+
Sprechen über Miet- und Immobilienpreise: Armin Riedl, Sebastian Leiß, Stefan Kolbe und Dr. Christian Scheffler (v.l.).

Podiumsdiskussion auf der Familienmesse

Sind Karlsfeld und Dachau noch bezahlbar?

Fünf Herren bemühten sich, bei einer Podiumsdiskussion auf der Familienmesse Karlsfeld eine Antwort zu finden auf die Frage: „Sind Karlsfeld und Dachau noch bezahlbar?“

Karlsfeld – Es diskutierten Dr. Christian Scheffler, Immobilienmakler aus Dachau, Stefan Kolbe, Bürgermeister Karlsfeld, Armin Riedl, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Dachauer Haus- und Grundeigentümervereins, und Wolfgang Winter, Jurist und Vorsitzender des Mietervereins Dachau und Umgebung. Moderiert wurde die Diskussion von Sebastian Leiß, Kreisrat der Freien Wähler Dachau.     

Es war Mittagessenszeit und so eigentlich eine gute Gelegenheit, weil etliche Zuhörer die Halle E aufgesucht hatten. Aber es war dann doch im Laufe der einstündigen Podiumsdiskussion ein wenig Ablenkung durch Schnitzel und Pommes, zumal das Mikro sich nicht immer gegen die Gespräche an den Biertischen durchsetzen konnte.

Dabei war es durchaus spannend, was auf der Bühne gesagt wurde. Leiß nutzte als Einstieg die Pressemeldungen vom Februar dieses Jahres, wonach Karlsfeld die teuerste Gemeinde Deutschlands war. Dass hier nur wohnt, „wer Kohle hat“, wurde zwar von allen Diskutanten als journalistische und statistische Überspitzung angesehen. Allerdings, so Wolfgang Winter vom Mieterverein: „Wir leben hier in der teuersten Ecke der Region, die Mieter sind die Gelackmeierten. Die Situation ist dramatisch.“

Immobilienmakler Christian Scheffler fand an dieser Entwicklung auch „nichts zum Jubeln“. Und bei den Eigentümern, so Armin Riedl, Vorsitzender des Dachauer Haus- und Grundeigentümervereins, bestehe eine „großer Beratungsbedarf“, wie sie bei der Gestaltung ihrer Mieten vernünftigerweise vorgehen sollen. Der Mietpreisspiegel sei sinnvoll, aber ein „Mietendeckel“, wie er in Berlin verabschiedet wurde, „das geht gar nicht. Ich halte das für nicht verfassungsgemäß.“

Der Bedarf an Wohnungen in einer wachsenden Region steigt immer mehr, das führe zu der Forderung nach „bauen, bauen, bauen“, so Leiß unter dem Stichwort „Nachverdichtung“. Da widersetze sich manche Gemeinde, sagte Scheffler, gar bis zu einer „Verweigerungshaltung“.

Karlsfeld sei da eine rühmliche Ausnahme. Dort wurden in letzter Zeit auch bezahlbare Sozialwohnungen geschaffen. Aber auch hier ist es mit dem „Bauen auf Gedeih und Verderb vorbei“, wie Bürgermeister Kolbe betonte. „Wir können nicht jede Wiese als Baugebiet ausweisen. Die Folgen für die Infrastruktur, wie Schulen und Kindergärten, müssen wir im Blick haben.“

Ein wenig Hoffnung – zumindest für Mieter und Käufer – verbreitete Makler Scheffler: Die schlimmste Erhöhung war 2016/2017, da waren die Kunden am Anschlag. Jetzt steigen die Preise nicht mehr so drastisch.“

Was Vermieter erfahren, die ihre Immobilie weit unter dem Mietspiegel anbieten, schilderte Rainer Sackmann in der Diskussion mit dem Publikum: Er hat erhebliche steuerliche Einbußen durch das Finanzamt.

Unter Beifall sagte Sackmann: „Das ist schlichtweg Unsinn.“ Das bestätigte auch Stefan Kolbe: „Die Gesetzeslage passt da einfach nicht.“

ep

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare