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Schlemmerbuffet für Insekten

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Es summt und brummt: Wolfgang Späth (rechts) erklärt den Besuchern seinen Garten. © mik

Das Karlsfelder Ehepaar Späth hat einen Garten, in dem allerlei Kräuter, Obst und Gemüse wächst. Jetzt durfte die Öffentlichkeit reinschauen.

Karlsfeld – Thymian, Rosmarin, Salbei, Sellerie, Bohnen, Tomaten, Äpfel und sogar Kürbisse – der Karlsfelder Wolfgang Späth hat einen Selbstversorgergarten, in dem allerlei Kräuter, Obst und Gemüse wächst. Er hat so viel davon, dass er, nachdem er Leckereien wie Salate und Suppen daraus zaubert, auch noch etwas verschenken kann. Die Besucher am Tag der offenen Gartentür durften von seinem Kräuterfrischkäse kosten und den selbst gemachten Holundersirup testen.

Die Sonne brennt, die schwarzen Johannisbeeren hängen glänzend und schwer an den Ästen, der Lavendel duftet und es summt und brummt, Hummeln kosten vom Salbeinektar und Bienen machen sich über die Schnittlauchblüten her. Der Garten der Familie Späth ist nicht nur Wohlfühloase und Gemüsebeet sondern auch ein regelrechtes Schlemmerbuffet für Insekten – ein regelrechter Vorzeigegarten also. Deshalb öffnete er am Tag der offenen Gartentür, der vergangenen Sonntag in ganz Deutschland begangen wurde, auch seine Tore für die Öffentlichkeit.

War der Andrang aufgrund der Hitze nicht überaus groß, so waren doch zehn Besucher in den Karlsfelder Eichenweg gekommen, als Werner Gruber, Vorsitzender des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege, den Tag eröffnete. „Wir sind bereits zum zweiten Mal hier, schon 2013 hat Familie Späth für die Öffentlichkeit geöffnet. Und der Garten hat sich verändert. Ich kann nur meinen Respekt zollen“, sagte er an Wolfgang Späth gewannt, der den Garten eigentlich mit seiner Frau hegt und pflegt, die jedoch an diesem Tag krank im Bett lag. Wegen des Hagelsturms vor etwa drei Wochen war es nicht sicher, ob der Garten überhaupt vorzeigbar war: Zu viel Gemüse, Blumen und Kräuter waren damals Opfer des Gewitters geworden. Doch die Späths haben sich ins Zeug gelegt.

Landrat Stefan Löwl wurde beim Anblick des vielen Gemüses etwas wehmütig, weil er nun keinen so großen Garten mehr besitze. „Sie haben aus diesem Platz zwischen Lärmschutzwand und Hochhäusern eine wahre Oase geschaffen“, lobte er den Hobbygärtner.

In der Tat war das etwa 1400 Quadratmeter große Areal 2001 beim Kauf lediglich eine trockene Grube gewesen. „Ich habe mir Lkw-weise Aushub von einem Hausbau anliefern und am Ende ebnen lassen“, erinnerte sich Späth an die Anfänge.

Danach ging es stückchenweise voran, „immer ein neuer Teil des Gartens“, wie er erklärte. Heute wachsen hier Gemüse, Obst und Kräuter, ein Insektenhotel beherbergt Wildbienen, im Hang zur Lärmschutzwand wohnen heute Hummeln und Eidechsen, und in einem etwa 400 Quadratmeter großen, abgetrennten Bereich leben 30 Bienenvölker in ihren Bienenstöcken. Das Summen kommt also nicht von irgendwoher, sondern hat seinen Ursprung direkt hinter der Gartenlaube, die ein zweites Wohnzimmer der Späths geworden ist.

Wolfgang Späth wurde ziemlich bald, nachdem er seinen Garten angelegt hatte, zum Hobbyimker und ist seit gut zehn Jahren im Kreisimkerverein Dachau Mitglied. Sein Honig ist beliebt. „Wegen der vielen Kräuter hier hat der Honig eine ganz bestimmte Note“, schwärmt der Bienenfreund.

MdL Bernhard Seidenath spannte somit den Bogen zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“: „Die Menschen haben ihren klaren Wunsch geäußert, die Bienen retten zu wollen. Doch wir müssen nicht nur die Bauern in die Verantwortung nehmen sondern auch Privatpersonen animieren.“ Es sei erschreckend, meinte er, wie viele Gärten man sehe, „wo überhaupt nichts blüht, dafür aber Steine in drei verschiedenen Farben herumliegen“.

Karlsfelds zweiter Bürgermeister Stefan Handl dazu: „Aufgrund der Nachverdichtung und der extremen Bodenpreise werden Gärten immer kleiner.“ Er versicherte zudem, dass die Gemeinde etwas gegen die „ritterburgähnliche Einfriedung“ von Gärten tun möchte.

Siegfried Lex, Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege, wünschte allen Besuchern „viele neue Anregungen, guten Gespräche und Ideen für den eigenen Garten“. Denn um den lebendigen Austausch geht es beim Tag der offenen Gartentür hauptsächlich.

mik

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