Ein Bild aus vergangenen Tagen: die Mitglieder des Kunstkreises, Norbert Röhrle, Anita Neuhaus, Manfred Schmölz, Klaus-Peter Kühne und Ingrid Regendantz.

Karlsfelder Künstler vermissen den Austausch

Kunstkreis geht kreativ durch die Krise

Den Karlsfelder Künstlern geht der Austausch ab. Carin Szostecki, Klaus-Peter Küh, Ingrid Regendantz, Klaus Herbrich und Anita Neuhaus erzählen über ihre Arbeit in den Zeiten der Ausgangsbeschränkungen.

Karlsfeld– In Zeiten, wo alles still zu stehen scheint, ruht natürlich auch die Kunst. So sind auch die Wände der Galerie Kunstwerkstatt des Karlsfelder Kunstkreises aktuell weiß und unbehangen. Eigentlich sollten hier die Vorbereitungen für die nächste Ausstellung laufen. „Wir haben die Ausstellung von Alex Krohmer verschoben auf 2021“, gibt zweite Vorsitzende des Vereins Carin Szostecki bekannt.

Virtuelle Veranstaltungen, wie ein Galerierundgang per Mausklick, „lassen sich zurzeit nicht durchführen, da fehlt es uns an ausreichender Ausstattung und Kapazitäten“, bedauert Szostecki. Es gäbe gar Mitglieder, die weder Handy noch E-Mail- Adresse haben. Immerhin sind vor allem die Gründungsmitglieder in einem Alter, das zur höchsten Risikogruppe gehört. „Deshalb ist im Kunstkreis im Moment körperliche Kontaktsperre angesagt“, sagt erster Vorsitzender Klaus-Peter Kühne.

„Ich versuche, die gewonnene Zeit für all die Dinge zu nutzen, die sonst so vernachlässigt werden und bisher zu kurz gekommen sind“, erzählt er. So findet er nun Zeit für Fotoausflüge um eine bestimmte Uhrzeit, um die Motive im richtigen Sonnenlicht vorzufinden. Außerdem habe er eigene Bilder beendet sowie Fotografien auf Leinwänden bestellt, die nun auf ihn warten. Auch Zeit für Experimente bleiben: „Ich versuche eine für mich neue graphische Drucktechnik zu erarbeiten“, verrät er. Zusätzlich bereitet er schon die nächste eigene Ausstellung für nächstes Jahr vor.

Auch Vorstandskollegin Carin Szostecki arbeite zurzeit im Homeoffice. „Da ich in einem Medizinverlag angestellt bin, in dem viele Kollegen nun mit Dossiers zu Corona beschäftigt sind und die Zeitschriften trotzdem alle normal erscheinen sollen, gibt es mehr als sonst zu tun“, erzählt sie von ihrer persönlichen Situation. Mehr Freizeit gäbe es bei ihr also nicht. Aber es bleibe auch Zeit für ihr Atelier, das glücklicherweise im Nachbarhaus und über die Tiefgarage erreichbar ist. „Ich muss also nicht befürchten, dass ich auf dem Weg dorthin aufgehalten werde“, sagt sie schmunzelnd.

Bei Künstler Klaus Herbrich ist es ähnlich. Er arbeitet weiter fast täglich in seinem Atelier an der Würm. „Hier kann ich in Ruhe und alleine arbeiten“, erzählt das Kunstkreis-Mietglied. Wie üblich fertigt er hier Steinskulpturen, bereitet auch das Werk für die geplante Kunstkreis-Ausstellung in der Korneliuskirche im Juli vor. Doch auch dieses steht zur Disposition. „Eine Entscheidung darüber fällt in den nächsten beiden Wochen“, gibt Klaus-Peter Kühne bekannt.

Herbrich fehle vor allem der Austausch. „Man arbeitet allein so vor sich hin“, sagt er. Allerdings widmet er sich nun auch Arbeiten, die liegen geblieben sind. „Ich bringe zum Beispiel meine Datenbank über meine entstandenen Werke auf den neuesten Stand.“

Auch Kunstkreis-Mitglied Ingrid Regendantz malt gerade ihr Bild für die Kirchen-Ausstellung im Sommer. Auch ihr geht der Kontakt mit den anderen Künstlern ab, jedoch versucht sie das Beste aus der aktuellen Situation zu machen. „Die mehr Zeit, die ich nun zur Verfügung habe, kommt der Malerei zu Gute, es hat sich in den letzten Wochen noch intensiviert“, erzählt Regendantz. Sie ist außerdem froh, ihren Garten zu haben, wo sie etwas zu tun hat. „Momentan schau ich mir die Pflanzen, die da wachsen, viel genauer an.“ Wer weiß, vielleicht dienen sie als Inspiration für kommende Bilder.

Bei der Karlsfelderin und Künstlerin Anita Neuhaus scheint die Krise ebenso positive Seiten zu haben. „Ich finde es noch nicht so schlimm, ich lasse mir mehr Zeit für meine Arbeiten, man ist nicht so gehetzt – auch bei anderen Sachen“, schildert sie. Gerade überarbeitet sie ein altes Bild, das ihr nicht mehr gefällt. Außerdem fertigt sie bereits Skizzen für die Mitgliederausstellung im November. Wenn sie sich nicht gerade mit der Kunst beschäftigt, kommt sie mit ihrem Hund viel raus. „Außerdem gehe ich für ältere Senioren einkaufen, die nicht mehr raus dürfen“, erzählt sie – dabei ist die engagierte Künstlerin selbst 80 Jahre alt.

mik

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