Frau steht neben Playmobilmännchen
+
Nach anfänglicher Nervosität hat sich Petra Schmidt-Grabsch mittlerweile sehr gut in ihrem neuen Job eingelebt.

Von der Flug- zur Impfbegleiterin

Die Stewardess Petra Schmidt-Grabsch und der Ex-Polizist Bernd Brinck helfen im Karlsfelder Impfzentrum

Normalerweise jettet Petra Schmidt-Grabsch als Flugbegleiterin um die Welt. Doch wegen Corona ist sie zuletzt im April geflogen. Jetzt hilft sie im Impfzentrum Karlsfeld.

Karlsfeld – Die logistischen Herausforderungen in den Impfzentren in Dachau und Karlsfeld sind immens: Um die hohe Zahl an Erst- und Zweitimpfungen durchführen zu können – in Karlsfeld sollen es bis zu 400 am Tag werden – braucht es sehr viel Personal. Neben den Ärzten, medizinischen Fachangestellten, Krankenpflegern oder Rettungssanitätern arbeiten auch Mitarbeiter aus dem nicht medizinischen Bereich mit – in der Vor- und Nachbereitung und in der Organisation. Die Johanniter-Unfall-Hilfe, die das Impfzentrum Karlsfeld betreibt, hat über ihre Webseite www.karriere.johnniter solche Mitarbeiter gesucht – und gefunden!

Die Stewardess und Modedesignerin Petra Schmidt-Grabsch (53) ist seit Anfang Februar ehrenamtlich im Impfzentrum Karlsfeld tätig. Ihre Aufgaben dort sind die Registrierung der zu impfenden Patienten sowie die Nachsorge. „Das Schöne an unserem Impfzentrum ist, ähnlich wie in meinem normalen Job, dass wir alle aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen gewürfelt miteinander arbeiten. Und ich muss sagen, das klappt hervorragend, die Stimmung ist sehr nett und fast freundschaftlich“, erklärt die Stewardess. „An meinem ersten Arbeitstag im Impfzentrum war ich wirklich etwas nervös. Nach so langer Zeit wieder in einem neuen Bereich anzufangen. Ich wurde sofort sehr nett empfangen und auch gleich mit allen Gegebenheiten vertraut gemacht. Dann kamen die ersten Patienten zur Nachsorge in meinen Arbeitsbereich für den ersten Tag. Ich musste teilweise mit den Tränen kämpfen, so sehr berührten mich die älteren Menschen. Sie waren so dankbar über ihre Impfung und einfach nur froh, endlich sicher geimpft zu sein.“

Im April 2020 zuletzt als Stewardess geflogen: Petra Schmidt-Grabsch.

Das normale Berufsleben von Petra Schmidt-Grabsch ist sehr bunt. Sie ist Trachtendesignerin und hat seit 14 Jahren ein Atelier in Maisach. Mit dem eigenen Trachtenlabel „Geweihda“ ist sie spezialisiert auf Hochzeitstrachten und eher etwas ausgefallenere Dirndl, Lederhosen und Schürzen. „Mein Business lief vor Corona wirklich sehr gut, daher habe ich meinen eigentlichen Beruf als Flugbegleiterin bei der Lufthansa auf einen kleinen Teil reduziert“, so Schmidt-Grabsch, die seit 21 Jahren bei der Lufthansa ist. In ihrem Beruf als Stewardess hat sie die halbe Welt bereist und vieles erlebt. Wegen Corona sind nun beide Berufe erst Mal weg. Schmidt-Grabsch: „Mein Atelier ist geschlossen, und geflogen bin ich das letzte Mal im April 2020. Mein größter Wunsch wäre es, dass alles wieder halbwegs normal wird und ich meine Leidenschaften weiterleben kann: die Mode, das Reisen und nun auch die Arbeit mit Menschen und das Helfen in schwierigen Zeiten.“

Ein eigenes Trachtenlabel: Petra Schmidt-Grabsch hat sich auf ausgefallene Dirndl spezialisiert.

Bernd Brinck (64) war seit 1975 bei der Polizei. Zu Beginn bei verschiedenen Polizeiinspektionen und später beim bayerischen Landeskriminalamt, zuletzt im Sachbereich für illegale Migration und Menschenhandel eingesetzt. Nach 47 Jahren im gleichen Beruf ist für ihn die Tätigkeit im Impfzentrum Karlsfeld eine neue und sehr spannende Erfahrung. „Nach meiner Pensionierung im Jahr 2017 habe ich mich auf den Sport konzentriert. Seit 1986 bin ich als Sportübungsleiter bei verschiedenen Vereinen aktiv, unter anderem beim TSV Eintracht Karlsfeld und an der TU München. Seit dem Lockdown sind alle meine sportlichen Aktivitäten ausgefallen, und ich habe nach einem anderen, sinnvollen Betätigungsfeld gesucht. Die Johanniter haben nach Mitarbeitenden im Impfzentrum gesucht. So bin ich darauf gestoßen“, erzählt Brinck.

Wir sind ein gutes Team, jeder will helfen: Bernd Brinck bei seiner Arbeit im Impfzentrum.

Er ist seit dem 1. Januar im Karlsfelder Impfzentrum als Ehrenamtlicher ein bis zwei Mal die Woche im Zentrum oder bei der mobilen Einheit tätig. „Wir haben von Beginn an zusammen das Impfzentrum aufgebaut. Wir sind alle ein gutes Team!“ Die menschliche Nähe und das freundliche Miteinander macht es ihm sehr leicht, mit den Kollegen zusammenzuarbeiten. „Es fühlt sich gut an, gebraucht zu werden. Sowohl die Impfbesucher, zurzeit überwiegend ältere Personen, als auch das Team freuen sich, wenn man hilft. Alle Impfbesucher sind unheimlich nett und freundlich“, so der Karlsfelder.

Nach der Coronazeit freut sich der 64-jährige Helfer wieder auf seine Sportgruppen. Und wenn es zeitlich möglich ist, möchte er gern auch weiter für die Johanniter ehrenamtlich tätig sein.
dn

Helfer gesucht!

Insgesamt unterstützen im Impfzentrum Karlsfeld im Moment 33 ehrenamtliche und 18 hauptamtlich Helfer 32 Ärzte. Die Ehrenamtlichen erhalten eine Aufwandsentschädigung. Wer sich ebenfalls engagieren möchte: Stellenausschreibungen erfolgen über das Karriereportal der Johanniter unter www.karriere.johanniter.de. dn

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare