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Fast sein ganzes Leben lang setzt sich Daniel Stöckel für die Tiere und Pflanzen in den wenigen naturnahen Flächen der Gemeinde Karlsfeld ein. An diesem Samstag wird er 70. foto: ep

Fast sein ganzes Leben lang setzt sich Daniel Stöckel für die Tiere und Pflanzen ein

Der Hüter des Schwarzhölzls

Fast sein ganzes Leben hat sich Daniel Stöckel mit dem Naturschutz befasst. Leidenschaftlich setzt er sich für den Erhalt der Biotope rund um Karlsfeld und das Naturschutzgebiet Schwarzhölzl ein. Mit Erfolg. Aber der Naturschützer muss auch traurige Wahrheiten verkünden.

Karlsfeld – „Was, die Dannerwiese kennen‘s net? Oh mei!“ Daniel Stöckel seufzt über diese Bildungslücke der Besucherin. Die über zwei Hektar große Dannerwiese liegt zwar auf Münchner Gebiet, ist aber wegen ihrer Größe und der Artenvielfalt eine der wichtigsten Flächen im Dachauer Moos. Und sie ist das „Lieblingskind“ des Naturschützers Stöckel. Seit zehn Jahren ist der Karlsfelder „Pate“ dieses Biotops und pflegt es mit Leidenschaft. Wie er überhaupt alles, was mit Natur zusammenhängt, hingebungsvoll und ausdauernd angeht.

Dass er am heutigen Samstag 70 Jahre alt wird, mag man kaum glauben. Temperamentvoll und kein bisschen müde erzählt er von seinem fast lebenslangen Engagement für die Umwelt.

Angefangen hat alles, als seine Eltern 1954 nach Karlsfeld zogen. Da wurden sie in der Heidestraße Nachbarn von Josef Koller. „Der war sieben Jahre älter als ich, aber wir haben uns prima verstanden.“ Koller hatte Stubenvögel und kannte sich auch bestens aus mit der Vogelwelt im Schwarzhölzl. Stöckel erinnert sich noch gut: „Wir sind oft dorthin rausgegangen, barfuß, wir hatten ja keine Gummistiefel, und da waren nur Nasswiesen und Sumpf.“ Mit Koller, der sich ebenfalls unermüdlich für die Natur und insbesondere für das Schwarzhölzl einsetzte, führte er seit 1960 regelmäßige Vogelzählungen durch. „Nächstes Jahr habe ich mein 60-Jähriges, können Sie sich das vorstellen?“

Nein, kann man nicht. Aber wenn er einem dann die Liste über die Vogelarten im Schwarzhölzl und in angrenzenden Gebieten in die Hand drückt, kann man‘s schon fassen. Ein gigantisches Wissen hat sich dieser Mann in seinem Leben erworben. Akribisch sind 63 Brutvogelarten aufgezählt, die Stöckel alle beobachtet hat, von Ammer, Gold- über Flussuferläufer und Neuntöter bis zum Zilpzalp. Und rechts daneben steht der wissenschaftliche, lateinische Name. Dazu kommen 51 „Durchzüglerarten“, Vögel, die gewissermaßen nur auf der Durchreise sind wie die Dohle oder die Möwe oder der Ziegenmelker alias Caprimulgus europaes.

„Das hört sich viel an, und die Leute sagen auch immer, dass wir so viele Vögel haben. Aber das stimmt nicht. In den letzten Jahren ist die Menge auf ein Drittel geschrumpft.“ Autos, Hunde, Fußgänger, Radfahrer, Jogger – „da hält sich kein Vogel lange in den Büschen, der hat keine Ruhe“, sagt Stöckel. Hinzu komme eine intensiv genutzte Landwirtschaft, mit „Gifteinsatz“ oft mehrmals jährlich. „Wir haben von manchen Vogelarten nur noch wenige Brutpaare, von der Feldlerche etwa nur noch fünf.“

Dass das Wohl der Vogelwelt mit dem Wohl der Pflanzenwelt eng zusammenhängt, hat auch Koller umgetrieben. In den 70er Jahren haben er und Daniel Stöckel sich stark engagiert, etwa bei der Anlage eines Feuchtbiotops am Seeberg. Ab 1980 führten sie gemeinsam Pflegearbeiten auf Biotopflächen im Dachauer Moos durch. Seit 2000, als jenes „Dannerwiese“-Projekt entstand, wird es intensiv von Stöckel betreut, in Zusammenarbeit mit dem Gartenbauamt der Stadt München.

Am 12. Mai 2010 starb Josef Koller mit nur 67 Jahren. Er hatte erreicht, dass das Schwarzhölzl 1994 wieder Naturschutzgebiet wurde. Und er hatte dieses Gebiet für Karlsfeld zu einem ganz besonderen Ort werden lassen, zum „geliebten Schwarzhölzl“, wie er sein Buch nannte. Der Verlust war groß, auch für den Freund Stöckel. „Er war der Frontmann, ich mehr im Hintergrund.“

Das hat sich aber in den vergangenen Jahren geändert. Stöckel wurde „ökologischer Baubegleiter“ für die Untere Naturschutzbehörde, heißt: Er bespricht die Mähmaßnahmen mit den beauftragten Firmen und achtet auf die korrekte Pflege.

„Für uns ist er ein ganz wichtiger Mann“, sagt Marion Matura-Schwarz, die Vorsitzende vom Bund Naturschutz in Karlsfeld. „Er hält die Truppe zusammen.“ Und Stöckel hat zusammen mit den Helfern des BN in rund 500 ehrenamtlichen Einsatzstunden im Jahr dafür gesorgt, dass sich immer mehr wertvolle Pflanzenarten bei uns ausbreiten. Auch davon gibt es eine detaillierte Liste.

„Die Insekten, die Maus, der Käfer und der Hase, die brauchen alle Platz und Kräuter. Die können nur in der Vielfalt leben.“ Und das verdanken sie Leuten wie Daniel Stöckel.

Elfriede Peil

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