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Zu teuer: Hallenbad-Sanierung gestoppt

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Von: Thomas Leichsenring

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13,62 Millionen Euro würde eine Sanierung mit Modernisierung des Karlsfelder Hallenbads kosten. Zu viel, befand jetzt der Gemeinderat.
13,62 Millionen Euro würde eine Sanierung mit Modernisierung des Karlsfelder Hallenbads kosten. Zu viel, befand jetzt der Gemeinderat. © Archiv

Im April 2021 fasste der Karlsfelder Gemeinderat einstimmig einen Beschluss, der in der Öffentlichkeit mit großer Erleichterung aufgenommen wurde: Das Hallenbad wird saniert. Doch daraus wird nichts, zumindest noch nicht: Jetzt entschied der Gemeinderat ebenso einstimmig, die Sanierung auf Eis zu legen. Denn Karlsfeld hat das Geld nicht.

Karlsfeld – Rund 11 Millionen Euro würde die Sanierung des 50 Jahre alten Karlsfelder Hallenbades kosten, hieß es im April vergangenen Jahres. Nach ausgiebiger Diskussion entschied der Gemeinderat damals einstimmig, das Geld in die Hand zu nehmen und das Bad sanieren zu lassen.

Am vergangenen Donnerstag lagen dem Gemeinderat nun neue und wesentlich belastbarere Zahlen vor, was die Kosten betrifft. Demzufolge kostet die Sanierung 13,62 Millionen Euro. Im Gemeinderat herrscht Konsens: Angesichts der prekären Finanzlage der Gemeinde – der Schuldenstand zum Jahresende 2022 liegt bei 26,4 Millionen Euro – ist eine Sanierung aktuell nicht zu machen. Das Vorhaben wird gestoppt. Im ersten Quartal 2024 soll nun entschieden werden, ob die Sanierung gemacht wird oder nicht.

„Als Präsident des TSV Eintracht Karlsfeld sage ich, dass es sehr bedauerlich wäre, wenn wir das Sanierungsprojekt unterbrechen müssten, aber als Gemeinderat sage ich: Es gibt keinen Weg, das fortzusetzen“, sagte Rüdiger Meyer (CSU). „Wir haben das Geld definitiv nicht“, sagte Michael Fritsch (Grüne), SPD-Fraktionssprecher Franz Trinkl sagte, er sehe „keinen anderen Weg“, als die Sanierung auf Eis zu legen.

In Karlsfeld hatte man so sehr auf einen satten Zuschuss vom Bund gehofft. Doch die Gemeinde fand beim Programm mit dem Titel „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ keine Berücksichtigung (wir berichteten). 5 Millionen Euro hätte der Bund überwiesen, wenn Karlsfeld bei diesem Sonderprogramm zum Zuge gekommen wäre.

Andere Sanierungsprojekte haben Vorrang

Jetzt könnte die Gemeinde allenfalls mit Zuschüssen in Höhe von 2 bis 2,5 Millionen Euro rechnen, sagte Marco Mühlenhoff, im Rathaus zuständig fürs Gebäudemanagement; dann aus einem Topf des Freistaats, weil das Hallenbad auch von Schulen und Kitas genutzt wird.

Wie Mühlenhoff betonte, müssten zwei große Sanierungsvorhaben Vorrang haben: die Sanierung der Dreifachturnhalle an der Krenmoosstraße mit einem Umfang von rund 8,5 Millionen Euro und die Sanierung der Mittelschule für 12 Millionen Euro.

Im vergangenen Jahr war das Karlsfelder Hallenbad wegen Instandsetzungsarbeiten vor allem am schadhaften Dach mehrere Wochen geschlossen. Diese Instandsetzung hat laut Gemeindeverwaltung „nachhaltige Wirkung“ gezeigt. Deshalb könne das Bad nun noch drei bis fünf Jahre weiterbetrieben werden, so Mühlenhoff, „das können wir mit relativer Sicherheit sagen“.

Sollte sich der Karlsfelder Gemeinderat Anfang 2024 also gegen eine Sanierung entscheiden, wird das Hallenbad wohl für alle Zeiten dichtgemacht.

KOMMENTAR: Von Bund und Freistaat allein gelassen

Wenn man ehrlich ist: Es sieht nicht gut aus, was die Zukunft des Karlsfelder Hallenbads betrifft. Angesichts galoppierender Preise in allen Bereichen ist nicht zu erwarten, dass die Gemeinde in zwei Jahren eher in der Lage sein wird, die Finanzierung zu stemmen, als heute. Zudem haben andere Sanierungsmaßnahmen Priorität.

2015 beschloss der Gemeinderat, die Grundschule an der Krenmoosstraße nicht zu sanieren, sondern gleich neu zu bauen. Eine 40-Millionen-Euro-Investition für Karlsfelder Kinder und in die Zukunft. Aber auch eine Investition, die den finanziellen Spielraum für die Gemeinde auf Jahre extrem einengt. Viele Wünsche sind nicht mehr möglich, man denke nur an den Skaterpark. Und langfristig droht nun auch dem Hallenbad das Aus. Eine 22 000-Einwohner-Gemeinde in unmittelbarer Nachbarschaft zur Metropole München kann sich die Sanierung seines Hallenbads nicht mehr leisten, weil sie – knapp zusammengefasst – eine moderne Schule gebaut hat. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Städte und Gemeinden von Bund und Freistaat für die Erfüllung ihrer Aufgaben nicht ausreichend finanziell ausgestattet werden.

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