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Bringt alles mit, was ein Ensembleleiter braucht: Sebastian Hofner (22) aus Karlsfeld sucht junge Musiker. 

Interview mit Sebastian Hofner

Junger Karlsfelder möchte nach Jahrzehnten wieder eine Jugendblaskapelle gründen 

Vor ziemlich genau 60 Jahren wurde in Karlsfeld eine Jugendkapelle gegründet. Die hatte ein paar Jahrzehnte Bestand, doch irgendwann ließ das Interesse junger Musiker nach, dort mitzumachen.

Karlsfeld – Sebastian Hofner will nun eine neue Karlsfelder Jugendblaskapelle gründen. Der 22-jährige Karlsfelder studiert Lehramt für Gymnasium mit Musik als Doppelfach an der Hochschule für Musik und Theater München. Seit er 2004, seinen Trompeten-Unterricht begann, ist er Mitglied des Musikvereins Karlsfeld, spielt dort in der Blaskapelle Trompete. Für die Leitung eines Orchesters ist er geradezu prädestiniert: Hofner ist staatlich anerkannter Chor- und Ensembleleiter. Im Interview erzählt Hofner, dass man kein Virtuose sein muss, wenn man mitmachen will, und dass er keineswegs nur Bierzeltmusik mit seinem Orchester spielen will.

Herr Hofner, am 8. Mai 1959, also vor genau 60 Jahren, wurde in Karlsfeld eine Jugendkapelle gegründet. Jetzt wollen Sie die Jugendblaskapelle wiederbeleben. Hat Ihr Vorhaben etwas mit dem „60-Jährigen“ zu tun oder ist das Zufall?

Das ist Zufall. 2018 habe ich meine Ausbildung zum Chor- und Ensembleleiter abgeschlossen. Da ich nun in der Lage bin, eine musikalische Leitung zu übernehmen, habe ich unseren Dirigenten Reinhard Hagitte gefragt, was er davon hält, zu versuchen die Jugendkapelle wiederzubeleben und habe angeboten, das Projekt anzugehen. Er fand die Idee gut, und nachdem die gesamte Blaskapelle mir ihre Unterstützung angeboten hatte, wurde der Flyer, der auch auf unserer Facebook-Seite zu sehen ist, in Umlauf gebracht.

Sie sind staatlich anerkannter Ensembleleiter. Wie wird man das, und was muss ein Ensembleleiter anerkanntermaßen alles können?

Ich selbst habe eine zweijährige Ausbildung zum staatlich anerkannten Chor- und Ensembleleiter an der Berufsfachschule für Musik in Altötting absolviert. Als Ensembleleiter muss man zum Beispiel verschiedenste Schlagmuster beherrschen, wissen, wie man an die Einstudierung eines Stückes mit einer Gruppe herangeht, sich über Eigenschaften bestimmter Instrumente im Klaren sein und wissen, welcher Schwierigkeitsgrad eines Stückes für welches Ensemble geeignet ist.

Wie sieht die Prüfung aus?

Letztes Jahr im Juli habe ich meine Abschlussprüfungen absolviert. Man wird in theoretischen Bereichen wie Musikgeschichte, Gehörbildung oder Harmonielehre und in praktischen Bereichen wie Instrumentalprüfung – in meinem Fall Vorspiel mit Trompete und Klavier – und einem Einstudierungsversuch mit einem Chor und Instrumentalensemble von einem staatlich gestellten Prüfer beurteilt.

Haben sich schon junge Musiker gemeldet, die mitmachen wollen in der neuen Kapelle?

Sechs Musiker haben mir bis jetzt mitgeteilt, dass sie mitmachen wollen.

Wie viele Mitglieder müsste eine solche Kapelle mindestens haben?

Über knapp 20 Musiker würde ich mich sehr freuen. Allerdings kann man auch mit weniger Mitgliedern bereits schön gemeinsam musizieren.

Welche Instrumente werden gesucht?

Gesucht werden Holzbläser, also Querflöte, Klarinette und Saxofon, und Blechbläser: Trompete, Flügelhorn, Posaune, Tenorhorn, Horn, Tuba. Und einen Schlagzeuger brauchen wir auch.

Wie gut muss ich schon sein, wenn ich bei Ihnen mitspielen möchte?

Du solltest Noten lesen und bereits relativ sicher auf deinem Instrument spielen können. Das ist aber nicht zwingend erforderlich. Wenn man sich unsicher ist, kann man sich gerne bei mir melden. Oft kann man auch noch nicht so Erfahrene trotzdem einsetzen. Bei Nachfrage kann ich Musiker an Instrumentallehrer vermitteln. Wichtig ist vor allem der Spaß am gemeinsamen Musizieren.

Wie alt muss man mindestens sein, wenn man mitspielen möchte und wie alt darf man höchstens sein?

Ein Mindest- und Höchstalter will ich nicht festlegen, wobei ich denke, dass die meisten zwischen zwölf und 20 Jahre alt sein werden.

Viele denken an die Oberkrainer und Bierzeltklänge, wenn Sie das Wort Blaskapelle hören. Zu Unrecht? Und wie schaut es mit dem Repertoire aus, das Ihnen als Ensembleleiter vorschwebt?

Klar wird so etwas auch gespielt, wir spielen mit der Blaskapelle ebenfalls jedes Jahr auf dem Siedlerfest. Wer allerdings mal bei Konzerten von Blaskapellen wie zum Beispiel unserem Neujahrskonzert war, weiß, dass man sich auch gut im „klassischen“ Stil bewegen kann. Traditionelle Blasmusik werden wir natürlich spielen, allerdings will ich mich, wenn Interesse besteht, auch gern mit Werken aus dem Bereich Rock-Pop-Jazz beschäftigen.

Welche Musik hören Sie privat am liebsten und welchen Musiker verehren Sie besonders?

Eine Lieblingsrichtung habe ich nicht. Meist höre ich Rock, Jazz oder Klassik. James Morrison ist ein super Trompeter.

Gibt es ein Hobby, das nichts mit Musik zu tun hat?

Neben Musik mach ich gerne Sport – Joggen, Basketball und Eishockey.

Das Gespräch führte Thomas Leichsenring.

Jugendblaskapelle

Wer Interesse hat, in der neuen Karlsfelder Jugendblaskapelle mitzuspielen, kann sich per E-Mail bei sebastian-hofner@gmx.de melden.

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