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Ein Erlebnis: Hans Lorenz beim „Wings for Life World Run“ im Jahr 2018

Ein Laufwunder und Weltrekordler - und das im Alter von 78 Jahren

  • Claudia Schuri
    VonClaudia Schuri
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Laufen ist seine Welt. Dabei hat die Karriere von Johann Lorenz erst mit 70 Jahren so richtig angefangen.

Karlsfeld/Dachau – 1200 Kilometer – das ist weiter als die Luftlinie von Dachau nach London oder nach Barcelona. Das ist auch geschätzt die Strecke, die Johann Lorenz jedes Jahr läuft. Dass er 78 Jahre alt ist, sieht man dem Dachauer, der seit 36 Jahren Mitglied beim TSV Eintracht Karlsfeld ist, nicht an. Athletisch, braun gebrannt und fit ist er – und einer der besten Läufer in seiner Altersklasse.

Er ist amtierender bayerischer Halbmarathon-Meister bei den Männern ab 75 Jahren und hat bei dem „Wings for Life World Run“ sogar einen weltweiten Rekord aufgestellt. Kein Wunder, schließlich trainiert Lorenz diszipliniert: „Früher bin ich jeden Tag laufen gegangen, jetzt jeden zweiten Tag“, sagt er. „Ich mag einfach Sport und bin gerne in der Natur.“

Bewegungsbegeistert war Lorenz schon immer. Schon als kleiner Bub organisierte er gemeinsam mit Freunden kleine Olympische Spiele. „Wir haben selbst Medaillen gebastelt und mit dem Wecker die Zeit gestoppt“, erinnert er sich. In der Jugend war er ein talentierter Fußballer und später versuchte er sich an fast allen Sportarten. 30 Mal hat er beim TSV Eintracht Karlsfeld das Bayerische Sportabzeichen gemacht. Drei Mal wurde er bereits von der Gemeinde Karlsfeld bei der Sportlerehrung ausgezeichnet.

Gemeinsam mit seiner Frau Isolde ist der 78-Jährige Dauercamper am Staffelsee. Jeden Sommer verbringt er mehrere Wochen dort – und wieder spielt der Sport eine große Rolle. Wandern, Segeln, Surfen, Schwimmen, im Winter Langlauf – am Staffelsee kann er sich richtig ausleben. Dort begann er 2002 auch mit dem intensiven Lauftraining. Als er sich schließlich in Karlsfeld für seinen ersten Halbmarathon anmeldete, war es der Beginn einer großen Läuferkarriere. Der Höhepunkt: die Teilnahme am New York Marathon, ein Traum, den sich Lorenz zu seinen 70. Geburtstag erfüllt hatte.

„Es war ein einmaliges Erlebnis“, schwärmt er noch heute davon. „Der Einzug war wie bei den Olympischen Spielen, und die Zuschauer und Musikgruppen am Times Square waren fantastisch.“ Wenn das Publikum die Läufer begeistert anfeuert und sich die Sportler im Wettkampf anstacheln, dann macht Hans Lorenz das Laufen gleich noch viel mehr Spaß. „Wenn man in großen Massen läuft, lernt man neue Leute kennen und motiviert sich gegenseitig.“

Deshalb ist er auch so begeistert vom „Wings for Life World Run“. Vergangenes Jahr war er zum ersten Mal dabei. Bei dieser Veranstaltung unter dem Motto zugunsten der Rückenmarkforschung laufen gleichzeitig Sportler aus allen Ländern der Welt. Eine halbe Stunde nach dem Start fährt ein Auto, das so genannte „Catcher Car“, die Strecke ab. Ziel der Teilnehmer ist es, so weit wie möglich zu kommen, bis sie vom Auto eingeholt werden.

2018 startete Lorenz gemeinsam mit 11 000 anderen Läufern am Olympiapark in München. „Es ist eine richtig interessante Veranstaltung“, erzählt er. „Wenn man in so einer großen Kolonne startet, gibt es ein richtig schönes Bild.“ Erst in der Nähe von Eschenried wurde er von dem Auto überholt, knapp 19 Kilometer weit war er gekommen. Damit hat er weltweit das beste Erlebnis in seiner Altersklasse geschafft. „Dabei konnte ich erst nach drei Kilometern richtig Gas geben“, berichtet er.

Lorenz’ Ehrgeiz war geweckt, er wollte heuer unbedingt wieder dabei sein. „Aber als ich mich anmelden wollte, waren in München alle Plätze schon ausgebucht.“ Mit Hilfe einer App und einer GPS-Verbindung konnte er dann aber trotzdem noch auf einer individuellen Strecke mitmachen. Er hatte sich eine Route durch Dachau und die Umgebung ausgesucht und verteidigte trotz schlechten Wetters seinen Titel: Wieder war er der Beste in seiner Altersklasse. „Nächstes Jahr will ich wieder in München mitlaufen“, sagt er. „Das ist einfach noch einmal schöner.“

Lorenz ist ein disziplinierter Sportler, gleichzeitig ist ihm aber auch wichtig, das Leben zu genießen: Nachdem er in Rente ging, bereiste er gemeinsam mit seiner Frau Isolde die ganze Welt. Das Nordkap, Island, die USA, Mexiko, Guatemala, Costa Rica, Russland, China, Malaysia, Australien, Pakistan, Neuseeland, Afrika, Indien und viele weitere Ziele haben die beiden schon besucht. Sie haben gesehen, wie Menschenmassen am Ganges in Indien baden, sind mit dem Kleinbus durch Tibet getourt, haben einen Rundflug am Himalaya gemacht und waren auf den Falklandinseln alleine unter Pinguinen. „Es sind so viele herrliche Erlebnisse“, erzählt Johann Lorenz.

Laufen ist eines davon.

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