feuerwehrler, die den Verkehr regelten, Pylonen und Warnblitzleuchten – den rücksichtslosen Autofahrern war das alles egal. Sie ignorierten einfach alles und fuhren mitten durch die Einsatzstelle. Und deshalb ist Nieder auch so sauer. „Wenn’s um die Sicherheit meiner Mannschaft geht, hört der Spaß auf!“

Feuerwehr Karlsfeld sauer: Autofahrer fahren durch gesicherte Unfallstelle

Der 74-jährige Fahrer eines VW Tiguan hatte am Donnerstag beim Abbiegen von der Münchner Straße in die Bajuwarenstraße einen entgegenkommenden Polizeibus übersehen. Die Fahrzeuge kollidierten im Kreuzungsmündungsbereich. Fahrer und Beifahrerin des VW kamen leicht verletzt ins Krankenhaus (wir haben am Freitag berichtet).

Deshalb leitete die Karlsfelder Feuerwehr den gesamten Verkehr von München aus kommend über die Bajuwarenstraße – was zwei ältere Autofahrer schlicht nicht interessierte. Sie fuhren einfach durch die gesicherte Einsatzstelle. „Wenn du gerade dabei bist, dich um ausgelaufene Betriebsstoffe zu kümmern, und nur hörst, wie ein Kollege deinen Namen schreit, weil jemand knapp an dir vorbei durch die Unfallstelle fährt, ist das – sehr gelinge gesagt – richtig ungut“, sagt Einsatzleiter Gerhard Nieder. Die beiden Autofahrer seien zwar nicht „durchgerast – gefährlich für die Feuerwehrler war es trotzdem“. Deshalb verstehen „wir bei sowas auch überhaupt keinen Spaß. Und wenn so etwas gleich zweimal passiert, platzt einem auch mal die Hutschnur!“

„Absperrungen gelten für jeden“ - Feuerwehr empört sich über Autofahrer

Für die Feuerwehrler ist das leider überhaupt kein Einzelfall. Es gibt immer wieder Leute, die sich benehmen wie die Axt im Wald, frei nach dem Motto „für mich gelten andere Regeln“, so Gerhard Nieder. Er hört bei Einsätzen immer wieder Sätze wie: „Ich muss nur schnell...“ – in die Arbeit, nach Hause – die Palette sei da vielfältig. Aber: „Das müssen hunderte andere auch. Und: Das geht eben nun mal manchmal nicht!“, betont Nieder. „Absperrungen gelten für jeden!“

Es fehle viel zu oft an Empathie. Sich hineinversetzen in Einsatzkräfte oder Menschen, die gerade Hilfe brauchen? Fehlanzeige! Das erlebte die Karlsfelder Feuerwehr sogar am selben Tag gleich nochmal: Ein älterer Herr brauchte Hilfe, musste mit Hilfe der Drehleiter aus seiner Wohnung geholt werden. Doch statt dass sich die Einsatzkräfte ganz darauf konzentrieren konnten, dem Mann zu helfen, mussten sie noch etwas anderes tun: sich mit den Gaffern auseinandersetzen. Kommandant der Karlsfelder Wehr, Michael Peschke, weiß: „Wir mussten erstmal die Leute von ihren Balkonen verscheuchen, weil sie einfach nur gegafft haben“. Schwer vorstellbar, dass es für die Gaffer in Ordnung wäre, würden sich andere so verhalten, wenn sie selbst mal Hilfe brauchen. „Die Leute werden generell rücksichtsloser, egoistischer“, sagt der Kommandant.

Nach zwei Vorfällen an einem Tag: Feuerwehrler lassen sich von Egoisten nicht demotivieren

Doch die Feuerwehr lässt sich so ein Verhalten, das Kameraden, andere Einsatzkräfte oder Menschen, die Hilfe brauchen, in Gefahr bringt, nicht gefallen. „In der Regel zeigen wir solche Leute, die durch Absperrungen fahren, an“, betont Gerhard Nieder. Das sei allein schon wichtig, dass „die Kameraden wissen, dass wir dahinter sind, dass nicht einfach jeder machen kann, was er will“.

Das einzig Positive: Die Karlsfelder Feuerwehrler lassen sich von den Egoisten nicht demotivieren. Sie wollen weiter helfen. „Bisher hat noch keiner gesagt, dass er wegen solcher Vorfälle nicht mehr ausrücken will“, betont Nieder.

Am Samstag ereignete sich ein schwerer Unfall im Landkreis Dachau. Ein BMW-Fahrer schwebt in Lebensgefahr. Ein Volvo-Fahrer aus München geriet auf die Gegenfahrbahn.

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cb

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