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375 000 Euro mehr pro Jahr bringt die erhöhte Grundsteuer B in die Kasse der Gemeinde Karlsfeld.

Hebesatz steigt von 350 auf 400 Prozent

Karlsfeld erhöht die Grundsteuer

Die finanziell klamme Gemeinde Karlsfeld erhöht die Grundsteuer B. Das betrifft Hauseigentümer, über die Nebenkosten aber auch Mieter.

Karlsfeld - Die Gemeinde Karlsfeld erhöht rückwirkend zum 1. Januar die Grundsteuer B. Dafür hat sich der Finanzausschuss des Gemeinderats am Dienstagabend einstimmig ausgesprochen. Der Hebesatz wird von 350 auf 400 Prozent angehoben. So wird Karlsfeld 2021 rund 375 000 Euro mehr einnehmen. Die Erhöhung sei angesichts der finanziellen Lage unumgänglich, sagte Finanzreferent Stefan Theil (CSU). Betroffen sind Eigentümer von Wohnimmobilien. Die Grundsteuer darf über die Nebenkostenabrechnung auf die Mieter umgelegt werden.

Die Gemeindeverwaltung hatte zwei Beispiele ausgerechnet, die die finanzielle Auswirkung der Erhöhung verdeutlichen. Bei einem Reihenmittelhaus Baujahr 1966 mit 120 Quadratmetern Wohnfläche erhöht sich die zu entrichtende Steuer von bislang jährlich 250,32 Euro um 35,76 Euro auf dann 286,08 Euro. Bei einer 1983 gebauten Eigentumswohnung mit 63 Quadratmetern sind jährlich 164,64 Euro fällig statt bisher 144,06. Die Erhöhung beträgt jeweils 14,3 Prozent.

Der Hebesatz der Grundsteuer B wurde in Karlsfeld letztmals zum 1. Januar 2017 erhöht, damals von 320 auf 350 Prozent. Damals hob die Gemeinde gleichzeitig die Gewerbesteuersätze sowie den Hebesatz für die Grundsteuer A (landwirtschaftliche Flächen) an. Dies geschah diesmal nicht.

Die Corona-Pandemie verschärft die höchst angespannte finanzielle Situation der Gemeinde. Schon vor einem Monat sprach sich der Finanzausschuss für die Erhöhung der Grundsteuer B aus. Offen blieb nur, ob der Satz auf 390 oder 400 Prozent angehoben werden sollte. Die Fraktionen berieten anschließend darüber intern. Letztlich votierten alle für eine Anhebung auf 400 Prozent.

Adrian Heim (Bündnis für Karlsfeld) sagte, dass die Mehrkosten für Eigentümer und Mieter überschaubar seien, „alle zahlen einen kleinen Beitrag mehr“. Beate Full (SPD) sagte, dass die Gemeinde ohnehin verpflichtet sei, alle Einnahmemöglichkeiten zu nutzen, ehe sie Schulden machen dürfe.

Neue Schulden werden trotz der erhöhten Steuer auf Karlsfeld zukommen. Finanzreferent Theil sagte, dass das Defizit im nächsten Haushalt „deutlich höher“ als 375 000 Euro ausfallen werde.

Kämmerer Alfred Giesinger wir dem Gemeinderat heute in der öffentlichen Sitzung im Bürgerhaus einen aktuellen Bericht über die Karlsfelder Finanzlage geben. Offiziell muss der Gemeinderat die Entscheidung treffen, ob die Grundsteuer B erhöht wird. Dass er der Empfehlung aus dem Finanzausschuss folgen wird, steht fest.  

Thomas Leichsenring

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