Projekt so teuer wie eine schicke Eigentumswohnung

Sitzungssaal-Umbau wird teuer

Der Karlsfelder Gemeinderat wird um sechs Mitglieder anwachsen. Daher soll der Sitzungssaal umgebaut werden. Für das Geld ist eine Eigentumswohnung zu haben.

Karlsfeld – Weil der Karlsfelder Gemeinderat um sechs Mitglieder anwachsen wird, muss ein neuer Ratstisch her. Gleichzeitig wird der Sitzungssaal umgebaut und modernisiert. Nach der ersten Kostenermittlung war mancher Gemeinderat baff: Für das Geld ist eine schicke Eigentumswohnung zu haben.

Weil die Gemeinde Karlsfeld die 20 000-Einwohnergrenze überschritten hat, wächst auch der Gemeinderat, nach den Statuten der bayerischen Gemeindeordnung von jetzt 24 auf 30 Mitglieder nach der Kommunalwahl 2020. Im November verständigte sich der Hauptausschuss des Gemeinderats darauf, dass nicht nur ein neuer Ratstisch angeschafft werden soll, sondern dass bei der Gelegenheit auch gleich umfassende Umbau- und Modernisierungsarbeiten erledigt werden sollen. Die Karlsfelder Bauverwaltung sprach damals vorsichtig von geschätzten Kosten von 300 000 Euro. „Das kann aber auch mit 100 000 Euro machbar sein“, sagte Bürgermeister Stefan Kolbe in der November-Sitzung.

Damit lag der Bürgermeister komplett falsch. Planer Peter Arens legte dem Hauptausschuss jetzt vier Varianten für den Aus- und Umbau des Sitzungssaals vor. Kosten je nach Aufwand und Ausstattung: zwischen 449 000 und 514 000 Euro!

„Sehr bedenklich“ fand das CSU-Gemeinderat und Finanzreferent Holger Linde. SPD-Gemeinderätin Venera Sansone meinte schlicht, sie sei „geplättet“.

Der Ausschuss gönnte sich daraufhin eine ausführliche Diskussion. Denn eines war klar: Kosten in Höhe von einer halben Million Euro sind der Öffentlichkeit nicht vermittelbar. Also tat man das, was Linde vehement gefordert hatte: nach Einsparmöglichkeiten suchen.

Einig waren sich die Gemeinderäte, dass auf eine Holzvertäfelung der Wände verzichtet werden soll. Eine solche Verkleidung wäre „nice to have“ – „schön zu haben“, sagte Bürgermeister Kolbe. Aber sie ist eben verzichtbar.

Sehr viel länger wurde darüber diskutiert, ob neue Stühle für den großen Sitzungssaal angeschafft werden sollen. Der Ausschuss entschied sich schließlich einstimmig dafür, dass die zwölf Jahre alten und nach Worten von CSU-Gemeinderat Stefan Handl „noch pfennigguadn“ Drehstühle noch gut genug sind. So müssen nur sechs neue Stühle angeschafft werden.

Da lag die nächste Frage nahe: Kann auch der alte Sitzungstisch noch verwendet werden? Weil jedoch eine Erweiterung sehr aufwendig sei, die Ratsmitglieder an diesem Tisch überaus beengt sitzen würden und Einbußen in Sachen Optik zu erwarten wären, entschied sich der Ausschuss dagegen.

Den neuen Ratstisch wird nicht etwa ein Schreiner anfertigen, hier bedient man sich einer Systemlösung, wie sie große Hersteller anbieten. Das ist rund 20 000 Euro günstiger.

Wie teuer die Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen nun insgesamt werden wird, ist noch nicht genau zu beziffern. Jenseits der 400 000-Euro-Marke wird man aber wohl landen. Enthalten sind hier Planungs- und Nebenkosten in Höhe von 100 000 Euro.

Teuer sind vor allem die notwendigen Hochbaumaßnahmen und das Technikpaket. Die Modernisierung der Videotechnik kostet rund 52 000 Euro, unter anderem wird hier ein leistungsstarker Beamer für 10 000 bis 15 000 Euro angeschafft. Die Audiotechnik mit Mikrofonanlage und Anschlüssen für Tablets und Smartphones am Sitzungstisch schlägt mit rund 16 500 Euro zu Buche. Auch auf eine Lüftungsanlage mit Kühlfunktion für 76 000 Euro wollen die Gemeinderäte nicht verzichten.

Thomas Leichsenring

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