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Ein Karlsfelder Messerstecher musste sich vor dem Landgericht München II verantworten (Symbolbild)

Folgenschwerer Streit

Messerstich in den Hals 

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Martin K. (alle Namen geändert), so viel steht fest, hatte ganz großes Glück: Fast hätte ihm der Besuch seiner Stammkneipe in Karlsfeld im September 2018 das Leben gekostet. Denn der Abend endete für ihn mit einem Messerstich in seine linke Halsseite. Dafür musste sich jetzt ein 45-Jähriger Münchner vor dem Landgericht München II verantworten (wir berichteten).

Karlsfeld – In jener Septembernacht hatten Täter und Opfer Streit. Es gab wechselseitige Beleidigungen und später auch eine Rangelei. Nach dem Ende des Kneipenbesuchs eskalierte der Konflikt. Der Angeklagte Sebastian W. stand an einer Bushaltestelle in Karlsfeld, als K. vorbei kam. Wieder gerieten die beiden aneinander – und W. griff zum Messer und stach K. in den Hals.

Die Attacke ging zum Glück glimpflich aus, der Geschädigte erlitt keine bleibenden Schäden. Wäre der Stich jedoch nur wenige Millimeter versetzt gewesen, hätte er sterben können, so die Einschätzung eines Gutachters.

W. war deswegen wegen versuchten Totschlags angeklagt. Bei der Verhandlung berief er sich jedoch auf Notwehr. K. hätte ihn von hinten umgerissen und sei im Bushäuschen auf ihn gelegen. Nur um sich zu befreien hätte er das Messer genutzt.

Ein Busfahrer, der Erste Hilfe leistete, berichtete am letzten Verhandlungstag jedoch, ein „gegenseitiges Schubsen“ beobachtet zu haben, als er zur Haltestelle kam. „Die beiden sind gestanden und aufeinander losgegangen“, sagte der Zeuge. Dass einer der beiden Kontrahenten auf den anderen gelegen ist, habe er nicht gesehen.

K. blieb dennoch bis zum Ende des Prozesses bei seiner Version. „Es war verabscheuungswürdig, und ich bedauere es, das Messer benutzt zu haben“, sagte er in seinen Schlussworten. „Aber mir ist in dieser Sekunde nichts anderes übrig geblieben.“

Glaubhaft war das für das Gericht jedoch nicht. „Die Einlassung riecht nach einer klassischen Schutzbehauptung“, erklärte der Vorsitzende Richter. K. habe das Messer bereits halb aufgeklappt und zugriffsbereit in seiner Hosentasche gehabt. „So trägt man normalerweise kein Messer in der Hosentasche“, sagte der Richter.

Die Kammer verurteilte W. deswegen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten – jedoch nicht wegen versuchten Totschlags, sondern wegen gefährlicher Körperverletzung.

Zwar könne ein Stich in den Hals grundsätzlich lebensgefährlich sein, so der Richter. W. sei jedoch nach dem ersten, rund eineinhalb Zentimeter tiefen Stich, von der Tötungsabsicht freiwillig zurückgetreten. „Er hätte die Möglichkeit für weitere Stiche gehabt, erläuterte der Vorsitzende. Nachdem der Angeklagte jedoch nicht weiter zugestochen hat, handle es sich um eine gefährliche Körperverletzung.

Für Sebastian W. kann das Urteil auch eine Chance sein: Elf Monate saß er bereits in Untersuchungshaft, jetzt wird er in einer Entziehungsanstalt untergebracht.

W. ist stark alkoholabhängig. Auch vor der Tat hatte er acht bis zehn Bier getrunken – sein üblicher Rahmen. Der heute 45-Jährige ist aber motiviert, sich zu ändern. Schon in der Untersuchungshaft hatte er sich den anonymen Alkoholikern angeschlossen. Er selbst vergleicht sein Leben mit einem Seil. „Zeitlebens habe ich viele Knoten hineingemacht“, sagte er. „Ich gehe nicht davon aus, dass ich in der Therapie alle Knoten lösen kann, aber zumindest einige.“

Eineinhalb bis zwei Jahre könnte laut Gutachter im Falle von Sebastian W. die Alkohol-Therapie dauern. Wenn er sie erfolgreich absolviert hat, stehen seine Chancen auf ein Leben in Freiheit gut: Dann könne eine Aussetzung der restlichen Strafe zur Bewährung in Frage kommen, stellte das Gericht dem Münchner in Aussicht.

„Sie müssen jetzt Verantwortung im Leben übernehmen“, sagte der Richter. „Jetzt ist die Frage, ob sich Ihre Willenskraft gegen die Versuchungen durchsetzt.“

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