Bauauschuss der Gemeinde Karlsfeld

Kanalsanierung: Auch Grundstückseigentümer müssen zahlen

Die Gemeinde Karlsfeld wird in den nächsten Jahren viel Geld in Kanalsanierungen stecken, insgesamt handelt es sich um Millionen. Zahlen müssen jedoch auch die Grundstückseigentümer.

Karlsfeld – Das Ingenieurbüro ISAS untersucht im Auftrag der Gemeinde in Karlsfeld die Abwasserhauptkanäle sowie die Abzweigungen zu den Grundstücken. Der Gesetzgeber verlangt, dass eine Gemeinde das gesamte Netz innerhalb von zehn Jahren überprüft. Start war in der sogenannten Gagfa-Siedlung östlich der Hochstraße. Die Häuser hier wurden in den 60er und 70er Jahren gebaut.

Die Spezialkamera, die die Kanäle durchfährt, hat in der Gagfa-Siedlung größtenteils durch natürlichen Verschleiß verursachte Schäden entdeckt, zum Beispiel Rissbildungen. Folge: Fremdwasser drang in den Kanal ein, vor allem frisches Grundwasser. Wie Carsten Mikosch von ISAS am Mittwoch im Bauausschuss mitteilte, lag der Fremdwasseranteil im geprüften Bereich zum Teil bei 60 Prozent. Dieses Wasser wird mit zur Kläranlage geführt, obwohl es nicht gereinigt werden müsste – Millionen Liter pro Jahr. Mit einer Fremdwasserreduzierung könnte die Gemeinde also viel Geld sparen. Der umgekehrte Weg, dass Kanalwasser ins Grundwasser gerät, ist laut Mikosch „sehr selten“.

Die Reduzierung des Fremdwassers ist noch aus einem anderen Grund wichtig, wie Bürgermeister Stefan Kolbe betonte: „Wir brauchen das für die weitere Betriebserlaubnis für unsere Kläranlage.“

ISAS hat die Hauptkanäle in der Gagfa-Siedlung schon mit einer einen Zentimeter starken Innenhaut aus gehärtetem Kunststoff überzogen. Diese Art der Sanierung ist technisch relativ einfach, kostengünstig und hält bis zu 50 Jahre, wie Mikosch versicherte.

165 000 Euro haben Untersuchung und Sanierung in der Gagfa-Siedlung gekostet. Nach und nach folgen nun weitere Ortsteile. Bis zu 500 000 Euro werden dann nach Schätzung der Gemeindewerke Karlsfeld jährlich in die Sanierung des 65 Kilometer langen Kanalnetzes gesteckt – „alles über Gebühren finanziert“, wie Werkleiter Martin Eberle betont.

Das gilt allerdings nur für die Bereiche des Rohrnetzes, für die die Gemeinde auch zuständig ist: Hauptleitung und Abzweigung bis fünf Meter hinter der Grundstücksgrenze oder, falls vorhanden, bis zum Revisionsschacht. Die Leitung von dort ins jeweilige Haus ist Sache des Eigentümers. Und der muss eine womöglich notwendige Sanierung auch bezahlen.

Carsten Mikosch konnte die Frage, mit welchen Summen die Grundstückseigentümer hier zu rechnen hätten, nicht beantworten: „Das ist sehr unterschiedlich.“

Werkleiter Martin Eberle sagte, dass „jeder Hausanschluss“ geprüft werden müsse. Anschließend würden der Sanierungsbedarf und die Kostenaufteilung festgelegt. Der gesamte Prozess solle „so bürgerfreundlich wie möglich“ gestaltet werden, die Gemeinde werde den Grundstückseigentümern hier behilflich sein. Bürgermeister Kolbe kündigte im Ausschuss eine Info-Veranstaltung zum Thema an.

Thomas Leichsenring

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