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Auch drei Tage danach noch sauer: Helga Mittelbach (links) und Christine Nordhaus. 

Notfalldienst kündigte dreimal sein Kommen an – und tauchte nicht auf

Seniorinnen zwei Stunden in Lift gefangen

Fast zwei Stunden mussten drei Rentnerinnen in einem Karlsfelder Seniorenheim in einem Aufzug mit defekter Tür ausharren. Der Notfalldienst kündigte dreimal sein Kommen an – und tauchte nicht auf. Ein bedauerlicher Einzelfall? Leider nein.

Karlsfeld – Diese knapp zwei Stunden werden Christine Nordhaus (81), Helga Mittelbach (72) und ihre Begleiterin (82) niemals vergessen: Am zurückliegenden Freitag steckten sie in einem Seniorenheim im Aufzug fest. Die Feuerwehr befreite die Rentnerinnen und nicht etwa der Notfalldienst des Aufzugherstellers. Der erschien – trotz Zusicherung – gar nicht.

Das Schlimme ist: Es handelt sich um keinen Einzelfall, wie Heike Schreil zugeben muss. Die Mitarbeiterin der Erl-Immobiliengruppe ist Hausdame im Betreuten Wohnen am Prinzenpark in Karlsfeld. Sie habe aufgehört zu zählen, wie oft schon einer der Aufzüge ausgefallen sei. Viermal habe schon die Feuerwehr einspringen müssen, um Leute aus einem Fahrstuhl zu retten.

Seit Mitte 2017 steht der fünfstöckige Riegelbau der Erl-Gruppe westlich des Karlsfelder Bahnhofs. 320 Frauen und Männer leben dort, die ältesten sind weit über 90. „Wir haben natürlich viele Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte“, sagt Heike Schreil. Gerade diese Menschen sind ohne Aufzug aufgeschmissen, denn in jedem der vier Eingänge gibt es nur einen.

Am Freitag streikte der Lift von Hausnummer 4a. Helga Mittelbach und Christine Nordhaus hatten eine Freundin im ersten Stock besucht, mit dieser Dame betraten sie um kurz nach 17 Uhr den Aufzug. Dieser beförderte die drei Damen problemlos ins Erdgeschoss, weigerte sich dort aber, die Tür zu öffnen.

„Macht nichts, haben wir gedacht“, berichtet Helga Mittelbach, „da war ja ein Notrufknopf.“ Den drückte sie, und tatsächlich ließ sich eine Frauenstimme vernehmen: In 30 Minuten spätestens sei Hilfe da! Genau diese 30 Minuten räumt der Gesetzgeber übrigens Aufzugsfirmen ein, Eingeschlossenen Hilfe zu schicken. Die halbe Stunde im Karlsfelder Fahrstuhl war rum. Noch zwei weitere Male drückten die Frauen den Alarmknopf, beide Male hieß es nun, das Rettungsteam sei unterwegs.

Zum Glück konnten Helga Mittelhammer und ihre Freundinnen zwischenzeitlich jemanden im Hausgang auf ihre Misere aufmerksam machen. So wurde die Feuerwehr verständigt.

Um die Schiebetür aufstemmen zu können, mussten die Retter den Aufzug anheben. Dann halfen sie den drei Damen aus der nun um einen Meter höheren Kabine herunter auf den Boden. Auch ein Notarzt und Sanitäter waren angerückt. Die Rentnerinnen benötigten zum Glück keine medizinische Hilfe.

Aber die zwei Stunden in der kleinen Aufzugskabine hatten ihnen zugesetzt. „Ich hab’ gezittert“, berichtet Helga Mittelbach. Christine Nordhaus wollte nur noch „Luft, Luft und Wasser“. Bis die drei Frauen versorgt waren, war es schon fast 20 Uhr. Vom Notdienst war bis dahin immer noch nichts zu sehen.

Montagmittag, der Aufzug ist immer noch außer Betrieb. Helga Schreil hilft den Bewohnern von 4a, wo sie kann, bringt ihnen hinauf, was sie benötigen.

Helga Mittelbach ist immer noch verärgert, und sie sorgt sich um die Senioren, die dort wohnen: „Nicht auszudenken, wenn jemand wirklich Hilfe braucht!“

Die Vestner Aufzüge GmbH bedauere die Vorfälle zutiefst, teilte ein Unternehmenssprecher gestern mit. Die Aufzüge seien „in der Regel“ weniger störanfällig als der „bundesweite Durchschnitt“. Die Anlage in Karlsfeld sei eine „unrühmliche Ausnahme“. Am Freitag sei der eingeteilte Monteur kurzfristig erkrankt gewesen, deshalb habe die Notrufzentrale ebenfalls die Feuerwehr um Hilfe gebeten.

Den Fahrstuhl von 4a werde man „auf Herz und Nieren prüfen“ – und den drei Damen als Zeichen des Bedauerns einen Blumenstrauß schicken.

Thomas Leichsenring

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